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Film: GODZILLA II: KING OF THE MONSTERS

29.05.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 31. Mai 2019
GODZILLA II: KING OF THE MONSTERS
USA / 2019
Regie: Michael Dougherty
Mit: Vera Farmiga, Kyle Chandler, Millie Bobby Brown, Ken Watanabe, Charles Dance, Sally Hawkins, Ziyi Zhang u.a.

Es scheint meist so, dass man sich lieber an Bewährtes hält, als Neues zu versuchen. So, wie die Filmindustrie ununterbrochen die Comic-Helden durch einander wirbelt, tut sie es auch mit den Monstern. Die Japaner haben einst Godzilla und noch eine Menge scheußlicher Riesenviecher kreiert, derer sich die Amerikaner schnell bemächtig haben. Nachdem Godzilla auf der Kinoleinwand vor ein paar Jahren gegen King Kong angetreten ist (so erfolgreich, dass sie es nächstes Jahr wiederholen!), findet er sich nun wieder in seinem eigenen Revier – nicht nur er ist los, sondern auch gleich 17 (!) andere Kinomonster, die sich die Japaner ausgedacht haben.

Man muss sich in diesem Fall aber nur eines merken, „King Ghidorah“ genannt (hier auch als „Monster Zero“ und Erzfeind gehandelt) und mit drei feuerspeienden Drachenköpfen auf langen Schwung-Hälsen versehen. Und damit eigentlich schauriger und attraktiver als Godzilla selbst, der in seinen Anfängen im japanischen Kino von Männern in Gummianzügen verkörpert wurde – und heute aus den Computern kommt. Riesig, mit tierischem „Gesicht“, eigentlich eine Riesenechse mit Zacken auf dem Rücken und einen peitschenden Schwanz, aber auch imstande, auf zwei Beinen gehen und noch fürchterlicher und größer zu sein… Aber, wie gesagt, Ghidorah ist beweglicher und ästhetisch interessanter, und der Löwenanteil des Films besteht darin, dass diese beiden auf einander losgehen.

Um viel Handlung oder Erklärungen hat sich dieser Film von Regisseur Michael Dougherty, der das Gebrülle und Gekämpfe und Flammengesprühe liefert (meist nicht sehr deutlich im Halbdunkel, wozu die 3 D-Brillen, die alles noch düsterer machen, beitragen), nicht eben bemüht. Die Monster kommen über die Welt, zerstören Städte, und die Menschen müssen sich etwas einfallen lassen. Tatsächlich aber spielen sie eine geringe Rolle im Geschehen – und letzte Klarheit der Story wird peinlich vermieden. Dass die Monster aus der Tiefe der Erde oder des Meeres wieder auftauchen, findet die Wissenschaftlerin Dr. Emma Russell (Vera Farmiga, die aus vielen zweitklassigen Horror-Filmen den permanent entsetzten Gesichtsausdruck mitbringt) das eigentlich gut: Diesen Geschöpfen gehört die Erde, meint sie, und lässt sich nicht ganz erklärlich mit dem Bösewicht des Films (Charles Dance, so blaß und nebenbei wie selten) ein.

Ihr geschiedener Gatte Mark Russell (Kyle Chandler, einer der vielen B-Darsteller hier, die den Produzenten reichen, weil es ja ohnedies nur um die Monster geht) ist da ganz anderer Meinung und auf der Seite der „krypto-zoologischen Organisation Monarch“, die sich mit der Gefährdung auseinander setzen soll. Und Madison Russell, die halbwüchsige Tochter der beiden (die 15jährige Millie Bobby Brown, die eigentlich älter wirkt, aber die Bezugsperson für ein junges Publikum darstellen soll), weiß jetzt nicht, ob sie zu Mama oder Papa halten soll… Und man ist nicht sicher, ob man sich für diese Familienprobleme interessiert. Und ob man immer weiß, wer jetzt was beabsichtigt.

Weil die Japaner ein historisches Recht auf Godzilla haben, ist – nicht zum ersten Mal in diesen Filmen – Ken Watanabe als Dr. Ishiro Serizawa mit dabei. Auch Sally Hawkins, die für den albernen „Shape of Water“-Film zu einer „Oscar“-Nominierung und Bekanntheit kam, spielt wieder eine Assistentin. Bloß hat da das Drehbuch gestockt oder man hat am Schneidetisch Blödsinn gemacht – sie verschwindet nämlich ohne sonderliche Erklärung aus der Handlung und kehrt nie wieder. Also, da hätte man schon gerne gewusst, was da eigentlich los war…

Was jemand wie die in vielen Hongkong-Filmen so wunderbare Ziyi Zhang hier zu suchen hat, versteht man nicht ganz. Die Gage wahrscheinlich, denn Rolle ist es keine. Aber, wie gesagt, auf die Menschen kommt es nicht an, die sind hier ein schwacher Haufen.

Wie stark sind die Monster? Der Film dauert über zwei Stunden, hat 200 Millionen Dollar verschlungen (!!!) und hetzt letztendlich immer dieselben auf einander los (es gibt – jugendliche Fachleute werden sie kennen – auch noch den Flugsaurier Rodan und die flügelbreite Motte Mothra, aber so richtig wichtig werden sie nicht), und das wird auf die Dauer einförmig. Monster kämpfen (wir als Zuschauer dürfen uns aussuchen, zu wem wir „halten“), Menschen schauen erschüttert drein, und am Ende sieht es nicht so aus, als ob die Viecher einander vernichtet und die Erde den Menschen zurück gegeben haben.

Geht ja gar nicht. Sie müssen ja noch viele Filme lang in digitaler Perfektion und Dolby-Sourround-Lautstärke viel, viel Geld einspielen. Einfach durch ihr Dasein, auch wenn Drehbuchautoren und Regisseuren nichts mehr zu ihnen einfällt.

Renate Wagner

 

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