60 Jahre und schon auf der Höhe philharmonischer Orchester-Qualität
Die Jubiläumsgala im Toscana Park Gmunden vor 1600 Zuhörern
Am schönsten Ort Österreichs, dem von See und Gebirge umgebenen Ambiente, feierte am Sonntag, 12. Juli 2026, der renommierte Klangkörper aus Linz seinen 60. Geburtstag: das Bruckner Orchester, ein großer Name, eine erfolgreiche Marke, ein Kulturspirit im Lande, längst wohlbekannt in der Musikwelt. Den Titel des genius loci Bruckner trägt das Orchester erst seit dem Jahre 1966, blickt aber schon 200 Jahre seines Bestehens zurück. Es galt daher auch, nicht nur an das Heute des Orchesters zu denken, sondern zurückzublicken auf die bisherigen Leistungen und die vielen Verdienste, die man sich in dieser Zeit erworben hatte mit dem Renommée eines konkurrenzfähigen Orchesters. Es war ein historischer Moment, als ehemalige Chefdirigenten des Bruckner Orchesters in den vergangenen 60 Jahren die Glaskugelbühne der Reihe nach bestiegen, so nahe der jetzigen Pultherrschaft Markus Poschners, der ihnen zwar nicht den Dirigentenstab überließ, aber sich ihnen bei der Übergabe eines Erinnerungsgeschenkes ehrerbietend zuneigte. Als Ehrengäste zum Fest geladen waren: Theodor Guschlbauer, Roman Zeilinger, Manfred Mayrhofer, Martin Sieghart, Ingo Ingensand und 15 Jahre lang als längst dienender Chefdirigent des Bruckner Orchesters Dennis Russell Davies.
Dann folgte das Programm, fachkundig moderiert von Johanna Berki, deren Name leider ungenannt blieb, ob aus Bescheidenheit ihrer Person oder Versehen. Das war rasch vergessen durch eine Fülle von herrlicher Musikklassik, die weltumspannend die Wogen des Traunsees und das gewaltige Traunsteinmassiv im Hintergrund zu Klängen bewegte und spontan zu Herzen ging. Da löste sich auch die jeweilige Stimmung ab von tragischen Melodien bis zu heiterer Musik aus Opern, Liedern oder Musicals, eben signifikant für die ganze Bandbreite des Repertoires, mit der das Bruckner Orchester sein Publikum das ganze Jahr über im Theater und Konzertsaal bedient. Die Stücke waren aufgeteilt in einen rein instrumentalen Teil mit Werken von Johann Strauß, Johannes Brahms, Anton Bruckner (eine Urfassung des Scherzos aus seiner 1. Sinfonie) und Beethoven. Ein gewaltiges Wort beim Jubiläum mitzureden hatten natürlich die aus dem Ensemble „auserwählten“ vokalen Mitwirkenden – vier ihrer Zahl, zwei Damen und zwei Herren, alle mit einer karrierefördernden Beziehung zum Linzer Musiktheater. Ihre Stimmen entsandten perlende Töne hoher Koloratur, strahlende Sopranklänge, orgelregistergleiche Baritontöne, tenorale Schwingungen, in allen Farben und Facetten in den Äther eines langsam nächtlich werdenden Abends. Von Duetten bis Quartetten reichte das Angebot: Vom „Uhrenduett“ aus der
„Fledermaus“ über Mozarts „Zauberflöte“, Leonard Bernsteins „Candide“, Millöckers „Bettelstudent“, Ernst Kreneks „Reisebuch aus den Alpen“, Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ und Albert Lortzings „Der Wildschütz“ bis Beethovens „Fidelio“ ließen Erica Eloff und Ilia Staple (Soprane), Matthäus Schmidlechner (Tenor) und Adrian Eröd (Bariton) ihre höchste Gesangskultur von Weltformat und präzise Artikulation bewundern. Bei gesteigertem Applaus nach jeder Nummer
waren Zugaben selbstverständlich: wie sinnvoll die „Donner- und Blitz-Polka“ von Johann Strauß zum Abschied zu wählen. Es hat nicht gedonnert, es hat im Toscanapark auch nicht geblitzt. Da waren ganz andere Hilfsgeister am Werk, dass dieses einzigartig gelungene Jubiläum vom Wetter nicht gestört wurde. Alles in allem : DER LIEBE GOTT – DIE MUSIK – und MARKUS POSCHNER – sie waren wieder mal eine Verwandtschaft eingegangen.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

