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GIESSEN/ Stadttheater: CATERINA CORNARO von Gaetano Donizetti

11.12.2022 | Oper international

Gaëtano Donizetti: Caterina Cornaro • Stadttheater Giessen • Vorstellung: 10.12.2022

(3. Vorstellung • Premiere am 26.11.2022)

 Deutsche szenische Erstaufführung

Eine veritable Entdeckung

Es gibt Werke, die mit Recht Raritäten sind und bleiben. Und es gibt Werke, vorzugsweise jene, die für die Zeit (und das Publikum) der Uraufführung zu modern waren, die noch der Entdeckung harren. Zu dieser zweiten Kategorie zählt ganz klar Donizettis «Caterina Cornaro».

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Foto: Rolf Wegst

Donizettis letzte Oper hatte ihre Uraufführung am 12. Januar 1844 im Teatro San Carlo in Neapel. Rossini lebt mehr oder weniger zurückgezogen in Paris, Bellini ist seit 9 Jahren verstummt. Ein Generationenwechsel bahnt sich an: Seit der Uraufführung des «Nabucco» sind schon fast zwei Jahre vergangen, in diesem Jahr wird Verdi «Ernani» und «I due Foscari» zur Uraufführung bringen. Und «Caterina Cornaro» verkörpert diesen Generationenwechsel. Es sind noch immer die Qualen der Frau, die die Schauerromantik faszinieren, aber die Reaktion der Frau ist hier eine ganz neue: sie bricht nicht zusammen und flüchtet nicht in den Wahnsinn, sondern macht sich und ihrem Volk Mut für die Zukunft.

Der Caterina Cornaro-Stoff war in den 1840er Jahren in Mode und so wurde er auch noch von Jacques Fromental Halévy, Franz Lachner, Michael William Balfe und Giovanni Pacini. Die meisten Libretti wie auch das von Giacomo Sacchèro für Donizetti basieren auf dem Libretto von Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges für Halévy. Aber erst die Kürzungen Sacchèros brachten die für Donizettis Werk charakteristischen Szenen. Bei Vernoy de Saint-Georges war der König schon so geschwächt, dass er kaum noch in der Lage war Gerardo zu Empfangen. Zudem hatte er Gerardo seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen, so dass nicht sicher ist, ob er ihn überhaupt erkannt hätte. Bei Sacchèro tritt der neapolitanischen Zensur wegen das Gift in den Hintergrund und wird der zeitliche Ablauf so zusammengedrängt, dass Lusignano Gerardo geradezu erwartet. Jetzt erst kann er seine Gattin mit ihrem ehemaligen Liebhaber allein lassen. Erlebt der Zuschauer hier das Wiedersehen zweier gereifter Persönlichkeiten, waren es zu Beginn der Oper noch zwei heftig verliebte Teenager. Für Aufführungen in Parma 1845 hatte Donizetti den Schluss noch umgearbeitet und Caterina aktive Wendung zur  Zukunft wieder gestrichen.

In Giessen wird nun die ungekürzte erste Fassung, ergänzt mit Material, das Donizetti wegen der Zensur schon vor der Uraufführung streichen musste, gezeigt. Und doch hat die Oper eine sehr theaterpraktische Länge von nur zweieinhalb Stunden.

Anna Drescher (Regie) erzählt die Geschichte eng am Libretto. Tatjana Ivschina (Bühne&Kostüme) hat als prägendes Bild eine über die ganze Breite der Bühne reichende Vitrine geschaffen. Caterina ist von dem Moment an, wo ihr Vater die Hochzeit mit Gerardo absagen muss, ein Spielball höherer Mächte, immer ausgestellt und unter Beobachtung. (Als Frau ist sie das damals eigentlich von Geburt an). Die Vitrine ist ihr gläserner Käfig, den sie erst verlassen kann, als sie bereit dazu ist und sich selbst befreit.

Hat sich das Philharmonische Orchester Giessen unter musikalischer Leitung von Vladimir Yaskorski eingespielt, gelingt ihm eine schlüssige Wiedergabe mit viel Brio. Jan Hoffmann hat den klangschön agierenden Opernchor und Extrachor des Stadttheater Giessen bestens vorbereitet.

Julia Araújo gibt mit hervorragend geführtem Sopran und sicheren Höhen eine überzeugende Caterina Cornaro. Tomi Wendt singt Caterinas Vater Andrea Cornaro mit gepflegtem Charakterbariton.  Younggi Moses Do lässt sich nach einer überstandenen, aber noch immer deutlich hörbaren Erkältung ansagen. Der Bariton von Grga Peroš als Lusignano lässt sich gut von Andrea unterscheiden. Peroš überzeugt mit Wohlklang und Bühnenpräsenz. Clarke Ruth ist als Mocenigo eine Figur wie aus einem Horrorfilm. Yoseph Park als Strozzi, Paola Alcocer Crespo als Matilde und Aleksandr Bogdanov als Kavalier des Königs ergänzen das engagierte Ensemble.

Eine veritable Entdeckung!

Weitere Aufführungen:

25.12.2022, 06.01.2023, 28.01.2023, 05.02.2023, 04.03.2023, 12.03.2023 und 30.03.2023.

 

11.12.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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