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Gespräch mit dem Präsidenten des «Zusatzchor der Oper Zürich», Paul Votruba – im März 2026

22.03.2026 | Dirigenten

Zürich im März 2026: Gespräch mit dem Präsidenten des «Zusatzchor der Oper Zürich», Paul Votruba

«Grenzenlose Liebe zum Musiktheater»

In der aktuellen Produktion von Georg Friedrich Händels «Giulio Cesare» am Opernhaus Zürich übernimmt der «Zusatzchor der Oper Zürich» die Chorpartie, da der «Chor der Oper Zürich» während des Festivals «Zürich Barock» (https://www.opernhaus.ch/spielplan/zuerich-barock/) mit dem Orchester der Oper Zürich auf Tournee ist. Jan Krobot hat anlässlich der Eröffnung von «Zürich Barock» mit dem Präsidenten des «Zusatzchores der Oper Zürich», Paul Votruba, gesprochen.

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Zusatzchor der Oper Zürich und Ensemble in «Giulio Cesare»; Foto © Monika Rittershaus

Wer sind die Mitglieder des Zusatzchores?

Der «Zusatzchor der Oper Zürich» (ZOZ) vereint Sängerinnen und Sänger, die sich aus purer Leidenschaft dem Opernhaus Zürich widmen Es sind Menschen mit den unterschiedlichsten beruflichen und biografischen Hintergründen. Die einen haben ein Musik- und Gesangsstudium absolviert, jedoch aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituation die musikalische Laufbahn nicht weitergeführt. Andere wiederum pflegen den Gesang neben ihrem Berufsalltag als äusserst anspruchsvolle Tätigkeit. Aber alle verbindet eines: die grenzenlose Liebe zum Musiktheater. Sie widmen ihre gesamte Freizeit dem Theater. In dieser Form als «semiprofessionelles» Ensemble ist der Zusatzchor einzigartig.

 

Wer kann Mitglied des Zusatzchores werden?

Voraussetzung für die Aufnahme im Chor ist eine stimmliche Grundausbildung, sowie ein Vorsingen, bei welchem beurteilt wird, ob die Stimme den professionellen Anforderungen der Chortätigkeit am Opernhaus Zürich genügt und sich gut ins Ensemble einfügt. Das Vorsingen wird von der Chordirektion des Opernhauses geleitet; zusätzlich anwesend sind Vorstandsmitglieder des Berufschores sowie des Zusatzchores. Diese Stimmprüfung ist von zentraler Bedeutung, da unsere Mitglieder gemeinsam mit Berufssängerinnen und -sängern auf der Bühne stehen und sind somit Teil eines professionellen Gesamtklangs bilden. Entsprechend hoch ist die musikalische Verantwortung jedes Einzelnen.

 

Wie ist dieser Verein entstanden?

Der Zusatzchor wurde am 5. April 1993 gegründet. Seine eigentliche Geschichte beginnt jedoch bereits rund 90 Jahre früher: Im Jahre 1904 rekrutierte das damalige Stadttheater für eine Serie von Wagner-Aufführungen («Lohengrin») zusätzliche Sänger aus dem Lehrergesangsverein. Aus diesen Anfängen entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Verein, der sogenannte Theater-Lehrerchor. Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Chöre am Opernhaus Zürich war Gründung einer hauseigenen Chorschule nach dem Zweiten Weltkrieg. Daraus ging der «Extrachor» hervor, der neben der Mitwirkung in einigen Opernproduktionen vor allem ein immenses Repertoire an Operetten (die damals fast die Hälfte des Spielplans ausmachten) bewältigte. In diesen Operetten trat der Extrachor (wie dann auch der Zusatzchor) häufig auch als selbständiges Ensemble auf.

Während der Intendanzen von Drese [Dr. Claus Helmut Drese, 1975-1986] und Groszer [Christoph Groszer, 1987-1991] wurden die beiden Chöre durch Auftritte in Tourneen und in Grossproduktionen – unter anderem im Kongresshaus und im Hallenstadion [während des Umbaus des Opernhauses von 1982-1984] – deutlich aufgewertet und erfreuten sich eines grossen Zustroms neuer Sängerinnen und Sänger. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, setzten sich die damaligen Chor-Direktoren Karl Kamper und dann Jürg Hämmerli dafür ein, die Proben-Bedingungen und die musikalisch-qualitative Weiterbildung der Laienchöre zu verbessern. Seitens der beiden Vereine erfolgten ebenfalls Vorstösse, um einfacher und zielführender arbeiten zu können. Nach gut zwei Jahren intensiver Verhandlungen sowohl der Vereine unter sich als auch mit dem Haus, hatte man sich auf eine Neuorganisation geeinigt und der Gründung des neuen Vereins, des «Zusatzchor der Oper Zürich», stand nichts mehr im Wege.

Mit Beginn der Intendanz Pereira wuchs der Spielplan und damit auch die Anforderungen an die Chöre nochmals ganz erheblich. Produktionen, in denen der Zusatzchor nur mit wenigen Mitgliedern des Berufschores zu erleben war, nahmen zu.

Wie gestaltet sich Eure Zusammenarbeit mit dem Haus und dem Berufschor?

Hier darf ich aus dem Schreiben von Andreas Homoki [Intendant von 2012 bis 2025] zu unserem 25jährigen Jubiläum zitieren: «Ohne den ZOZ wäre es uns als Opernhaus von internationaler Ausstrahlung nicht möglich, unserem Publikum einen so umfangreichen und abwechslungsreichen Spielplan zu bieten. Schliesslich unterstützt uns der ZOZ in zahlreichen Produktionen unseres weitgefächerten Repertoires. Nicht allein als vielfältige Unterstützung unseres Hauschors, sondern nicht selten auch bei Produktionen, in denen der Hauschor aus dispositionellen Gründen nicht zu Verfügung steht und die Chorpartie in einer Oper sogar vollständig vom ZOZ übernommen wird».

Wenn dem Zusatzchor also Opernproduktionen ohne Mitwirkung oder nur mit einzelnen Mitgliedern des Berufschors und/oder mit externen Zuzügern anvertraut werden können, zeigt dies seine hohe künstlerische Bedeutung und die gewachsene Rolle innerhalb des Opernhauses.

 

Welche Aufgaben übernehmt Ihr?

Der Zusatzchor wird im Normalfall als Verstärkung des Berufschors eingesetzt; das ist unser Hauptauftrag. Das Repertoire umfasst Werke aller Epochen und Sprachen. Darüber hinaus werden die Mitglieder aber auch in kleineren Formationen, hinter der Bühne oder in ausgewählten Szenen eingesetzt. Der Zusatzchor übernimmt aber gelegentlich – wie aktuell in «Giulio Cesare» – auch eigenständig Chorpartien (unter Mitwirkung von einigen Zuzügern und den SoprAlti). Dies ist ein besonderer Vertrauensbeweis und unterstreicht die künstlerische Wertschätzung, die dem Zusatzchor seitens des Opernhauses entgegengebracht wird.

 

Wir haben viel von der Vergangenheit gesprochen – wie siehst Du die Zukunft des Zusatzchors?

Der Zusatzchor hat sich über viele Jahre hinweg im Einklang mit den Bedürfnissen des Opernhauses weiterentwickelt. Seine Stärke als bewährte Stütze des Opernhauses liegt gerade in dieser Flexibilität und in seiner künstlerischen Vielseitigkeit. Darum wird es auch in Zukunft gehen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass diese Zusammenarbeit wesentlich zur Vielfalt und Leistungsfähigkeit des Hauses beiträgt.

 

20.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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