Zürich im Dezember 2025: Gespräch mit Anna Gitschthaler anlässlich der Proben zu «Don Gregorio»
«Jeder hat das Potential Oper zu mögen»
In Kálmáns «Die Zirkusprinzessin», der diesjährigen Produktion der Operettenbühne Bremgarten AG (Schweiz), debütierte die junge österreichische Sopranistin Anna Gitschthaler als Fedora. Jan Krobot traf die vielseitig engagierte Sängerin anlässlich der Proben zu Donizettis «Don Gregorio», wo sie die Gilda Tallemanni gibt.

Foto © Shirley Suarez
Geboren im steiermärkischen Oberwölz, besuchte Anna Gitschthaler die Schulen in ihrem Heimatort. Erster Kontakt zur aktiven Musik war für sie, die immer gern gesungen und getanzt hat, das Querflötenspiel, die Blasmusik im Ort und die Theaterrunde im nahen Murau. Besonderen Spass bereitete ihr (und vielen anderen Jugendlichen) das Mitsingen im Chor der Theaterrunde. Als Gitschthaler vierzehn war, meldete ihre Mutter sie zum Gesangsunterricht an. So lernte sie ihre Stimme auf eine andere Art kennen und hat bald gemerkt, dass ihre Stimme hier mehr im klassischen Gesang als im Pop zu Hause ist. Nach dem sie im Konzert der Gesangsschüler eine Arie aus «Cosi fan tutte» singen durfte, stellte sie fest, dass das Konzert nicht nur dem Publikum, sondern auch ihr selbst gefallen hatte. Inspiriert von ihrer Gesangslehrerin hatte sie weitergesucht: «Wo find ich jemand, wo will mich wer?» Als sich herauskristallisierte, dass ihr Lebensweg in die Schweiz führen wird, hat sie die Aufnahmeprüfung an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) absolviert und bestanden. So erhielt Anna Gitschthaler ihre Ausbildung, die sie mit Auszeichnung abschloss, an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) bei Yvonne Naef sowie in «diemasterclass Zürich» bei Sandra Trattnigg. So kann sie nun ihren Traum leben. Es fasziniert sie, mit dem eigenen Körper so klingen zu können, dass man eine riesengrosse Halle damit füllen kann.
Die Bühne ist, so sagt Gitschthaler, «definitiv» ihre Welt: «Ich hab’ mir gedacht, da wollt ich immer hin, und da bin ich jetzt». 2025 sang sie Operette, Oper und Liederabend (Winterreise) und auch das kommende Jahr hält für die vielseitige Künstlerin («Ich finde immer super, was ich gerade mache») interessante Engagements bereit. So stehen «Die Zauberflöte – what else?», die von ihr entwickelte kammermusikalische Neufassung von Mozarts Oper, die klassische Arien mit musikalischen Hits der vergangenen zwei Jahrhunderte verbindet, und die Franziska Cagliari in «Wiener Blut» auf der Operettenbühne Hombrechtikon auf dem Programm.
Neben ihrer Bühnentätigkeit ist Gitschthaler in der Musikvermittlung aktiv, unter anderem für das Opernhaus Zürich und die Tonhalle Zürich. Musikvermittlung bedeutet für sie, die Begeisterung für Oper und klassische Musik an Personen zu vermitteln, die bis jetzt keinen Zugang dazu haben. «Jeder hat das Potential Oper zu mögen»: eine Erfahrung, die die aus einer Arbeiterfamilie stammende Gitschthaler selbst gemacht hat. Für sie gebe es kein «Man mag Oper» oder «Man mag Oper nicht»: es brauche nur Zeit, den Zugang zu finden. Besonders freut sich die sympathische Sängerin auf ihr Engagement am Opernhaus Zürich: die Familienoper «Auf Circés Zauberinsel» nach «Scylla et Glaucus» von Jean-Marie Leclair. Hier wird die Figur der Circé aus der Oper herausgenommen und das Hauptaugenmerk auf die Geschichte der Zauberin gelegt.
Für ihre Karriere ist Anna Gitschthaler nur das Beste zu wünschen!
Zukünftige Engagements:
«Don Gregorio» von Gaetano Donizetti im Gemeindesaal Zollikon ZH:
«Die Zauberflöte – What else?» in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld TG:
https://www.theaterwerkstatt.ch/diezauberfloete
«DiE DiVVAS -Werkbank und Karriereleiter», ein musikalisches Cabaret am 01.03.2026 im AK-Saal des Stadttheater Murau: https://www.stadttheater-murau.at/
«Auf Circés Zauberinsel» im Opernhaus Zürich: https://www.opernhaus.ch/spielplan/kalendarium/auf-circes-zauberinsel/2025-2026/
«Wiener Blut» auf der Operettenbühne Hombrechtikon:
https://www.operette-hombrechtikon.ch/
19.12.2025, Jan Krobot/Zürich
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