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Gerhard Tötschinger: DIE DONAU

20.07.2013 | buch

Gerhard Tötschinger:
DIE DONAU
Geschichte und Geschichten vom großen Strom
312 Seiten, Amalthea Verlag 2013 

Selbst, wenn man „den Trost“ im Buchregal stehen hat (Ernst Trost hat vor Jahrzehnten ein Standardwerk über die „Donau“ geschrieben), sollte man sich keineswegs entgehen lassen, was Gerhard Tötschinger nun zu diesem Thema vorlegt. Er ist nämlich ein ernsthaft recherchierender Historiker, der erzählen kann wie der beste Journalist und den Leser die Donau entlang zwischen Deutschland und der rumänischen Schwarzmeerküste (mit sehr viel Österreich dazwischen) zu einer wahren Tour de Force durch die Geschichte mitnimmt. Aber eben „Geschichte und Geschichten“, so dass das Lernen und vor allem das Begreifen nie mühselig wird.

Tötschinger teilt den großen Strom (wo schon über die Quelle gestritten wird, weil einige kleine Bäche zusammenlaufen müssen, bevor sie zur Donau werden) in logische Abschnitte: Er führt von der Quelle bis Passau, von Passau bis in den Nibelungengau, durch die Wachau, von Krems bis Nussdorf, räumt Wien ein großes Kapitel ein, folgt dem Strom bis an die Porta Hungarica, von Theben (eigentlich Deveny) nach Mohacs, von Apatin bis zum Eisernen Tor und widmet die restlichen Abschnitte den Römern am Balkan und den großen Dichtern von Canetti bis Ovid, der ja sein Leben in der Verbannung am Schwarzen Meer beenden musste.

Was sich alles erzählen lässt, wenn man diesem Strom folgt, spottet jeder Beschreibung, es deckt von den Römern bis zu den Habsburgern und darüber hinaus die europäische Geschichte von mehr als zweitausend Jahren ab, mit Schlachten und Brautfahrten, mit Festungen, Klöstern und Schlössern am Weg, ein nicht abreißender Strom von Geschichten. Wobei der Autor bei jeder Gelegenheit große Zeitgenossen zu Wort kommen lässt, einen Grillparzer ebenso wie einen Konrad Lorenz. Sicherlich geht es bunt zu im raschen Wechsel zwischen Nibelungen und Kreuzzügen, Stifter und Mozart, Marc Aurel und Prinz Eugen… aber wer Geschichte liebt, wird sich hier vergraben.

Besonders schön ist die fast durchgehend farbige Bebilderung des Werks, das in den seltensten Fällen auf moderne Fotografien zurückgreift, sondern ein wunderbares Kompendium historischer Bebilderung anbietet, alte Stiche, Gemälde, alte Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitte, Buchtitel und –Illustrationen, und wenn Fotografien von heute, dann oft jene Luftaufnahmen, die ja schließlich den größten Aussagewert über etwa die Anlage einer Burg, eines Klosters haben.

Man bekäme wirklich Lust, ein Schiff zu besteigen und die ganze Donau, mit Tötschingers Buch im Gepäck, „hinunterzureisen“.

Renate Wagner

 

 

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