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GENF/ Victoria Hall: LA FORZA DEL DESTINO – konzertant

06.02.2016 | Oper

Konzertante Aufführung der Forza del Destino vom 5. Februar 2016, Victoria Hall in Genf

 La Forza del Destino wurde 1862 in St. Petersburg uraufgeführt, einige Male redigiert und von Verdi für die Uraufführung 1869 an der Mailänder Scala grundlegend verändert.

 Die konzertante Aufführung wurde, wegen der bereits begonnen Renovationsarbeiten, nicht im Stammhaus der Opera du Grand Théâtre de Genève wiedergegeben sondern in der akustisch hervorragenden Victoria Hall aufgeführt. Die verschnörkelte Victoria Hall, ein klassizistischer Historismusbau, ist per se ein Verwirrspiel, mit den vielen Farben, verwunschenen Karyatiden, Engeln und Schnörkelornamente. Da konnte diese Werk, das über Verwirrungen und Zufällen in der Handlung nur so strotz, an keinem passenderen Ort aufgeführt werden. Fast einer Symbiose gleich, passten die schönen farbigen Abendroben der Damen hervorragend in die Kulisse der Victoria Hall hinein.

 Dirigent Paolo Arrivabeni animierte das Orchestre de la Suisse Romande zu einem klaren und kultivierten musikalischen Bogen. Es fehlte nicht an Dramatik und Schwung, die intimen Passagen und Gebete, vor allem der erlösende Schluss, gelang geradezu mit transzendentaler Durchsichtigkeit. Als Leonora de Vargas imponierte Csilla Boross die mit einer majestätischen Stimme aufwartete, welche zu glänzen und zu glühen vermochte. Sie ist unglaublich temperamentvoll und offenbarte sich auf der Bühne dementsprechend engagiert und mit viel Herzblut. Dramatische Stärken entwickelte sie besonders in den tiefen Registern, die sie ausdrucksstark ansetzte. Ihr Partner in der besuchten dritten Vorstellung war Aquiles Machado der Venezolaner verfügt über heldisches Potenzial, das in der mittleren Lage schön zum Ausdruck kam, aber an exponierten Stellen jedoch an seine Grenzen stiess. Souverän zeigte sich Francesco Vasallo in der Rolle des Don Carlos, die er mit virilem Timbre, gesanglicher Flüssigkeit und auffallender Wortdeutlichkeit meisterte. Alexander Teliga punktete als Marchese Calatrava und beeindruckte mit bewegendem Ausdruck im Schlussterzett. Vitalij Kowaljow war ein hervorragender Padre Guardiano der mit viel Innigkeit und wundervoll gepflegtem Bass auftrumpfen konnte.

 Die Auftritte des Fra Melitone José Fardilha gaben Gelegenheit, sein humoristisches Talent und seine verlässliche Stimme voll zu entfalten, während die Preziosilla von Ahlima Mhamdi das provokante Zigeuner Klischee bedienen musste.

 Der Chor wurde hervorragend vorbereitet durch Alan Woodbridge. Es ist immer wieder eine Freude, diesem einmaligen Gesangskörper zuzuhören, welcher soviel an Perfektion und Gesangskultur beisteuern konnte.

 Das Publikum goutierte die Aufführung mit grossen Ovationen. Es zeigt sich einmal mehr, dass dieses doch eher schwer zu inszenierende Werk, in einer konzertanten Aufführung ebenso grosse Erfolge erzielen kann.

 

 

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