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GENF/ Grand Théâtre de Genève: SIEGFRIED

16.03.2019 | Oper


Tom Fox (Alberich) links. Rechts Tomas Tomasson als Wotan. Foto: Carole Parodi

 

Siegfried am Grand Théâtre de Genève vom 15.03.2019

Der vorletzte Tag der Tetralogie bietet erneut präziseste Theaterkunst, die Geschichte und die Bilder werden schlüssig zu den vorhergehenden Tagen wiedergegen. Dieser Ring ist bis ins feinste Detail durchdacht und überzeugt weiterhin. In diesem dritten Teil schmiedet Siegfried das Schwert, tötet den Drachen und erweckt Brünnhilde.

Inszenierung und Regie

Die Stars dieser Wiederaufnahme bleiben unumwunden Jürgen Rose (Bühne und Kostüme) und Dieter Dorn (Regie), welche für diesen Abend ein monumentales Bühnenbild kreiert haben. Zwei übergrosse krakenähnliche monumentale Gestelle bewegen ihre Arme kontinuierlich hin und her, der Lindwurm hat auf der ganzen Bühne seine Ausläufer und bewegt sich pantomimisch. Der Wald beginnt zu erwachen, die Kraken werden zu Bäumen, aus einem Ast fliegt das Waldvöglein heraus und bezirzt mit seinem Wissen Siegfried. Von Darstellern auf Stangen durch die Lüfte getragen, fliegen ganz viele bunte Vögel auf der Bühne herum. Verzauberndes Theater, wie man es sonst nur aus der Zauberflöte kennt. Siegfried bastelt sich eine Flöte und resigniert dabei, nimmt das Horn hervor und triumphiert damit. Wunderschönes, verträumtes wie verspieltes Theater wurde geboten.

Grosse Ensembleleistung

Wotan (Tómas Tómasson) besucht Mime (Dan Karlström) in der Gestalt des Wanderers und gewinnt mühelos die Wissenswette, die drei Fragen, die er ihm stellt. Alberich (Tom Fox) hält Wache vor Fafners Höhle bis sein Widersacher Wotan erscheint. Mime braut den Betäubungstrank und hofft so Siegfried töten zu können. Taras Shtonda als Fafner überlebt den Überfall Siegfrieds nicht und stirbt durch das Schwert, das er sich geschmiedet hat. Brünnhilde (Petra Lang) wird von Siegfried aus dem Tiefschlaf geweckt und verliebt sich in ihn. Siegfried (Michael Weinius) besiegt den Drachen. Erda (Wiebke Lehmkuhl) kennt keinen Rat und kann Siegfried nicht helfen und das Waldvögelchen (Uliana Alexyuk) zwitschert unbeschwert auf der Bühne umher und führt Siegfried zu Brünnhilde.

Wiebke Lehmkuhl ist eine wunderbare Erda mit toll geführter Altstimme und einer wunderschönen Diktion, ihr hätte man noch lange zuhören können, nur leider ist ihre Partie sehr klein. Tomas Tomasson glänzt weiterhin als schönstimmiger Wanderer, Taras Shtonda begeistert als Fafner, der quirlige Dan Karlstöm singt und spielt ein überzeugender Mime. Tom Fox ist ein solider Alberich, Michael Weinius spielt einen jungen und frisch wirkenden Siegfried. Seine Stimme wird toll geführt, ermüdet nie und besitzt einen angenehmen Glanz. Die Brünnhilde der Petra Lang ist wie immer darstellerisch und sängerisch ausgezeichnet, sie gehört zu den Top Wagner Sängerinnen unserer Zeit. Das Waldvögelchen wird von Uliana Alexyuk leicht und unbeschwert gesungen.

Georg Fritsch und das Orchester de la Suisse Romande leisten weiterhin glanzvolles. Wie ein Irrwisch rauscht er durch die grosse Partitur. Die Musik wird grösser als in den vorhergehenden Ringtagen. Jedes Detail wird transparent wiedergegen, jede Nuance ausgekostet ohne Exzesse ausbalanciert und das nie zu laut. Im Verbund mit der szenischen Schönheit ergibt das eine wunderbare dichte, spannende und erstaunlich berührende Aufführung.

Marcel Burkhardt

 

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