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GENF/Grand Théâtre de Genève: NABUCCO. Ein triumphaler Abschluss der Genfer Spielzeit

26.06.2023 | Oper international

Nabucco am Grand Théâtre de Genève vom 25.06.2023. Ein triumphaler Abschluss der Genfer Spielzeit

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Nicola Alaimo. Foto: Carole Parodi

Der Besuch der Aufführung lohnte sich schon deshalb, weil am Dirigentenpult Antonino Folgiani stand, ein Spezialist für die italienische Musik. Er vermochte es, musikalisch zu brillieren, aus dem Orchestre de la Suisse Romande das maximale herauszuholen und Solisten wie auch den Choeur du Grand Théâtre de Genève auf Höchstform laufen zu lassen. Der Schluss der Oper adaptierte der Dirigent mit einem Intermezzo sinfonico welches er komponiert hatte, anschliessend wurde das «Va Pensiero» vom Chor in einer a Capella Version nochmals gesungen. Der hervorragende und bestens vorbereitet Chor durch Alan Woodbridge stand im Mittelpunkt der Aufführung. Der Chor war im ganzen Saal und auf allen Balkonen verteilt, man konnte unmittelbar die Stimmen spüren und die Vibrationen des Chorgesangs, ein Moment voller berührender Emotionen.

 Die brasilianische Regisseurin, Filmemacherin und Autorin Christiane Jatahy die in Genf erstmals in Europa auftritt, inszenierte die Aufführung, Für Verdis Oper hat sie eine aktuelle Lesart geschaffen, indem sie die Stimmen all jener mit einbezieht, die heute noch überall auf der Welt unter Verfolgung und Unterdrückung leiden. Identität, Exil Machtmissbrauch, vertriebene oder ausgerottete Völker und erzwungene Migration sind Themen dieser Aufführung, welche sie immer wieder aufgreift in einem Spiel zwischen Fiktion und Realität, Bühne und Video.

Für die Ausstattung zeichnet Thomas Walgrave und Marcelo Lipiani verantwortlich, für die Kostüme An D’Huys.

Zwei grosse Spiegel dominieren den Saal, welche im Verlauf des Abends immer wieder verschoben wurden, mit dem Effekt, dass sie optisch sehr ästhetische Bilder kreierten.

Zum Beispiel, lag auf dem Boden ein riesiges drapiertes Tuch welche Abigaille sich um ihren Bauch band. Im Spiegel hatte man den Eindruck eine grosse Blume zu sehen. Die Spiegel wurden zeitweise auch weggeklappt, das fand bei der Wahnsinnszene des Nabucco statt. Sein Rezitativ sang er aus der grössten Entfernung des Bühnensaals, dann sang er sich nach vorne an den Bühnenrand, um schliesslich dort seine grosse Arie zu singen.

Zwei Kameramänner filmten die Sänger und Sängerinnen aus nächster Nähe und die Bilder wurden an die Wand projiziert, jede kleinste Regung der Darsteller war auf den Bildern zu sehen und zu spüren.

Die spannende Aufführung wurde von einem hochkarätigen Ensemble begleitet.

Der Bariton Nicola Alaimo, der kürzlich beim Maggio Musicale Fiorentino als Falstaff für Aufsehen gesorgt hatte und eine feste Grösse des Rossini Opera Festivals in Pesaro ist, gibt sein Debüt in der Titelrolle. Sein Nabucco wird für ihn zu einer Paraderolle. Stimmlich gibt der Bariton alles und vermag auch im sanften Piano vollends zu überzeugen. In Bern kann man sich an ihn erinnern als er noch in jungen Jahren, im Jahre 2007, den Falstaff Im Stadttheater Bern interpretierte. Schon dazumal feierte er grossen Erfolg.

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Saioa Hernández und Chor. Foto: Carole Parodi

Als Abigaille der neue Star der Opernszene Saioa Hernández. Bereits 2015 trat sie in Genf als Mathilde in Guillaume Tell auf. Nun kehrt die spanische Sopranistin in einer der anspruchsvollsten Verdi-Rollen ans Grand Théâtre zurück. Sie ist als Abigaille eine Wucht, die nicht nur mit Stimmvolumen betört, sondern auch mit makelloser Linienführung überzeugt.

Davide Giusti singt den Ismaele mit viel Emotionen und Feingefühlt, Ena Pongrac ist eine durchdringende Fenena mit sicherer und schöner Stimmführung, Giulia Bolcato singt die Anna, Omar Mancini den Abdallo und William Meinert den Oberpriester des Baal.

Diese Neuinszenierung von Nabucco entsteht als Koproduktion mit den Théâtres de la Ville de Luxembourg, der Opera Ballet Vlaanderen sowie dem Teatro de la Maestranza Sevilla und wird in Genf herausgebracht.

Am Schluss konnte sich das Publikum in den Stühlen nicht mehr halten und feierte das gesamte Ensemble, Chor und Orchester mit stehenden und nicht enden wollenden Ovationen. Hier kann man von einer Sternstunde sprechen.

 

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