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GENF/ Grand Theàtre de Génève: LES TROYENS von Hector Berlioz. Konzertant

21.10.2015 | Oper

Genf: Hector Berlioz, Les Troyens. Konzertante Gastaufführung vom 17.10.15

http://www.geneveopera.ch/galeries_presse/fichiers/LesTroyens_LesTroyensaCarthage_c_MagaliDougados_04.jpg

Berlioz hatte von 1856 bis 1858 an der Doppeloper über den trojanischen Krieg und die Stadt Karthago nach Texten von Vergil gearbeitet. Er selber konnte das vollendete Werk nie selber hören, er verstarb vorher.

Nur selten wird dieses monumentale Werk aufgeführt. Sie dauert solange wie eine Wagner Oper und die Musik zieht sich etwas zäh dahin. Ermüdung im Zuschauerraum gehören ebenso dazu wie die Faszination für dieses doch eher sehr selten gespielte Werk.

Kommt hinzu, dass Genf die Oper konzertant aufführte und mit der fehlenden Inszenierung die Konzentration der Zuhörer voll auf die Sängerinnen und Sänger und auf die zeitweilen lethargische Musik gerichtet war. Kein Wunder schlief der eine oder andere Zuschauer an diesem Abend ein. Und desto trotz blieben die meisten bis zum Ende.

Interpretatorisch bot Charles Dutoit als Chef des Orchesters des Philharmonic Orchestra of London feinste Transparenz und höchstes Fingerspitzengefühl: Die instrumentale Komplexität wurde sauber strukturiert, der Klangfarbenrausch behutsam entfacht. Hellwach kontrollierte der Dirigent das Orchester, bis hin zu den heiklen Bühnenmusik-Panoramen.

Bei Kassandra, der trojanischen Seherin, agierte Beatrice Uria-Monzon ihre durchdringende Persönlichkeit punktgenau aus. Clémentine Margaine bot als Didon neben herrlicher Samtstimme enorme Expressivität. Schade, dass Ian Storey einen Enée zeigte der stimmlich an seine Grenzen kam, mit eng geführtem forciertem Tenor, immerhin bemüht um idiomatische Phrasierung.

Am Ende eine große Beifallsfeier, vor allem natürlich für Charles Dutoit, sein Orchester und seinen Chor.

 

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