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GENF/ Grand Théâtre de Genève: AIDA

am 22.10. (Marcel Burkhardt)

13.10.2019 | Oper


Serena Farnocchia (Aida). Copyright: Samuel Rubio

AIDA am Grand Théâtre de Genève vom 12. Oktober 2019

Die AIDA gehört zu den wohl meistgespielten Opern der Welt, ist auf praktisch allen grösseren Opernhäusern regelmässig anzutreffen und gehört demzufolge zum festen Repertoire. Nicht so am Grand Théâtre de Genève, wo sie vor zwanzig Jahren zum letzten Mal aufgeführt wurde. Schon etwas erstaunlich, wenn man bedenkt, dass gerade dieses Opernhaus ein idealer Ort für Orchester und Bühnenbild ist, um monumentale Opern regelmässiger aufzuführen. Im Gegensatz zur damaligen AIDA, als man das Werk in einer Inszenierung zeigte, die den atomaren Krieg mit Bomben und Raketen verherrlichte und vor Modernität strotze, treffen wir heute auf eine gemischte Interpretation des Werkes, eine Art alt und neu Interpretation. Weg vom spektakulären Bild, von der leicht skandalträchtigen Inszenierung, hin zur diffusen und belanglosen Interpretation die kaum überzeugt, eher langweilt.

Aida ist die Königin der Ausstattungsopern schlechthin, für die Giuseppe Verdi eigens Fanfaren hat kreieren lassen, die sogenannten AIDA oder Verdi Fanfaren. Das Werk wurde 1871 in Kairo uraufgeführt, spielt aber im alten Ägypten als Memphis noch die Hauptstadt Ägyptens war. Die wichtigsten Figuren in dieser Oper sind Aida die Titelfigur, eine nubische Prinzessin, ihr Geliebter, der Feldherr Radames und Amneris die Tochter des Pharaos. Zwei Frauen die sich um einen Mann bemühen, eine typische und oft gewollte Kompositions-zusammenstellung Verdis. Radames fühlt sich eindeutig zu AIDA hingezogen, das macht Amneris ungehalten. Die im Süden lebenden Nubier greifen Ägypten an und es kommt zur Schlacht. Radames wird zum Feldherren erkoren und ist siegreich, nimmt Amonasro in seine Gefangenschaft, den Vater von AIDA und kommt triumphal nach Memphis zurück. Der Triumpfmarsch ist geboren, das wohl berühmteste Stück von Verdi. Aida ist gespalten zwischen der Zuneigung zu ihrem Vater und der Liebe zu Radames. Sie überredet den Vater Radames zum Geheimnisverrat, wird dabei von Amneris und einem Hohenpriester beobachtet. Der Hochverrat ist damit besiegelt und der Tod Radames definitiv entschieden. Amneris gibt ihm eine zweite Chance; wenn er sie heiratet und er Pharao wird, kommt er frei. Radames ist ein Ehrenmann, er geht lieber erhobenen Hauptes in den Tod als diesen Deal einzugehen. Für ihn bedeutet dies, lebendig begraben zu werden. In sein Grab schleicht sich AIDA ein und stirbt mit ihm.

Die Produktion der English National Opera, die dort 2017 gezeigt wurde, in der Inszenierung des englischen Regisseurs Phelim McDermott überzeugt in keiner Weise. Sie wird später auch an der Houston Grand Opera aufgeführt.

McDermott wollte in seiner Interpretation einen neuen Blick auf das alte Ägypten bringen und den Bezug zur Welt, in der wir heute leben, herstellen. Seine Idee, In Zeiten des Krieges die Rollen von Siegern und Besiegten, von Herrschern und Unterdrückten in Frage zu stellen, sodass auch die berühmte Triumphszene nicht als Glorifizierung eines gewonnenen Kampfes dargestellt wird, sondern vielmehr als eine Feier für die Kriegsopfer, ist auf der ganzen Länge Misslungen. Mit einer konventionellen und desinteressanten Betrachtungsweise, welche keine neuen Visionen auf alt oder modern hervorbringt, macht diesen Abend belanglosen und sehr ermüdenden. Einerseits versucht der Regisseur die Priesterin als eine Evokation zur indischen Göttin Kali als vielarmige Gestalt zu präsentieren, die Männer als der gehörnte Gott der keltischen Mythologie und gleichzeitig fährt er mit Maschinengewehr ausgestattete Soldaten auf. Kommt hinzu, dass die Sänger die Rampe zieren und belanglos hin und her laufen.

Die Bühnenbilder von Tom Pye und die Kostüme von Kevin Pollard evozieren ein Afrika, das losgelöst ist von einer konkreten zeitlichen Verortung und demzufolge ungemein desorientiert wirkt. Für die Choreographie zeichnet Basil Twist verantwortlich, für das Licht Simon Trottet.

In dieser besuchten Vorstellung war die Zweitbesetzung angesetzt und es sangen; Serena Farnocchia die eine solide und stimmschöne Titelheldin interpretierte, Najmiddin Mavlyanov als Radames verfügt über einen hell eher gewöhnungsbedürftig timbrierten Tenor der reinste Geschmackssache is. Anna Smirnova als Amneris, der eigentliche Star des Abends, singt hochdramatisch und bis an die stimmliche Belastbarkeit, eindringlich, und hat eine grosse Bühnenpräsenz. Alexey Markov ist ein bühnenpräsenter Amonasro mit gepflegter Verdistimme. Das Ensemble wird hervorragend ergänzt von Liang Li als Ramphis, Donald Thomson als König, Denzil Delaere als Bote und Claire de Sévigné als Priesterin.

Die musikalische Leitung obliegt Antonino Fogliani welcher nicht gerade mit viel Elan und Triumph das Orchestre de la Suisse Romande führte. Hingegen war der Chor des Grand Théâtre de Genève unter der profunden Leitung von Alan Woodbridge bestens einstudiert und bot eine stilsichere Verdi-Interpretation.

Marcel Burkhardt

 

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