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GENF: DER NUSSKNACKER. Wiederaufnahme

23.11.2015 | Ballett/Tanz

Der Nussknacker in Genf, Premiere der Wiederaufnahme vom 21.12.15

 

http://www.geneveopera.ch/galeries_presse/fichiers/15_Casse-Noisette_Credit_GregoryBatardon.jpg

Das Genfer Ballett zeigt eine angepasste Fassung des Weihnachtsklassikers als Wiederaufnahme in dieser Spielzeit. Auf der dunkelreduzierten Bühne wird das Publikum für zwei Stunden in eine nostalgische Traumwelt verführt mit hervorragenden Solisten die das  Publikum zu einem begeisternden wie stürmischen Schlussapplaus anregen.

Jeroen Verbruggen leitet diesen Nussknacker von Petipa-Tschaikowsky, der die Reise in die zärtliche und fröhliche Phantasiewelt des Märchens glanzvoll reduziert und subtil umsetzt. Mit seinen 30 Jahren hat der Belgier seine choreografischen Fähigkeiten bereits mit Jean-Christophe Maillots Ballets de Monte-Carlo gezeigt, in dem er als Solotänzer arbeitet und mit dem er 2012 Kill bambi herausgebracht hat. Dieses dreissigminütige Stück über den angsteinflössenden und unvermeidlichen Prozess des Reifens war überaus erfolgreich. Diese Thematik übernimmt er erfolgreich in dieser Nussknackerproduktion. Im Traum entdeckt die kleine Maria Liebe und Weiblichkeit, wechselt von der Kindheit in die Pubertät und trifft ihren Märchenprinzen, dessen Identität mit der undurchsichtigen Figur des Patenonkels Drosselmeyer zusammenfällt.

Das Bühnenbild und die Kostüme wurden von Livia Stoianova und Yassen Samouilov entworfen und zeichneten somit eine kongruente und stilistisch perfekte Inszenierung. Sie bieten nicht das berühmte romantische Bühnenbild mit den vielen märchenhaften Bildern und den vielen erlesenen Farben, sondern zeichnen mit genauen Linien und den Farben Schwarz, Weiss und Orange eine stringentere Interpretation des Zaubermärchens. Das zeigt sich besonders bei den Zinnsoldaten die orange Masken und schwarze Kleidung tragen.

Sara Shigenari gibt eine reizend agierende und sehr schön tanzende Marie, die sowohl mit Drosselmeyer Geoffrey Van Dyck als auch dem Nussknacker Nahuel Vega perfekt harmoniert.

Das Orchester die Basel Sinfonietta wird von Philippe Cohen geleitet. Leicht und beschwingt lässt er aufspielen und das musikalische Geschehen hat er rhythmisch präzise im Griff. Die unwiderstehliche Musik Tschaikowskys konnte sich unter seiner Leitung wunderbar entfalten.

Die stehenden Ovationen und der langanhaltende Applaus für diese wunderbar ausgereifte Wiederaufnahme waren mehr als nur berechtigt.

Marcel Paolino

 

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