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GARS/ Oper Burg Gars: MADAMA BUTTERFLY (Premiere)

12.07.2026 | Oper in Österreich

11.7.2026: OPER BURG GARS – MADAMA BUTTERFLY (Premiere)

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Die großartige Kristiane Kaiser in der Schlussszene © Michael Pöhn

Es ist dieser Tage eher ein Szenario bei der Fußball-WM, dass ein Star zur zweiten Halbzeit ausgetauscht werden muss. Dass – nach massiven stimmlichen Problemen während des ersten Aktes, die Rede war von einem akuten Allergie-Anfall – die Erstbesetzung des Pinkerton bei der Premiere von Puccinis tragischer japanischer Liebesgeschichte aus dem Spiel genommen werden musste, wird für Intendant KS Clemens Unterreiner den Auftakt seiner dritten Saison bei den Opernfestspielen am Kamp zweifellos in die Annalen eingehen lassen. Da er aber, allem Spardruck zum Trotz, für die Hauptpartien seiner Produktion zum Glück eine zweite Besetzung vorgesehen hat, die in Person des argentinischen Tenors Gabriele Arce aus dem Hotel am Fuße des Burghügels geholt werden kann, um sich im dritten Akt ausgeruht wieder einzuklinken und sich mit samtig gefärbtem, lyrischem Timbre von seinem „fiorito asil“ zu verabschieden, kann die Vorstellung zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden.    

Den Löwenanteil an diesem Erfolg hatte freilich die Darstellerin der Hauptfigur, Volksopernstar KS Kristiane Kaiser, die angesichts der tatsächlich unwirtlichen Rahmenbedingungen des ersten Aktes starke Nerven bewies und eine Butterfly von selten erlebter ausgeglichener Souveränität spielte und sang: gleich in der Auftrittsszene fällt sie mit breitem Legato, klarer Phrasierung und lyrischen Bögen auf; das Liebesduett trägt sie mit frei strömender Mittellage und sicherer Höhe quasi im Alleingang; und im schier endlosen Dauereinsatz des zweiten und dritten Aktes zeigt sie in Darstellung und musikalisch alle Facetten, die die vielschichtige Partie fordert, vom berührenden zarten Piano zum dramatischen emotionalen Ausbruch, in allen Lagen der ausgedehnten Tessitura.

An ihrer Seite gestaltete die junge Russin Daria Sushkova aus der Wiener Staatsoper eine stimmgewaltige und ausdrucksstarke Suzuki, während Paolo Rumetz, mit von Anfang an geäußerten heftigen Bedenken gegen die Verschacherung des halben Kindes und tiefer Erschütterung angesichts des Elends der betrogenen Butterfly einen Sharpless von seltener Intensität verkörperte, wenn auch vokal seine jahrzehntelange Karriere nicht ganz spurlos an ihm vorübergegangen ist. Hauptsächlich im Ensemble des Musiktheaters Linz ist Christian Drescher tätig, der markante und zynische Goro,

Unterstützt durch die verbesserte Akustik des erneuerten „Orchesterhauses“ machte Gars-Debutant Karsten Januschke mit dem Orchester der Oper Burg Gars die Partitur Puccinis mit ihren schwelgerischen Lyrismen und mit ihren kantigen Passagen in ihrer ganzen emotionalen Tiefe hör- und erlebbar – besonders hervorzuheben sind hierbei auch die gefühlvoll intonierten Soli der Konzertmeisterin. Was die szenische Umsetzung betrifft, so darf man ja bei sommerlichen Freiluftaufführungen grundsätzlich davon ausgehen, dass dem Publikum die üblichen provokativen Umdeutungsversuche erspart bleiben, die an den etablierten Häusern im deutschen Sprachraum heute groß in Mode sind. So wurde auch in Gars die tragische Geschichte der Geisha aus Nagasaki von Matthias von Stegmann einfühlsam (seine Mutter stammt selbst aus Japan) und mit flüssiger Personenführung in etwa so erzählt, wie man es sich nach Lektüre eines gängigen Opernführers erwartet – lediglich die seltsam-gruselige Puppe, die Butterflys Sohn darstellen sollte, irritierte (halt leider an emotional besonders bedeutsamen Stellen), und auch für das Zwischenspiel zwischen zweitem und drittem Akt hätte man sich etwas mehr szenische Auflockerung gewünscht als ein paar dezente Scheinwerfer-Bewegungen. Sparsam-geschmackvoll hat David Gamel das japanische Papier-Haus samt Steingarten vor die Kulisse der Burgruine gestellt (eine solche wird man in Ostasien ja vermutlich vergeblich suchen), die Kostüme von Laura Magdé Hörmann vermittelten ebenfalls Lokalkolorit, da und dort, zum Beispiel beim Auftritt der Butterfly im ersten Akt, waren sie etwas unvorteilhaft.

Das Publikum – darunter auch politische und gesellschaftliche Prominenz sowie der eine oder andere Kollege „vom Fach“ – waren zurecht hellauf begeistert, wenn der Abend in Summe auch etwas länger als erwartet gedauert hat, da schon die Begrüßungsansprache des Hausherrn auffallend ausladend ausfiel (er begründete dies selbst mit einem Versprechen an das Orchester, mit seiner Rede die Zeit zu überbrücken, bis die Sonne für die Musiker den erforderlichen Einfallswinkel unterschritten hatte) – oder: let’s opera, wie man es auf der Burg Gars neuerdings zusammenfasst.

Valentino Hribernig-Körber

 

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