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GARS/ Kamp: FIDELIO in der Alternativbesetzung

04.08.2019 | Oper

Bildergebnis für gars fidelio

Burgruine Gars am Kamp

STIMMUNGSVOLLER „FIDELIO“ AUCH MIT ALTERNATIV-BESETZUNG (3.8.2019)

Spätestens wenn das „Freiheits-Signal“ von Ludwig van Beethoven in der 3.Leonoren-Ouvertüre  aus dem 1000jährigen Babenberger-Turm erklingt wird klar: kaum eine andere Oper eignet sich für das Oper(n)-Air-Festival so gut wie die „Freiheitsoper Fidelio“. Der halbverfallene Ort, die Akkustik ohne elektronische Verstärkung, eine adäquate Regie durch Stephan Bruckmeier und eine tadellose Besetzung durch den Intendanten Johannes Wildner – der auch als Dirigent  des Garser Opernorchesters seine Qualitäten unter Beweis stellen kann – eine Fahrt nach Gars ist heuer besonders zu empfehlen!  

Und auch die Alternativ-Besetzung ist in jeder Hinsicht attraktiv. Die Leonore der deutschen Sopranistin Bettina Jensen entspricht  etwa den hohen Ansprüchen ebenso wie der aus Litauen stammende Florestan Algirdas Drevinskas. Die Karriere von Bettina Jensen begann an der komischen Oper Berlin. In Gars war sie eine wunderbare Agathe. Und auch als Leonore bewältigt sie die anspruchsvollen Gegensätze zwischen Lyrik (Quartett), Jubel-Ton (O namenlose Freude) und Hochdramatik (Töt erst sein Weib!). Und auch ihr gefangener Gatte gehört in die Kategorie „Baltische Talente-Börse“. Hier wächst zumindest ein neuer Stolzing heran. Toll, dass sich Gars mit Herbert Lippert gleich zwei hochkarätige Tenöre sichern konnte. Der Rest der Besetzung kommt ohne Alternativen aus. Caroline Wenborn von der Wiener Staatsoper – aus Australien – ist eine Marzelline, die bald selber zur Leonore wechseln dürfte. Großartig Paul Cay als Rocco – er hat viel Text zu liefern, denn das Regieteam hat nicht nur eine Rahmenhandlung erfunden (Florestan und Leonore feiern Goldene Hochzeit) sondern betont die Lortzing-Nähe des Stückes durch aufgewertete Prosa-Teile. Ein Höhepunkt der Aufführung ist der Auftritt des Ministers – Yasushi Hirano. Der Japaner, der an der Wiener Volksoper seine Karriere begann, appellierte mit seiner Prachtstimme an die Humanität und an die Chancen der Vernunft für eine bessere Welt. Sein Gegenspieler Pizarro wird von Wilfried Zelinka sehr „böse“ und aggressiv dargestellt; als Jacquino fällt der Brasilianer Jan Spinetti positiv auf, als 1.Gefangener Duja Stanisic. Großer Jubel – und am Ende ertönt die Europa.Hymne mit Beethovens „Ode an die Freude“. Und das begeisterte Publikum steht auf und singt mit!

Wer das erleben will: Fidelio wird noch am 6.8.und 10.August jeweils um 20 Uhr wiederholt.

Peter Dusek

 

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