Kartause Gaming: 42. Chopin-Festival – ein blauer Musikhimmel in historischem Gemäuer (13.-16.8. 2026)

Kartause Gaming. Foto: Alois Spandl
Zum 42.Mal hat es heuer bereits stattgefunden. Keine vier Wochen dauernd, nur vier dicht bespielte Tage: Das traditionelle XLII. Chopin-Festival in der historischen Kartause Gaming im niederösterreichischen Alpenvorland. Gelegen in einer beeindruckenden Berglandschaft mit zahlreichen Naturschönheiten und viel Grün. Und es ist wohl für seine kurze Dauer das mit Mitwirkenden am üppigsten besetzte aller sommerlichen Musikfeste in Österreich. Ein Kommen und Gehen, nicht wenige Stars und bereits absolut perfekt aufspielender blutjunger Nachwuchs – alle allerdings stets mit nicht zu langen Auftritten.

Donka Angatscheva. Foto: Alois Spandl
Dr. Thomas Kanitzer, heuer als rüstiger Hundertjähriger gefeiert, hatte dieses Festival als Präsident der Österreichisch-Polnischen Gesellschaft gegründet. Vor über vier Jahrzehnten – und auch heute noch mit dem ehrwürdigen Motto ‚Für Völkerverständigung, Frieden und Freiheit’. Die Wiener Edelpianistin Donka Angatscheva hat nun die künstlerische Gestaltung übernommen. Und so manch andere Edelmusiker – bitte, Damen klar in der Überzahl – haben dem eher reiferen Publikum in der im 14. Jahrhundert gegründeten und heute als Hotel geführten historischen Klosteranlage nicht nur wettermässig einen strahlenden blauen Musikhimmel beschert.

Günther Groissböck mit seiner Liedbegleiterin Rachel Cheung. Foto: Alois Spandl
Zuerst die bekanntesten Namen: Kurz, nur allzu kurz hat sich der im nahen Waidhofen an der Ybbs geborene Günther Groissböck mit den „Vier Ernsten Gesängen“ von Johannes Brahms in der Klosterkirche vorgestellt. Mit gewaltiger Stimme mit tiefem Gehalt gesungen. Der jetzt in der Schweiz wohnhafte und in der internationalen Opernwelt so gefragte Bassist musste aber auch lachend gestehen: Er kannte die Gaminger Kartause bis jetzt nur als vorbei fahrender Radfahrer. Und weiter im Reigen der den Gesang Huldigenden: Die nun am Salzburger Mozarteum unterrichtende Staatsopern-Kammersängerin Ildikó Raimondi stellte sich in der Kirche von Scheibbs mit Orgel-Liedern ein. Aus dem polnischen Zabrze ist der groß besetzte jugendliche Chor „Resonans con tutti“ angereist gekommen. Und Sandra Pires setzte, von Ferry Janoska mit E-Sound und Bandoneon beschwingt begleitet, auf der Seebühne des Lunzer Sees einen charmanten Schlusspunkt.
Doch was ist das allerwichtigste bei einem Frédéric Chopin gewidmeten Musikfest? Die Klaviermusik. Und da lässt sich nur staunen, mit welchen technischen Qualitäten sich neben Meisterpianistinnen wie Natalia Rehling oder Anna Malikova so junge wie Maria Simeonova (aus Bulgarien) oder Kamila Sacharzewska (aus Polen) und andere, auch aus China, aus Kolumbien, sich mit expressiver Kraft in diese Musik versetzen. Zu dieser tollen Polonaisen- und Mazurken-Folge sind nicht weniger als acht Damen und drei Herren angetreten.

Das Konzert in der Kirche, im Hintergrund Lidia Baich geigend. Foto: Alois Spandl
Und bei der Veredelung zum sommerlichen Musiktraum noch mit dabei: Lidia Baich virtuos eine „Hommage an Johann Strauss“ geigend, Julia Stemberger liebevoll George Sand rezitierend, das junge Motus-Streichquartett, das Erste Frauen-Kammerorchester von Österreich (gefährlich aber auch mit so einigen Männern besetzt) unter Dirigent Jimmy Chiang, das Bullybursti-Ensemble der NÖ-Tonkünstler …. und dazu noch ein Kerzenlicht-Nocturno, ein Dinner Konzert, eine KI-Ausstellung und zur Eröffnung der Einzug der straffen Musikkapelle Gaming in Begleitung der Lackenhofer Goldhaubengruppe. Diese, wie es heute eben so ist: Nicht mehr die Jüngsten. Doch auch hier, wichtig …. edles Kulturgut wird bewahrt.
Meinhard Rüdenauer

