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WIEN/ Staatsoper: Gaetano Donizetti L`ELISIR D`AMORE

Es war die 255. Aufführung der Urgestein-Inszenierung von Otto Schenk.
Pretty Yende als Adina. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wiener Staatsoper

Gaetano Donizetti  L`ELISIR D`AMORE

14.September 2020            Von P.Skorepa

Melodramma giocoso, ma non troppo

Eine alte Dame ist diese Inszenierung der Wiener Staatsoper bereits und so alt, dass sie im Programmheft ihr wahres Alter schon verschweigen darf. Aber, Sie sollen es erfahren: Otto Schenk hat sie für das Theater an der Wien entworfen, am 29. Mai 1973 hatte sie dort auch ihre Premiere. Die aktuelle Produktion wieder wurde unter Mitnahme des Bühnenbildes aus dem Barocktheater der Wiener Vorstadt in die Staatsoper verfrachtet und dient dort – nach entsprechender Verbreiterung auf die neuen Maße – bis heute dem Repertoire. Diese Premiere fand am 24. April 1980 statt.

Dass es an diesem Abend Umbesetzungen gab wäre nichts Neues gewesen, man sah sich zusammen mit den bekannten Gesichtern auf der Bühne, der altvorderen Inscene, dem für das Dirigat eingesprungenen Evelino Pidò, dem schon belanglos agierenden Chor zurückversetzt in die vergangene Direktionsära, fühlte sich also nicht konfrontiert mit einer neuen Zeitrechnung der Oper 4.0.

Die auffallende Anzahl der Umbesetzungen an diesem Abend war, so las man es später, einem Corona-Cluster zu „danken“, nach einem Fehlverhalten auf einer Kleinbühne in Wien, der Dirigent, der Nemorino und die Giannetta waren betroffen: Mehr als solide und umsichtig war das Dirigat von Pidò nicht. Auch er hatte, wie seine beiden Kollegen der Eröffnungsabende  mit der Tatsache zu kämpfen, dass der nur halbvoll besetzte Saal weniger von den Fortestellen des Orchesters schlucken konnte und sich die Sänger schwerer taten, das Orchester zu übertönen.

Umso besser konnten dafür die Protagonisten die Pianostellen der Musiker dominieren: Javier Camarena ist der schon längst bei uns bekannte und beliebte Nemorino. Er sang für den von der Absage betroffenen Liparit Avertisyan. Man hätte sich mehr Verbindung zu den eingelegten Top-Noten gewünscht, so aber ragten sie aus den Phrasen der Gesangslinie wie eisige Bergspitzen in die Höhe. Er hätte sicher gerne seine große Arie wiederholt, das Publikum und auch der Maestro waren aber nicht ganz dieser Meinung.

Nicola Alaimo kam als Hausdebütant, brachte Humor, genügend Vis comica und einen ausdrucksvollen Charakterbariton mit und hatte damit das Publikum auf seiner Seite. Die Partie der Giannetta war schon einige Male in diesem Haus das Sprungbrett für eine Karriere, Johanna Wallroth als Mitglied des Opernstudios zeigte noch großen Respekt für diese Aufgabe. Auch für Clemens Unterreiner war die Staatsoper eine logische Entwicklung für sein aktuelles stimmliches und auch sein darstellerisches Können, das man mit Interesse verfolgen konnte. Das wenige Übermaß an Steifheit in der Darstellung, die manchmal hörbare Überpointierung im Gesang sollte sich mit der Zeit abschleifen. Sein Auftreten als wohl fescher aber eitler Belcore war humorvoll, stimmlich schöpfte er in dieser Partie aus dem Vollen.


Pretty Yende. Foto: Michael Pöhn

Die Attraktion war ohne Zweifel die Adina der Pretty Yende: In Wien sorgte vor zehn Jahren der Gewinn des Belvedere – Wettbewerb für einen wesentlichen Karriereschub, der danach gewonnene Operalia-Wettbewerb sorgte für den Rest, seitdem brummt das Geschäft. Je höher die Phrase oder die Koloratur, desto mehr blitzt es stimmlich auf bei der attraktiven, schwarzen Mittdreißigerin aus Südafrika.

Trotz guter Einzelleistungen: Der Abend blieb unter den Erwartungen, erst der Schlussapplaus war herzlicher, die Sitzreihen wiesen – unabhängig von der schon verminderten Corona-Bestuhlung – teilweise erhebliche Lücken auf und die Stehplätze vor den Seitenwänden der Galerie sind bestenfalls als Hörplätze zu bezeichnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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