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GÄNSEHAUT

02.02.2016 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Gänsehaut~1

Ab 5. Februar 2016 in den österreichischen Kinos
GÄNSEHAUT
Goosebumps / USA / 2015
Regie: Rob Letterman
Mit: Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Ryan Lee u.a.

Der neue Junge in der Nachbarschaft sieht sich um, erblickt ein hübsches Mädchen nebenan, will selbstverständlich Bekanntschaft schließen – da schießt ein böser Mann aus dem Fenster hervor und vertreibt ihn mit giftigen Drohungen. Schöne Aussichten. Die versprochene Gänsehaut des Titels ist aber dennoch gänzlich komisch durchwirkt. Blödsinn, Horror und Satire – ist es nicht das, wofür der Name des „bösen“ Hauptdarstellers Jack Black gewissermaßen steht? Der grumpelt sich durch den Film, bekommt aber auch Gelegenheit, die Nerven wegzuwerfen, wenn die Geister, die er rief, sich nicht bändigen lassen…

Dass Zach (Dylan Minnette), der Junge, sich weiterhin für Hannah, das vom Papa „festgehaltene“ Mädchen (Odeya Rush), interessiert, versteht sich, und so kommt es, dass er (wie in diesen Filmen üblich, hat er auch einen komischen Freund bei sich, Ryan Lee, damit im Duo agiert werden kann und die Pointen garantiert sind) unbedingt hinter das Geheimnis des Nachbarhauses kommen will.

Nun, es stellt sich heraus, dass Hannahs Vater R.L. Stine ist, der Schriftsteller, der die Jugendbuch-Gruselserie „Goosebumps“ geschaffen hat – den gibt es übrigens wirklich (Mr. Stine nämlich), mit 400 Millionen Büchern weltweit verkauft. Man kann nur hoffen, dass sich bei ihm zuhause nicht jenes Phänomen auftut, das hier relativ drollig, wenn auch abgegriffen geschildert wird: Wie oft haben wir es auf der Leinwand schon gesehen, dass ein Buch sich öffnet und die Geschöpfe der Phantasie herausstürzen? Eben. Das ist Kinophantasie, Fantasy, mit diesem Trick (in Romanen) hat der echte Mr. Stine Millionen gemacht, nun hofft man, dass der grimmige Jack Black in dessen Gestalt (dabei durchaus die Eitelkeit eines Autors reflektierend) das Geld auch von der Leinwand pflückt.

Allerdings ist es nicht allzu aufregend und innovativ, was da an Gestalten losbricht (besonders die Klappmaulpuppe „Slappy the Dummy“ macht ihrem Schöpfer zu Schaffen) und mehr Schrille als Angst und Schrecken verbreitet, aber es ist ja wohl auch als Tennie-Film gedacht, und die werden in den USA oft erschreckend dumm (samt tanzender Gartenzwerge). Erwachsene trösten sich dann damit, dass es immer wieder Schwenks ins Selbstironische und sogar tatsächlich Gesellschaftskritische gibt, die zeigen, dass die Filmemacher ihr Handwerk verstehen – hier hat Rob Letterman Regie geführt, der mit Jack Black vor fünf Jahren „Gullivers Reisen“ auf die Leinwand brachte.

Es spielen auch noch ein paar reale Figuren mit, etwa Zachs Mutter und beziehungslüsterne Tante (Amy Ryan und Jillian Bell, an denen die amerikanische Durchschnittsfrau satirisch aufs Korn genommen wird). Wenn sich am Ende herausstellt, dass Hannah möglicherweise gar nicht „echt“ ist, sondern auch nur ein lebendig gewordener Ausbund von Stines Phantasie – da wird der Film ganz poetisch und unterstellt, dass die Liebe stärker ist als jegliche Realität… (Irgendwie muss man das jugendliche Kinopublikum auch für künftige Romanzen heranziehen.)

Sei’s drum, auch so altmodische Gefühle müssen ihren Platz haben, zumal man die längste Zeit auf den konventionellsten Jux-Horror-Schienen mitgefahren ist…

Renate Wagner

 

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