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FÜSSEN/ Königswinkel: LIEDERABEND HERMINE MAY

04.10.2021 | Konzert/Liederabende

Füssen / Königswinkel: „HERMINE MAY“ –  Liederabend 03.10. 2021

Den Abschluss der exzellenten Musik Festspiele Königswinkel finalisierte ein Liederabend der Mezzosopranistin Hermine May und schloss zudem das musikalische Kaleidoskop um Richard Wagner.

Wiederum war es Komponisten-Sympathisanten sowie dem Schwiegervater des Bayreuther Meisters gewidmet. Am Abend zuvor verkörperte die ausgezeichnete Sängerin die Brangäne und bescherte nun als krönendes Festival-Finale ein interessantes Recital. Vier Chansons aus der Feder von Henri Duparc präsentierte die vielseitige Künstlerin zu Beginn. Vernahmen wir gestern die Sängerin in schier hoher Sopranlage, überraschte sie heute mit samtweichem Timbre prächtig korrespondierend zur Textur dieser französischen Miniaturen. Bild- Impressionen von Monet oder Cezanne schienen musikalisch homogen umgesetzt. So erklangen u.a. melancholisch Invitation au voyage – Chanson triste oder in innig fließendem Lamento Phydilé.

Sieben Lieder waren dem Wagner-Schwiegervater Franz Liszt gewidmet. Schlank, flexibel, sehr transparent vernahm man Morgens steh ich auf und frage, mit dem nötigen Hauch an Dramatik erklangen Vergiftet sind meine Lieder – Wer nie sein Brot mit Tränen aß. In fast ariosem Zuschnitt, changierend im Ton mit dunklen Färbungen präsentierte Hermine May gleich einer Carmen-Inszenierung Die drei Zigeuner.

Den pianistischen Part als feinfühliger, virtuoser Begleiter übernahm Manuel Lange. Wohl dosiert formte Lange mit differenziertem Anschlag und warmem Farbenspiel die musikalische Kontroverse zur Singstimme.

Zur Solistin der „Wesendonck-Lieder“ von Richard Wagner empfahl sich Hermine May als Ideal-Interpretin und besonders glückliche Wahl. Wagners Melos, der herbe Pathos dieser Preziosen vor allem zu Der Engel – Stehe still – Im Treibhaus schienen geradezu auf die dunkel leuchtende Stimme der exemplarischen Sängerin zugeschnitten. Ihr herrliches Material blieb im Höhenbereich stets angenehm fokussiert, bot zu Schmerzen den dramatischen Aplomb sowie genügend Spielraum zur vorzüglichen Entfaltung. Sinnliche Wärme des herrlichen Timbres fand in Träume  exemplarisch-atmosphärische Trance . Zudem vermittelte die vielseitige Sängerin den Eindruck immer genau zu wissen, was sie singt, denn sie interpretierte stets mit ihrer ausgefeilten, akzentfreien Deklamation förmlich aus dem Sprachklang heraus.

Das Publikum sparte nicht mit Bravos, ließ das Holz-Parkett erneut erbeben und wurde mit dem emotional vorgetragenen Es muss ein Wunderbares sein (Liszt) belohnt. Ebenso bedankte die sich die gefeierte Künstlerin bei der Festspiel-Leitung und dem Publikum mit der bezaubernd gesungenen Zueignung (Richard Strauss). Ein wundervoller Liederabend bildete den Abschluss des vortrefflichen Festivals, man darf sich schon jetzt auf die nächste Saison freuen und den Inszenatoren des relativ jungen Events alles Gute für die Zukunft wünschen.

Gerhard Hoffmann

 

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