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FÜR IMMER ADALINE

07.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Für immer Adaline~1

Ab  10. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
FÜR IMMER ADALINE
The Age of Adaline  /  USA  /  2015 
Regie: Lee Toland Krieger
Mit: Blake Lively, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker u.a.

Wer Jahrgang 1908 ist, ist heutzutage mit 99prozientiger Sicherheit tot oder so alt, dass es nicht mehr schön ist. Es sei dann, man spinne den alten Menschheitstraum von der Unsterblichkeit – wie Baron Münchhausen in dem Hans-Albers-Film, wie „Orlando“ von Virginia Woolf, der/die durch die Epochen schreitet, oder wie Fosca, der Held in Simone de Beauvoirs Roman „Alle Menschen sind sterblich“. In dieser edlen Gesellschaft ist Adaline ein kleines Licht, und der Film trägt der großen Sehnsucht der Menschen in einer eher kleinen, kitschigen Geschichte Rechnung.

Denn die bis dahin „normale“ Adaline, Mutter einer Tochter, dann in jungen Jahren verwitwet, erlebt durch einen Unfall ein seltsames Wunder (es blitzt und kracht und donnert am Himmel…): Auf einmal altert sie nicht mehr, bleibt immer 29 Jahre alt, sieht immer aus wie die nette, sympathische Blake Lively, die bisher nur in dem Rauschgift-Thriller „Savages“ von Oliver Stone als blonde Hauptdarstellerin aufgefallen ist (privat allerdings, als Gattin von Kollegin Ryan Reynolds, ist sie immerhin die Nachfolgerin von Scarlett Johansson…).

Dass es kein Geschenk ist, sich nicht zu verändern, dass man das seiner Mitwelt eigentlich nicht anvertrauen kann, ohne in der Psychiatrie zu landen, macht diese seelenvolle Geschichte von Regisseur Lee Toland Krieger ziemlich klar: Wenn das Gesicht und das Geburtsdatum im Ausweis so gar nicht zusammen stimmen, muss man von Zeit zu Zeit für eine neue Existenz sorgen. Wobei der  Film nur eine wirklich unheimliche Szene hat: Wenn die strahlend junge Adaline neben der alten Ellen Burstyn im Lokal sitzt – und diese ist ihre Tochter, ihre einzige Vertraute, die sich stets als Großmutter ihrer Tochter ausgibt… Das erzeugt Gänsehaut, aber so besonders aufregend ist das nicht.

Und dann kommt der Augenblick, wo sie – die sich möglichst auf gar keine Beziehungen einlassen will – Ellis Jones (Michiel Huisman) begegnet. Immerhin sind ihre Gefühle stark genug, dass sie bereit ist, mit ihm seine Eltern auf dem Land zu besuchen – und ecco! Harrison Ford erkennt Adaline als seine ehemalige große Liebe. Und sie ihn (mit Rückblenden auf die damalige Beziehung in England – und Anthony Ingruber als einer jungen Version von Ford). Sie kann nur noch rasch lügen, es sei ihre Mutter gewesen, die ihn einst ohne Begründung verlassen und seelisch verletzt zurück gelassen hat.

Nun, wie löst sich so eine abstruse Geschichte? Indem man die Wahrheit sagt – und irgendeine höhere Macht, die nie definiert wird, Adaline vielleicht doch der Normalität und Sterblichkeit zurückgibt? Wie dem auch sei: Die Sache ist so belanglos, dass man so oder so nicht wirklich erschüttert wird…

Renate Wagner

 

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