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FRANZ GRUNDHEBER in Borkheide / Brandenburg – Künstlergespräch

30.09.2018 | Sänger

Borkheide / Brandenburg – 30.9.2018: Künstlergespräch mit Franz Grundheber

Nach der deutschen Wiedervereinigung zog es den Hamburger Kammersänger PETER HAAGE und seine Frau EDDA, eine frühere Tänzerin, in die Nähe seiner Geburtsstadt Berlin. Sie ließen sich in der südlich von Potsdam in Brandenburg gelegenen Gemeinde Borkheide nieder und begannen schon bald, etwas in Sachen Kultur für diese Region zu tun, indem sie eine „Der besondere Abend“ genannte Veranstaltungsreihe ins Leben riefen. Nach Peter Haages Tod übernahm seine Frau diese Aufgabe, und in diesem Jahr feierte „Der besondere Abend“ sein 20jähriges Jubiläum. Eine Leistung, die Bewunderung abringt. Zwar werden diese Abende von der Gemeinde finanziell unterstützt, doch die ganze Arbeit hängt an einer Person: Edda Haage. Bravo und Glückwunsch zu 20 Jahren erfolgreicher Kulturarbeit!

In diesem Jubiläumsjahr traten nicht nur (u. a.) die russische Sopranistin PELAGEYA KURENNAYA vom St. Petersburger Mariinsky-Theater und der Gitarrist LULU REINHARDT hier auf, sondern für ein Gesprächskonzert am 30.9. wurde mit FRANZ GRUNDHEBER ein Weltstar gewonnen, der auf allen großen Bühnen gastiert hat. Hätte dieser Abend drei Tage vorher stattgefunden, hätte man den Künstler zur 81. Wiederkehr (!!!) seines Geburtstages hochleben lassen können. Dies stieß erfreulicherweise auf großes Interesse, zumal traditionell kein Eintritt erhoben, sondern auf Spenden des Publikums gehofft wird. Die Veranstaltung fand statt in einem Saal des traditionsreichen Hotels Fliegerheim, indem zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Flugschüler des ersten deutschen Motorfliegers Hans Grade wohnten – ein modernes Hotel in historischem Gewand.


Der Jubilar Franz Grundheber umrahmt von Edda Haage, der Organisatorin des „Besonderen Abend“, und der zukünftigen Magdeburger „GMDesse“ Anna Skryleva. Foto: Archiv Sune Manninen

Franz Grundheber hat an vielen Abenden dieser Art teilgenommen, auch in Interviews ein ebenso intelligenter wie eloquenter Gesprächspartner, und folgte nicht sklavisch einem Konzept, sondern ließ sich von klug ausgewählten visuellen Musikausschnitten inspirieren, aus seinem reichen Künstlerleben zu erzählen. Natürlich durfte der Name des Bassisten Peter Roth-Ehrang nicht fehlen, dessen Sarastro-Gastspiel in Trier dazu führte, dass den jungen Grundheber die Opernleidenschaft packte und er Sänger werden wollte. Bei Margaret Harshaw studierte er in Indianapolis, wurde von Rolf Liebermann an die Hamburgische Staatsoper verpflichtet, bei der er vorsichtig gefördert wurde, aber auch (als Bariton!) in der Tenorrolle des Zauberflöten-Monostatos eingesetzt wurde, weil der eigentlich vorgesehene, 1968 so frühzeitig verstorbene Erwin Wohlfahrt seinen jungen Kollegen empfohlen hatte. Erwähnt wurde auch der Bariton Mathieu Ahlersmeyer, der Grundheber am Ende seiner eigenen langen Karriere geraten hatte, zunächst „leichtere“ Partien zu singen und mit dem schwereren Verdi- und Wagner-Fach zu warten – ein Ratschlag, den Grundheber beherzigte und der letztendlich die Basis zu dieser langen und erfolgreichen Karriere gewesen ist. Einen großen Anteil an seiner sich international immer stärker entwickelnden Laufbahn hatte schließlich Herbert von Karajan, der ihn nach Salzburg brachte und ihn stark förderte. Eine schmunzelnd vom Sänger erzählte Anekdote sagt sehr viel über den Charakter des Künstlers, aber auch den des Dirigenten aus. Bei Proben zum Finale des 1. „Tosca“-Aktes war von dem nun wahrlich nicht mit einer kleinen Stimme gesegneten Baritons nichts zu hören, worauf hin er – von Karajans Assistenten gewarnt, die ihm prophezeiten, er würde hinausgeschmissen werden – Karajan in einer Besprechung fragte, ob es nicht besser sei, wenn er nur die Mundbewegungen machte, worauf der Dirigent, sein Schmunzeln nur mühsam unterdrückend, nur entgegnete: „Unterstehen Sie sich!“

Die vielfältigen Musikvideos zeigten den Sänger im „besten Saft“, ob als Jago, Gérard, Amonasro, Fliegender Holländer – ein „italienischer“ Bariton mit Belcanto-Technik, dessen Weltkarriere, hätte er nicht Franz Grundheber, sondern „Francesco Grundello“ geheißen, vielleicht eher begonnen hätte. Ein kurzer Ausschnitt als Schönbergs Moses zeigte im Herbst seiner langen Laufbahn in eindrucksvoller Weise, welch‘ beeindruckende Sänger- und Darstellerpersönlichkeit er war und noch ist, denn er steht z.B. als Schigolch oder mit den Gurreliedern Schönbergs auch weiterhin auf der Bühne.

Nicht vergessen sollte die russische Dirigentin und Pianistin ANNA SKRYLEVA sein, die ab 2019 Generalmusikdirektor(in) des Theaters Mageburg wird und dem Ehepaar Haage langjährig freundschaftlich verbunden ist (Grundheber lernte sie kennen, als sie Korrepetitorin an der Staatsoper Hamburg war). Sie ließ es sich nicht nehmen, Grundheber bei dieser Festveranstaltung auf einem elektrischen Klavier bei Brahm’schen Volksliedern und der Strauss’schen Zueignung zu begleiten, wobei sich beim Brahms so mancher (auch männliche) Zuhörer eine Träne nicht verkneifen konnte. Die zahlreich erschienenen Zuhörer werden ihr Kommen nicht bereut haben. So oft kommt ein Weltstar nicht nach Borkheide! Danke, Franz Grundheber, Anna Skryleva und Edda Haage! Ad multos annos, Der besondere Abend!

Sune Manninen

 

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