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FRANKURT/Opernhaus: DIE NACHT VOR WEIHNACHTEN von Nikolai Rimski-Korsakow. Wiederaufnahme

17.12.2023 | Oper international

Nikolai Rimski-Korsakow: Die Nacht vor Weihnachten • Oper Frankfurt• Wiederaufnahme: 15.12.2023

(Premiere am 05.12.2021)

Opern-Welt-Aufführung des Jahres 2022

Frankfurts «Eine Nacht vor Weihnachten» ist die Opern-Welt-Aufführung des Jahres 2022. Wer die Produktion einmal erlebt hat, kann die Auszeichnung, ihrer Legitimation unbesehen, nachvollziehen.

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Foto © Barbara Aumüller

Rimski-Korsakow dürfte im deutschen Sprachraum vor allem durch seine Instrumentierung von Mussorgskis Boris Godunov und, eines der Stücke, die fast jeder kennt und fast keiner verorten kann, den «Hummelflug» aus «Das Märchen vom Zaren Saltan» bekannt sein. Er komponierte 15 Opern, die grossmehrheitlich noch der Wiederentdeckung harren. «Die Nacht vor Weihnachten», das Libretto stellte der Komponist basierend auf der gleichnamigen Erzählung aus dem zweiten Teil von Nikolai Gogols «Abende auf dem Weiler bei Dikanka» selbst zusammen. Die Geschichte faszinierte Rimski-Korsakow wegen ihrer Mischung heidnischer und christlicher Gebräuche und den phantastischen Elemente schon lange: an die Komposition wagte er sich erst nach Tschaikowskis Tod (06.11.1893), da dessen Oper «Pantöffelchen» auf der gleichen Erzählung basierte.

Christof Loy folgt in seiner Inszenierung (Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Aileen Schneider) sanft abstrahiert dem Libretto. Das Bühnenbild von Johannes Leiacker zeigt einen Sternenhimmel und auf der linken Seite, fast immer präsent, den Mond. Ansonsten arbeitet er mit wenigen, prägnanten Versatzstücken. Einen wichtigen Part spielt in dieser Inszenierung das Licht von Olaf Winter. Die eine nicht näher bestimmte Gegenwart und östliche Folklore zitierenden Kostüme stammen von Ursula Renzenbrink. Klevis Elmazaj (Einstudierung Choreografie: Pascu Ortí) hat eine beeindruckende Ball-Szene am Hof der Zarin choreographiert. Um «Eine Nacht vor Weihnachten» zu «rehabilitieren hat die Oper Frankfurt keine Aufwand gescheut. So fliegen der Teufel, Solocha und Wakula tatsächlich. Die entsprechende Flugchoreografie und Stuntkoordination besorgt Ran Arthur Braun.

Georgy Vasiliev bewältigt die Partie des Wakula mit kräftigem Tenor und tadelloser Energieeinteilung tadellos. Nicht minder beeindruckend gibt Andrei Popov den Teufel. Beide Sänger ringen dem Zuschauer für ihren körperlichen Einsatz tiefste Bewunderung ab. Enkelejda Shkoza als Solocha / Frau mit violetter Nase gehört ebenfalls zum «fliegenden Personal». Julia Muzychenko gibt eine Oksana, in die man sich sofort verliebt, Inho Jeong einen natürlich autoritären Tschub. Changdai Park als Panas, Sebastian Geyer als Der Bürgermeister, Peter Marsh als Der Diakon Ossip, Bianca Andrew als Die Zarin, Thomas Faulkner als Pazjuk, Barbara Zechmeister als Frau mit gewöhnlicher Nase, Pascu Ortí als Der Bär, Eva Polne als Koljada, die jungfräuliche Göttin, Gorka Culebras als Owsen, der Frühlingsgott, Irene Madrid als Pazjuks Sklavin, Guillaume Rabain als Monsieur Flic-Flac, Clara Navarro als Odarka, Gabriele Ascani als Kammerdiener der Zarin, Guillermo de la Chica als Der Portugiese und Antonio Rasetta als Swerbigus ergänzen das tadellose Ensemble.

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter musikalischer Leitung von Takeshi Moriuchi schliesst nahtlos an die grandiose Leistung der Solisten an und eröffnet dem Zuhörer einen neuen Kosmos. Ebenso der Chor der Oper Frankfurt (Chor: Tilman Michael).

Nicht verpassen!

Weitere Aufführungen: Sa 23. Dez. 2023, Mo. 25. Dez. 2023, So. 31. Dez. 2023.

22.12.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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