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FRANKFURT/ Oper: RODELINDA von G.F.Händel. Premiere

13.05.2019 | Oper


Jakub Józef Orliński (Unulfo), Fabián Augusto Gómez Bohórquez (Flavio), Božidar Smiljanić (Garibaldo), Martin Mitterrutzner (Grimoaldo) und Statist der Oper Frankfurt (Wache) sowie oben Lucy Crowe (Rodelinda). Copyright: Monika Rittershaus

Frankfurt: Rodelinda von G.F.Händel 12.5.2019 –  Premiere

An der Oper Frankfurt wird die selten gespielte Händel-Oper ‚Rodelinda, Regina de‘ Longobardi“ aufgeführt. Ein kleines hochgefahrenen Orchester, das teils auf Originalinstrumenten (Barockoboen, Barockfagott, Naturhorn, Laute und Barockgitarre) spielt, steht zur Verfügung. Es ergibt sich daraus mit den Streichern ein kompakter Sound, der vom Cembalo aus vom Barockspezialisten Andrea Marcon eindrucksvoll moderiert wird. In den 3 Stunden Musik wächst das Ensemble mit schlagkräftigem Sound zusammen. Aber es kommt auch zum Ausdruck, daß die Händel’sche Musik, die zwar viele interessante Farben und kompositorische Finessen beinhaltet, den ganzen Abend schwer trägt, und bei dem immer ablaufenden Schema Rezitativ – da-capo-Arie – Ensemble, besonders in der 1.Hälfte, Langeweile aufkommt. Auch wenn das bei einigen von Händels Highlight-Opern gut kaschiert erscheint, liegt es meiner Ansicht nach auch daran, daß bei ihm keine Chöre vorkommen. Händel, der ja in seinen Oratorien zeigt, daß er gut für Chöre schreiben kann, hält sie in seinen Opern außen vor, vielleicht ja nur aus Kostengründen, er war ja im Haymarket Theater sein eigener Unternehmer. So, ohne Chor, nimmt man besonders in der 1.Hälfte der Regie von Claus Guth wahr, daß in einem möndänen Haus ein paar Personen sich kabbeln und streiten. Aber was wirklich vorgeht, ist zumindest für jemand, der das Libretto nicht kennt, schwer nachzuvollziehen. Endlich stellt sich heraus, daß eine Frau, Rodelinda, deren Mann verschwunden, totgeglaubt ist, sich anderer Männer zu erwehren hat, die Anspruch auf den verwaisten Langobardenthron erheben. Der Anwärter Grimoaldo verrät dabei seine Verlobte Edwige, die damit auch in den ‚Familienkrach‘ hineingezogen wird, da ein dritter, Garibaldo aus Turin, seinerseits ein Auge auf Edwige geworfen hat. Nach diesen Vorgeplänkeln spielt sich das ganze ein wenig nach dem Schema von “Die Heimkehr des Ulisse“ ab. Der König Bertaldo, der zu den Hunnen geflüchtet war, kehrt zurück, und es gelingt ihm, zuerst incognito, Frau, Kind und Krone zurückzugewinnen. Der Schluß wirkt wie ein ‚deus ex machina‘, da Bertaldo eigentlich aus Hilflosigkeit geflohen war, aber nun indem er den Verbündeten der Gegenpartei verschont, seinen Gegner Grimoaldo für sich einnimmt.

Wegen der verwirrenden Aktionen der verschiedenen Kontrahenten hat Claus Guth in seiner Regie versucht, das Ganze aus der Sicht des Kindes der Rodelinda darzustellen, das auch die Geheimgespräche unter dem Tisch belauscht, und dadurch traumatisiert wird. Seine Horrorvisionen der Protagonisten werden als Zeichnungen an die Wände projiziert (Video: Andi A. Müller). Dieser Junge Flavio wird von dem kleinwüchsigen kolumbianischen Schauspieler Fabian Augusto Gomez Bohorquez in seiner Wuseligkeit exzellent gespielt.

Das Bühnenbild von Christian Schmidt (auch Kostüme) ist ein sog. Georgean House, wie es unter King George in England im 18.Jahrhundert in Mode kam. Es ist ganz weiß mit authentischer Fassade, und mittels der Drehbühne werden die Innenräume sichtbar, die nach vorne dann offen sind. Das Haus ist zweistöckig und somit kann oben und unten gleichzeitig gespielt werden. die Fassade kommt aber besonderes häufig zum Einsatz (bei langen traurigen Arien), und auch wenn sie mit „Naturvideos“ belegt wird, ergibt sich doch ein Abnutzungseffekt. Bei den Kostümen fallen bei den Männern auch Zylinder und schwarze lange Flattermäntel auf, die Damen (Edwige) in sexy designtem Kleid, schwarzen Strümpfen, großem Flachhut, beide treten sich in großen Roben schwarz – weiß gegenüber, die sie manchmal neckisch übers Knie ziehen. Die beiden Countersänger Bertarido und Unulfo treten in grauen heruntergekommen Reisekleidern mit Bündel auf. Als weitere Horrorvisionen des Knaben treiben sechs anscheinend choreographierte StatistInnen in großen Masken ihr (Un)wesen.

Als Rodelinda debutiert in Frankfurt Lucy Crowe. Sie bietet eine fast „weiße“ Sopranstimme, die nicht sehr durchgebildet erscheint. Das ist natürlich ein musikalisches Handicap bei dieser Oper, da sie den meisten Gesangsanteil darzubieten hat. Gerade auch in der Höhe wirkt die Stimme matt, blüht nicht auf. Sie ist zwar bemüht, szenisch Präsenz zu manifestieren aber ungepaart mit der adäquaten Stimme ist das fast vergebene Liebesmüh‘.

Auch bei ihrem Mann Bertarido ergibt sich kein anderes Bild. Der Counter von Andreas Scholl ist hier einfach zu dünn, um in der Rolle zu reussieren. Von anderem Kaliber erscheint da sein Gegenspieler Grimoaldo, das frühere Ensemblemitglied Martin Mitterrutzner, der frisches tenorales Temperament hereinbringt. Seine Verlobte Edwige, Katharina Magiera, kann mit pointiertem Mezzostrahl aufwarten und Händel-kompetentes Ariengut anbringen.


Jakub Jozef Orlinski Unulfo). Foto: Monika Rittershaus

Auch der zweite Countertenor Jakub Jozef Orlinski liefert einen eher weichen leicht verschwommenen Gesang ab, obwohl er scheint’s als große Counterhoffnung gilt. Baßbariton Bozidar Smiljanic (Garibaldo) kann dagegen auch stimmlich einigermaßen auftrumpfen.

Friedeon Rosén

 

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