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FRANKFURT/ Oper: LIEDERABEND CHRISTIANE KARG

21.11.2018 | Konzert/Liederabende

 


Christiane Karg, Simon Lepper. Copyright: Barbara Aumüller

Frankfurt: „CHRISTIANE KARG“ – Liederabend 20.11.2018

Liederabende in der Oper Frankfurt verheißen stets Glücksmomente und höchste Genüsse der besonderen Art. So war nun heute Hanna-Elisabeth Müller angesagt, doch die Dame sagte wegen Heiserkeit ab und der Intendanz war es zu danken, eine adäquate Alternative zu präsentieren: Christiane Karg!

Die freudig begrüßte Sängerin, vor Jahren Ensemblemitglied und Publikumsliebling hob in Würdigung des Komponisten Claude Debussy seinen 100. Todestag hervor, dessen Affinität zu Richard Wagner und sein immenses Schaffen hervor. Bedingt durch die zeitlichen Umstände, auf die Schnelle einen Pianisten zu finden erläuterte Christiane Karg, dass sie heute mit Simon Lepper erstmals auftrete.

Die Programmfolge ungewöhnlich, aufregend spannend und impressionistisch geprägt, umhüllt extraordinärer Aura wurde mit den „Cinq poémes de Charles Boudelaire“ von Claude Debussy eröffnet. Die Preziosen schienen geradezu ideal auf das warme Timbre, die angenehm fokussierten Höhenbereiche der exzellenten Sopranistin zugeschnitten, Christine Karg vermag am besten Deklamation aus dem Sprachklang zu vermitteln, die Stimme wirkt wie ein Instrument von erlesener Reinheit. In schlichter Eleganz durchwebt von Melancholie erklangen somit u.a. Harmonie du soir – La mort des amants auf wunderbare Weise.

Gleich einem zu leichten Pinselstrichen gemalten Aquarell zeichnete Christiane Karg in vokalen Couleurs die „Ariettes oubliées“, wie in Verzückung erhob sich die Stimme bei C´est l´extase langoureuse, anmutig im Ton und ganz im Sentiment Il pleure dans mon coeur schien die Stimme zu schweben. Heiter wie atmosphärisch kamen Chevaux de bois daher um nur wenige hervorzuheben.

Zwischen den beiden Debussys eingebettet führte die Künstlerin in die Welt der „Chansons“ von Erik Satie. Versonnen wirkte Les anges, beschwingt kam das Bekenntnis Je te veux daher, von Tristesse geprägt Spleen und mit dem Schalk im Nacken und vorher köstlich kommentiert La Diva de l´Empire.

Stets wachen Auges auf Partitur und Solistin gerichtet verstand es Simon Lepper in rhetorischer Sensibilität die Klavierparts zu absolvieren. Sein Spiel klang suggestiv, harmonisch, solistisch nie vordergründig und stets dem sinnlichen Charakter dieser teils elegischen Kompositionen akzentuierend. Ein gelungener „Einstand“ und evtl. Kontinuation?

Den Epilog und die bereits erwähnte Verehrung Debussys zu Richard Wagner bildeten die „Wesendonck-Lieder“ als Krönung dieses unvergleichlichen Recitals. In makelloser Führung ihres vokalen Instruments und vortrefflicher Deklamation sang Christiane Karg Der Engel sehr gefühlsbetont. Völlig im melodischen Fluss folgte Stehe still, sehnendes Verlangen im resignierenden Unterton wurde in der schwülen Atmosphäre Im Treibhaus gewahr. Ungebrochene Faszination schenkte die Sängerin mit ihrem kostbar-silbern schimmernden Sopran in wunderbaren Reflektionen dem Lied Schmerzen. In lyrischer Stimmführung veredelte die Sängerin schließlich die elegische Tendenz der Träume. Karg schien nicht nur zu singen, nein sie sprach musikalisch, sodass ihr differenzierter Vortrag wie gelebt erschien.

Lange atemlose Stille, sodann brach die Begeisterung des Publikums seine Bahn. Die gefeierte Künstlerin und der sichtlich erleichterte Pianist gaben keine musikalische Zugabe.

Exzeptionell und passend zum Abendprogramm rezitierte Christiane Karg eine literarische Zugabe: Höre auf den Rat von niemanden, außer auf den Wind in den Bäumen. Er erzählt Dir die Geschichte der gesamten Menschheit. (Claude Debussy alias Monsieur Croche)

Gerhard Hoffmann

 

 

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