7.4.2026: OPER FRANKFURT Recital von Joseph Calleja, Tenor und Sarah Tysman, Klavier

Foto: Barbara Aumüller
Joseph Calleja, seit mehr als einem Vierteljahrhundert regelmäßig an der Oper Frankfurt zu Gast, präsentierte ein Programm, das weniger als lose Folge von Nummern, sondern als bewusst gestaltete Reise durch Stile, Sprachen und Klangfarben angelegt war. Gerade die kammermusikalische Form des Abends eröffnete ihm dabei Möglichkeiten, die im Opernkontext selten so unmittelbar erfahrbar sind: feine Abstufungen, leise Töne, ein Spiel mit der Kopfstimme, das bis in die hinteren Reihen trug, ohne je forciert zu wirken.
Bereits der erste Teil begann vielversprechend: „Questa o quella“ aus Verdis Rigoletto und „Ah! la paterna mano“ aus Macbeth, wurden zu ersten Höhepunkten des Abends. Callejas Spitzentöne wirkten hier, wohl durch einen Allergieeffekt bedingt, etwas rauher als gewohnt, doch er überzeugte in jeder Phrase durch Ausdruck und Wärme. Es folgte das von der Pianistin Sarah Tysman gespielte „Élégie jouée par les Erinnyes“ aus den Dix pièces de genre von Jules Massenet, sowie die Arien „Pourquoi me réveiller“ aus Werther und „Ah! Tout est bien fini“ aus Le Cid. Ottorino Respighis poetisches Notturno für Klavier leitete über zu Francesco Cileas Lamento „È la solita storia del pastore“ aus L’Arlesiana, bevor Calleja den ersten Teil mit Puccinis Arie „E lucevan le stelle“ glanzvoll abschloss.
Einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Abends hatte die französische Pianistin Tysman, die weit mehr als eine bloße Begleiterin war. Ihre solistischen Beiträge, zeichneten sich durch klangliche Differenziertheit und eine feine Balance zwischen Struktur und Ausdruck aus. Vor allem aber erwies sie sich als aufmerksame Partnerin, die Callejas Phrasierung nicht nur stützte, sondern mitgestaltete.
Nach der Pause erklang Callejas Stimme frei und strahlend. Er eröffnete den zweiten Teil mit Richard Wagners „Allmächt’ger Vater, blick herab“ aus Rienzi, das er an diesem Abend erstmals live sang. Das unverkennbare Timbre Callejas verwandelte dabei jeden Ton in ein intensiven Erlebnis. Es folgte „Der Engel“ aus den Wesendonck-Liedern und das Lied „O Rose!“ von Alexander Spendiarian, welches der Tenor in armenischer Sprache vortrug. Peter Tschaikowski beschied dem Publikum schließlich russische Klangfarben: die „Barcarole (Juni)“ aus Die Jahreszeiten am Klavier und das Lied „Nur wer die Sehnsucht kennt“. Danach entführte uns das japanisch gesungene „Kawa no nagare no yō ni“ von Misora Hibari noch weiter gen Osten. Das maltesisches Lied „Kebbies tal-Fanali“ von Joseph Vella brachte anschließend Töne aus Callejas Heimat ein, bevor Enrique Granados’ „Andaluza“ und Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ warme, spanische Farben entfalteten. Ruggero Leoncavallos „Mattinata“ setzte den letzten offiziellen Akzent, bevor der lang anhaltende Schlussapplaus einsetzte.
Dann die charmante Frage des Tenors an sein Publikum „Zugabe? Ja, nein?“. Die Antwort war klar und so entfaltete sich die Klangreise noch einmal neu: Francesco Paolo Tosti mit „’A vuccella“, Agustín Lara mit „Granada“, Louiguy mit „La vie en rose“ und Ernesto de Curtis mit „Non ti scordar di me“. Jede Interpretation geriet zu einem kleinen Highlight und zu einem Flirt mit dem Publikum.
Marc Rohde

