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FRANKFURT/Oper: DAPHNE – dritte und letzte Wiederaufnahme

Ein musikalisches Ereignis der Spitzenklasse

02.02.2019 | Oper


Andreas Schager, Jane Archibald und Peter Marsh. Foto: Barbara Aumüller

Frankfurt: „DAPHNE“ – 01.02.2019

 

                      Ein musikalisches Ereignis der Spitzenklasse…

… durfte man zur dritten und letzten Wiederaufnahme der „Daphne“ (Richard Strauss) an der Oper Frankfurt erleben. Schwerlich zu formulieren wem die Krone des Abends gebührt bar dieses faszinierenden, des in jeder Phase stimmigen musikalischen Gesamt-Kunstwerks.

Derart auf die akustischen Komponente konzentriert nahm ich die umstritten Version von Claus Guth aus dem Jahre 2009, seiner formulierten Rückblende der „alten“ Daphne in den per Drehbühne wandlungsfähigen lichtdurchfluteten Räumen sowie die neuzeitlichen Kostüme (Christian Schmidt) auch nach mehreren Besuchen, visuell kaum mehr gewahr.

Am Pult des prächtig aufspielenden Frankfurter Opern- und Museumsorchesters waltete  GMD Sebastian Weigle, verhalf der komplizierten Partitur der „Bukolischen Tragödie“ zu ungewöhnlichem Melos und ließ mich die seltsame Szenerie schier gänzlich vergessen. Fernab jeglicher Opern-Routine schenkte Weigle mit viel Gespür den vertrackten Melodien dieses Werkes jene unbefangene Frische des Musizierens. Seine Wiedergabe war geprägt von subtilem Hineinhorchen in diese ungewöhnliche, schwunghafte, höchst differenzierte Orchestersprache. Da wurde nichts dem Zufall überlassen, jede Phrase schien technisch sinnhaft ausmusiziert, in wunderbaren Klangeffekten der herrlich fließenden Streicher und ebenso der wohlig ausgereizten Blechbläserformationen erhielten die wunderbaren Melodienbögen ihre ganz spezielle individuelle Aussage. Strauss intonierte in seiner Daphne instrumentale Ausbrüche vom Format einer Elektra oder gar FRoSCH sowie unverkennbar die feinnervigen Rosenkavalier-Motive. Sebastian Weigle verstand es genial jene eruptiven Kräfte zu bündeln, bestens dank seines hervorragend disponierten Klangkörpers effizient zu mobilisieren und nuanciert in sonore Bahnen zu lenken. Trotz akribisch-orchestraler Hochspannung beleuchtete der einfühlsame GMD detailliert mit viel Gespür fürs Lyrische jene Poesie welche uns den Komponisten so liebenswert erscheinen lässt und trug zudem seine Solisten quasi auf Händen.

Jane Archibald am Hause bereits wohlbekannt, sang nun ihre erste Daphne und wurde für ihr fulminantes Rollen-Debüt zu Recht umjubelt. Die kanadische Sopranistin verlieh der Titelheldin nicht nur die aparte Erscheinung, sondern vermittelte auch feinste Regungen in Mimik und glaubwürdiger Spielfreude. Für die wahrhaft vertrackte Gesangspartie lässt keineswegs eine adäquate Solistin aus dem Ärmel zaubern, doch Bernd Loebe vollbrachte dieses Wunder auf seine spezielle geheimnisvolle Weise. Jane Archibald erwies sich als ideale Rollengestalterin und vermittelte mit ihrem klaren, hellen Timbre, bei schlanker Fokussierung eindrucksvolle Kontraste zu den dominanten Männerstimmen. Achtbar stellte sich die Sängerin den hohen Anforderungen an Diktion, der vertrackten Gesangslinie dieser Partie, gleichwohl erklomm sie souverän die expansiven Höhensphären und verstand es zudem mit wunderbarer klangvoller Mittellage bestens zu überzeugen. Die Bandbreite an intonationssicherer Gesangskunst welche  Archibald in Verbindung von vokaler Raffinesse wohl dosiert vortrug, fordert höchsten Respekt.

Denselben dürfte auch Andreas Schager für sich beanspruchen, der Apollo schien dem Wagner-Recken  auf den Leib pardon die Kehle geschnitten. Der mit immensem Höhenpotenzial gesegnete Heldentenor begegnete den Klippen mit der Attitüde als wäre es das Selbstverständlichste diese Partie mit der jungenhaften Unbekümmertheit eines Siegfrieds zu absolvieren. Selbst den hymnischen Orchesterfluten konterte Schager mit tenoralem Trompetenwohlklang, steigerte sich sukzessiv in dramatische Emphasen, fand jedoch auch im Duett mit der begehrenswerten Daphne und während feinen klanglichen Passagen zu vortrefflicher vokaler Präsenz. Kleine Freiheiten der Intonation seien ihm bar dieser grandiosen Leistung durchaus verziehen.

Den tenoralen Gegenpol des Freundes Leukippos aus Kindertagen umriss Peter Marsh mit seinem weich und lyrisch timbrierten Material vorzüglich. In impulsiven Phrasierungen der glanzvollen Höhenbereiche zeigte der Sänger wohlklingend seinem Rivalen durchaus positiv Paroli.

In  breit dahinfließendem Strom aus vokalem Gold schenkte Tanja Ariane Baumgartner der Gaea erdige Rundungen, dunkle satte Tiefen von betörendem Wohlklang. Ausgezeichnete Klangeffekte vernahm man von Patrick Zielke (Peneios), sein üppig-warmer Bass begeisterte in bester Akzentuierung.

Erlesen ebenso die Besetzungen der stimmlich vortrefflich aufeinander abgestimmten Mägde der beiden Absolventinnen des Opernstudios Julia Moorman, Bianca Andrews. Klangschön fügten sich ebenso die vier Schäfer Dietrich Volle, Jaeil Kim, Barnaby Rea, Mikolai Trabka ins vokale Gesamtbild. Dem Gelage gaben die Chor-Herren (Tilman Michael) prägende Autorität und komplettierten den qualitativ hohen Gehalt dieser Produktion.

Ein glanzvoller Opernabend fand viel zu schnell seinen Abschluss, alle Beteiligten wurden vom begeisterten Publikum vehement gefeiert.

 

Gerhard Hoffmann

 

 

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