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FRANKFURT/ Jahrhunderthalle: THE DA VINCI CODE (SAKRILEG)

Deutschsprachige Erstaufführung

12.03.2026 | Theater

FRANKFURT/ Jahrhunderthalle: The Da Vinci Code
Deutschsprachige Erstaufführung am 11.3.26


Foto: Nico Moser

Am 11. März feierte The Da Vinci Code seine deutschsprachige Erstaufführung in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Es kam ein Stoff auf die Bühne, der als Roman von Dan Brown längst weltweiten Kultstatus erreicht hat. Die Bühnenfassung von Rachel Wagstaff und Duncan Abel tourte bereits durch Großbritannien und die USA. Frankfurt markierte nun den Auftakt zu einer Reihe weiterer Aufführungen im deutschsprachigen Raum.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, wie groß die Herausforderung ist: Die Geschichte lebt von Rätseln, Codes, historischen Querverweisen und schnellen Ortswechseln. Genau dieses Tempo prägt auch die Inszenierung. Szenen wechseln rasant, teilweise fast filmisch. Wer die Handlung des Romans oder der Verfilmung nicht bereits kennt, dürfte allerdings gelegentlich Mühe haben, den Überblick zu behalten. Die Erzählung springt von Hinweis zu Hinweis, von Ort zu Ort – und verlangt dem Publikum einiges an Aufmerksamkeit ab.

Gleichzeitig funktioniert der Abend gerade über seine Atmosphäre erstaunlich gut. Projektionen von Symbolen, Zeichen und historischen Motiven tauchen immer wieder auf der Bühne auf, dazu kommen satte Soundeffekte und ein von Julius von Maldeghem eigens komponierter Soundtrack, die den Thrillercharakter unterstreichen. Besonders eindrucksvoll sind die Auftritte der Mönche in schwarzen Kutten. Ihre Bewegungen (Movement Director: Bart de Clercq) wirken fast choreografiert, manchmal wie ein dunkles Ritual, das über der Handlung schwebt. Diese Bilder bleiben im Kopf – vielleicht stärker als einzelne Dialoge.

Schauspielerisch verteilt sich das Gewicht des Abends etwas ungewöhnlich. Die zentrale Figur des Robert Langdon bleibt im der Interpretation von Hannes Levianto erstaunlich blass und tritt hinter anderen Rollen zurück. Dies entspricht allerdings tatsächlich dem äußerst kontrollierten Charakter der Figur und ist somit zu einem gewissen Grad sicher beabsichtigt. Deutlich stärker präsent ist Cusch Jung, der mit großer Bühnenenergie als Jacques Saunière, sowie Sir Leigh Teabing agiert und dem Abend spürbar Profil gibt. Ebenfalls überzeugend spielt Helena Charlotte Sigal die Sophie Neveu klar, konzentriert und mit einer Präsenz, die der Figur gut tut.


Foto: Nico Moser

Ich erlebte einen Theaterabend, der nicht jedes Detail der komplexen Geschichte bis ins Letzte ausleuchten kann, der aber dennoch als handwerklich solide und unterhaltsam überzeugt. Die Inszenierung von Christoph Drewitz setzt stärker auf Tempo, starke Bilder und Atmosphäre als auf ausführliche Erklärungen – und das Publikum geht diesen Weg größtenteils mit. Dabei wirkt die Bühnenfassung sogar ein wenig näher am Puls der Gegenwart als der Roman oder seine Verfilmung.

Anders gesagt: Wer einen bis ins letzte Detail entwirrten Dan-Brown-Plot erwartet, wird vielleicht mit einigen offenen Fragen nach Hause gehen. Wer sich jedoch auf ein bildstarkes, temporeiches Theatererlebnis einlässt, erlebt einen durchaus gelungenen Abend. Gesprächsstoff für danach gibt es ohnehin reichlich.

Trailer: https://youtu.be/CydLRwvLaB8?is=94aBxxhyrZzFwSMK

Marc Rohde

 

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