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FRANKFURT/ Dr. Hoch’s Konservatorium: Guoda Gedvilaitė und das Kammerorchester Klaipėda

Tribute to Clara Schumann - Frauenpower

15.02.2019 | Konzert/Liederabende

Das Programm dieses Konzertabends baut eine musikalische Brücke zwischen Litauen und Deutschland, wobei zwei wichtige Ereignisse im Mittelpunkt stehen – der 200. Geburtstag von Clara Schumann im September 2019 und die Unabhängigkeitserklärung Litauens am 16. Februar vor 101 Jahren.

Ein Klavierkonzert zu schreiben bedeutete für Clara Schumann den Schritt in eine anspruchsvollere Liga zu wagen. Die Aufführung zu einem berauschenden Ereignis zu machen, das Virtuosin und Publikum gemeinsam verzaubert, war Claras Ziel. In ihrem Klavierkonzert Op. 7, das sie als 14-jährige (damals noch als Clara Wieck) zu schreiben begann und als 16-jährige uraufführte, wimmelt es von technischen Raffinessen und virtuosen Schwierigkeiten, die sie offenbar mühelos bewältigte. Ebenso wie es die in Litauen gefeierte Pianistin Guoda Gedvilaitė im Clara Schumann Saal des Dr. Hoch’s Konservatoriums an diesem Abend tat. Sie paart technische Perfektion mit emotionsgeladenem Spiel und leitet vom Flügel aus noch ganz nebenbei voller Esprit und Empathie das Orchester. Felix Mendelssohn-Bartholdy, ein guter Familienfreund von Clara und Robert Schumann, schrieb die Sinfonie h-Moll Nr. 10 im Alter von 14 Jahren. Für mich fiel die Spannung nach dem furiosen Auftakt bei diesem Stück ein wenig ab, allerdings ist dies am ehesten meinem persönlichen Geschmack anzulasten denn das Orchester spielte mit Leidenschaft und herrlich strömendem warmen Klang.  Einen spannenden Höhepunkt des Konzerts stellte die ungewöhnliche zeitgenössische Komposition „Zeremonien der Wegkreuzung“ für Violoncello und Streicher der litauischen Komponistin Nijolė Sinkevičiūtė dar. Speziell für das Kammerorchester Klaipėda und seinen künstlerischen Leiter, den Violoncellisten Mindaugas Bačkus, komponiert, zelebrieren die Musiker dieses Stück regelrecht. Nach Ansicht der Komponistin erfährt eine Person am Scheideweg den Zustand der Schwerelosigkeit oder der Metamorphose. Er wird zu einem Schnittpunkt irdischer, himmlischer, heller und dunkler Energien. Hier kommen auch die Stimmen aller Musiker zum Einsatz und teilweise erinnert die Darbietung an rituelle Gesänge. Eine spannende Komposition, welche mir gerne wieder begegnen darf und auch beim Frankfurter Publikum großen Anklang fand.

Guoda Gedvilaitė und das Kammerorchester Klaipėda bei ihrem Konzert am 08.02.2019 in der Konzerthalle Klaipėda. Quelle: Koncertų salė / Klaipeda Concert Hall, © Vytauto Petriko nuotr.

Nach der Pause ging es mit „De Profundis“ von der Komponistin Raminta Šerkšnytė zeitgenössisch weiter. Wieder ein Werk, mit dem sich das Orchester differenziert und klangschön präsentierte. Als Krönung des Konzertprogramms erklang im Anschluss das Konzert für Klavier und Orchester a-Moll von Robert Schumann. Trotz der Widmung an Ferdinand Hiller war das Werk von Anfang an sehr eng mit Clara Schumann verbunden. Möglicherweise verbirgt sich in der Tonfolge das Hauptmotiv zu Beginn des Werks, C – H – A – A, sogar eine verborgene Chiffre für „Chiara“, Claras Namen im fiktiven „Davidsbund“. Guoda Gedvilaitė vermochte, wie schon zu Beginn des Abends, durch ihre Virtuosität und ihre Poesie magische Klangmomente herbeizaubern. Ihr Spiel vermittelt das Gefühl, Töne folgen wie selbstverständlich aneinander und die Melodien können gar nicht anders sein. Ihr Ausnahmetalent unterstreicht neben der kraftraubenden Darbietung zweier Klavierkonzerte an einem Abend die Tatsache, dass sie in Frankfurt auch als Veranstalterin aufgetreten ist und die gesamte Organisation im Vorfeld zu leisten hatte – echte Frauenpower eben.

Marc Rohde

 

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