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FRANKFURT: DIE WALKÜRE

02.05.2019 | Oper

Bildergebnis für Frankfurt die Walküre libor
Christiane Libor (Brünnhilde), James Rutherford (Wotan). Foto: Barbara Aumüller)

Frankfurt: „DIE WALKÜRE“. Besuchte Vorstellung am 01. Mai 2019

Perspektiv, magisch, visionär gleich einem Labsal für die Augen kam die Sichtweise Vera Nemirovas Ring-Produktion (anno 2011) daher und zwar zur WA „Die Walküre“ (Richard Wagner), ließ so manches anderweitig erlebte debil-absurde Regiedebakel der letzten Jahre verblassen. Eine Offenbarung ebenso die an Neu-Bayreuth orientierte Bühnen-Ästhetik (Jens Kilian) einer variablen Ringe-Konstruktion zum vortrefflichen Design (Olaf Winter) in optimaler Illustration ins rechte Licht gerückt. Die passenden Kostüme kreierte Ingeborg Bernerth. In überwältigender Optik erschloss sich der finale Feuerzauber: nach einem bewegenden Abschied erhob sich der Mittelring mit der schlafenden Brünnhilde zum Altar empor, vom Schnürboden senkte sich ein dimensionaler Feuerreif und umgürtete Wotans Lieblingstochter, welche grandios-geniale Lösung.

Bereits zu den ersten Takten der Gewittermusik entführte GMD Sebastian Weigle mit seinem bestens disponierten Frankfurter Opern- und Museumsorchester in Wagners magisch-akustische Zauberwelten. In höchst qualitativer Manier offerierte Weigle in prächtiger Auffächerung die geniale Partitur, formte geschlossene instrumentale Perspektiven voll Wärme und Sentiment. Selten zuvor wurde mir das spannungsvolle elektrisierende Knistern im ersten Aufzug so intensiv gewahr, schier kammermusikalisch durchleuchtete der einfühlsame Dirigent mit seinem herrlich musizierenden Orchester die aufgelichteten Momente intimeren Charakters sowie durchleuchtete famos die Monologe der Folge-Akte. Handwerklich sensibel belichtet erklangen die melodischen Details der innigen Passagen zum warmgetönten Streicherklang und ohne instrumentale Überproportionen kontrastierten die wuchtigen Ausbrüche der präzisen Bläserfraktionen. Umsichtig bettete GMD Weigle seine Sänger zudem in wohlige Klangformationen und schenkte dem Rezensenten beglückende Wagner-Wonnen. Bravo! Das Publikum war meiner Meinung und überschüttete den GMD und sein Orchester mit den heftigsten Ovationen.

Unbeeindruckt von so viel liebevoller orchestraler Umhüllung entfalteten sich die Protagonisten des ersten Aufzugs. Das optisch wie vokal ungleiches Zwillingspaar präsentierte sich nicht als nicht ideal, zunächst sang Peter Wedd einen kraftvollen Siegmund in helden-baritonaler Manier,  wenige tenorale Qualitäten gewannen die Oberhand lediglich während des Dialogs mit der Halbschwester, ansonsten vernahm man nur voluminöse sehr dunkel-kernige Töne. Sehr dramatisches Gewicht schenkte ebenso Amber Wagner ihrer Sieglinde, führte die umfangreiche Mittellage ihres Soprans in bronzefarbene auftrumpfende, nicht immer angenehme Höhen und ließ das jugendliche Strahlen gänzlich vermissen. Als Brutalo vom Scheitel bis zur Sohle entpuppte sich Hunding und passend zum Outfit lieferte Taras Shtonda wenig klangvolles hohes Basspotenzial.

Angenehmere Töne vernahm man erst im zweiten Aufzug aus den Reihen der Götter. Mit klangvollem hohem Mezzosopran hielt Claudia Mahnke  die verhängnisvolle Standpauke der streitbaren Fricka, ganz Dame in schwarzem Abendkleid und Pelz die erotisch-beschwichtigenden Annäherungen des Göttergatten ignorierend. Zu hohen ausdrucksstarken Soprantönen von Wotans Avancen völlig unbeeindruckt entschied sie den Ehezwist für sich.

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James Rutherford, Christiane Libor. Foto: Barbara Aumüller

In warmgetönter Mittelbereich-Grundierung ihres Soprans verkündete Brünnhilde Walhalls Wonnen, leuchtend erklangen zuvor die Hojotohos,  in immensen Steigerungen führte  Christiane Libor die vokal anspruchsvollste aller Brünnhilden in wunderbare Höhensphären. Dazu berührte die Sängerin in dezenter Darstellung während emotionaler Momente: in betroffener Erkenntnis beim Erwachen der Liebe, der einfühlsamen Traurigkeit beim Dialog mit dem Vater und schließlich im überwältigenden Abschied. Zu herrlichen Nuancierungen ihres wandlungsfähigen Soprans brachte Libor diese Gefühlswelten in prächtiger Vokalise zum Ausdruck.

Einen Wotan von beeindruckender Noblesse verkörperte James Rutherford , verlieh dem Gott  imposante Autorität und steigerte seinen wohlgetönten Bassbariton in die kräftezehrenden Dimensionen dieser prägnanten Partie. Gallige Töne mischte Rutherford seiner Erzählung bei, vokale Wärme durchfloss die Monologe mit der Tochter, gipfelnd in ausgezeichneter Charakterisierung des unnachgiebigen Göttervaters in viril-klangvollen Höhenattacken des Finales.

Vortrefflich fügten sich die Stimmen der 8 Walküren Irina Simmes, Elizabeth Reiter, Nina Tarandek, Katharina Magiera, Ambur Braid, Karen Yuong, Stine Marie Fischer, Judita Nagyová abrundend ins vokale Geschehen.

Einhellige Ovationen für alle Beteiligten, insbesondere jedoch für Weigle und sein Orchester.

Gerhard Hoffmann

 

 

 

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