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FRANKFURT/ Alte Oper: SWR SYMPHONIERORCHESTER / Joshua Weilerstein; Bezod Abduraimov, Klavier (Klein, Beethoven)

24.04.2023 | Konzert/Liederabende

Freude an der Musik

Beim aktuellen Gastspiel des SWR Symphonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt war der charismatische Gastdirigent Joshua Weilerstein zu erleben. Und das ganz sprichwörtlich! Voller Elan und mit grenzenloser Freude an der vorzutragenden Musik gab er dem Abend deutlichste Impulse.

Am Beginn des Konzerts stand eine Rarität. Aus diesem Grund sprach der sympathische Dirigent einige persönliche Worte an das Publikum. Das Leben des Gideo Klein, dem tschechisch jüdischen Komponisten währte nur 26 Lebensjahre, ehe es ein gewaltsames Ende im KZ Ausschwitz fand. Der Pianist und Komponist Klein begann früh seine Laufbahn als Komponist. Bereits als zehnjähriger Bub veröffentlichte er erste Kompositionen. Sein letztes Werk war die knapp viertelstündige Partita für Streichtrio, die sein Kollege Vojetech Saudek rekonstruierte und als Orchesterversion für Streicher instrumentierte. Das dreisätzige Werk enthält folkloristische Zitate aus Mähren und lässt zuweilen ein wenig an Janacek denken. Voller Abwechslung und mit starken Kontrasten breitet die Komposition eine deutliche Palette an Farben aus. Die Ecksätze wirken vital und lebensbejahend, was kaum zu glauben ist, angesichts der äußerst düsteren Umstände der Entstehung. Im mittleren Lento Satz ist die bedrückende Atmosphäre spürbar und doch auch ein sehnender Seelenton, der anrührt. Joshua Weilerstein zeigte sich als sehr engagierter Anwalt dieser seltenen Musik und kniete sich mit Feuereifer in sein Dirigat. Das immens konzentriert spielende SWR Symphonieorchester spielte mit schöner Tonfülle und spürbarer Identifikation.

Gast-Solist war der usbekische Pianist, Bezod Abduraimov, der eine frische und in Teilen geradezu poetische Interpretation des Klavierkonzertes Nr. 1 von Ludwig van Beethoven darbot. Das im Jahr 1800 uraufgeführte Werk ist hörbar an der Wiener Klassik orientiert und geht doch in der Orchestrierung neue Wege. So verwendete Beethoven zum üblichen Orchester Klarinetten, Trompeten und Pauken.

Im einleitenden „Allegro con brio“ trafen Abduraimov und Weilerstein sehr gut den marschartigen Tonfall des ersten Satzes. Beherzt und nach vorne stürmend ertönte die Einleitung. Sicher im Wechselspiel agierte Abduraimov, der dann am Satzende mit einer stark reflektierten Solo-Kadenz zu gefallen wusste. Wunderbar leicht und anmutend realisierte er mit feinem Anschlag die schwierigsten Läufe. Herausragend war die Gestaltung seiner Übergänge, bei welchen er das Tempo verzögerte und somit die Akkordwechsel spannend auflöste.

Von inniger Kontemplation getragen dann das betont liedhaft vorgetragene „Largo“. Hier offenbarte der Solist seine außerordentliche Sensibilität in innig vorgetragenen Phrasierungen, die dynamisch sehr gut mit dem SWR Symphonieorchester abgestimmt ertönten. Es war die schlichte Natürlichkeit, die völlige Freiheit und das Ausbleiben plakativer Effekte, die diesem Satz eine besondere Eindrücklichkeit gab. Hier war erkennbar ein musikalischer Poet an den Tasten seines Flügels. So und nicht anders muss Beethoven klingen. Eine Offenbarung und zudem bestens begleitet vom aufmerksamen Dirigenten!

Wunderbar leicht dann das tänzerische Rondo, welches den Finalsatz krönend und überschwänglich beendete. Die pure Spielfreude der Protagonisten war überaus ansteckend. Joshua Weilerstein gab fortwährend spannende Akzente, die Abduraimov reaktionsschnell parierte. Das SWR Symphonieorchester musizierte mit großer Spiellaune und gefiel vor allem in den vielen Tuttipassagen, ebenso wie in den Soloeinwürfen. Vor allem die gewichtigen Streicherbetonungen markierten gut das Tänzerische dieses Finales. Viel Begeisterung bei den Zuhörern, die zu Ovationen mit einer fabelhaften Zugabe gesteigert wurden. Bezhod Abduraimov entschied sich für „La campanella“ von Franz Liszt. Knapp fünf Minuten höchste Perfektion. Ein Genuss!

1806 gelang Beethoven mit seiner vierten Sinfonie ein Volltreffer in der Publikumsgunst. Im Hochgefühl seiner Emotionen schrieb der große Meister seine Lebensfreude in die Noten. Dabei schlägt er im einleitenden Adagio zunächst einen düsteren Weg in Moll ein, der aber dann durch ein flottes Allegro vivace hinter sich gelassen wird. Beethovens Musik ist überbordend, voller Dynamik und durchaus mit einigen modern anmutenden Finessen formuliert. So ist im zweiten Satz sehr klar der Rhythmus gegen die Melodieführung gestellt. Ein leichter Galopp, konterkariert von wiederkehrenden Seufzern. Der dritte Satz kommt in Gestalt eines Furiants daher. Viel Spannung resultiert aus dem Wechsel zwischen Zweier- und Dreiertakt. Mit starken Kontrasten und Schroffheit ist der vierte Satz gekennzeichnet. Recht derb fahren kräftige Dissonanzen durch das Orchester. Was wäre Beethoven ohne seinen Sinn für Humor? Im Finale ist dafür das recht virtuos geführte Solo-Fagott zuständig. Joshua Weilerstein und das ausgezeichnet spielende SWR Symphonieorchester waren hörbar gut aufeinander eingestellt. Wunderbar phrasierte Weilerstein die großen enthusiastischen Bögen, die Beethoven so unvergleichlich komponierte. Dynamisch vorbildlich ausbalanciert und immer wieder in geschärften Kontrasten konterkariert ergab sich ein äußerst spannender Höreindruck. Mit leichter Hand und auch Abgründigkeit erklang das Adagio, welches den hingebungsvollen Holzbläsern reichlich Gelegenheit gab, ihre Kunstfertigkeiten zu demonstrieren. Voller Lebensfreude und Spielwitz stürzte sich das Orchester in das lockere Allegro vivace. Höhepunkt war das finale Allegro, welches von Weilerstein sehr flott vorgegeben wurde. Mit spielerischer Souveränität und vorbildlicher Klangqualität pfefferte das Orchester lustvoll seine Dissonanzen in die ruppigen Sforzati, sodass das bekannte Solo des Fagotts, wie ein spontaner Lachanfall über das Gehörte wirkte. Herrlich. Joshua Weilerstein zeigte sich an diesem so aufbauenden Konzertabend als ein Dirigent der jungen Generation, der bereits jetzt über gestalterische Reife und künstlerischen Instinkt verfügt, was ihn deutlich positiv von seinen jungen Kollegen unterscheidet.

Viel Zuspruch aus dem Auditorium für diesen schönen Konzertabend.

Gideon Klein                         Partita für Streichorchester

Ludwig van Beethoven     Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
                                               Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60

Bezod Abduraimov, Klavier
SWR Symphonieorchester
am Joshua Weilerstein, Leitung

 

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