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FRANKFURT/Alte Oper: „SOL GABETTA-HR-SINFONIEORCHESTER – PABLO HERAS-CASADO“

14.06.2019 | Konzert/Liederabende

FRANKFURT/Alte Oper: „SOL GABETTA-HR-SINFONIEORCHESTER – PABLO HERAS-CASADO“  –  13.06.2019

Ein Programm mit Werken der russischer Avantgarde und  französischer Impressionisten servierte das hr-sinfonieorchester zu seinem Saison-Abschluss-Konzert in der Alten Oper und präsentierte dazu die hochkarätige  Solistin Sol Gabetta mit brasilianischen Wurzeln und einen Dirigenten der iberischen Halbinsel Pablo Heras-Casado.

Erneut wurde mir  das Glück zuteil der ungewöhnlichen Cellistin Sol Gabetta zu begegnen und heute hatte die grandiose Solistin das weniger gespielte „2. Cellokonzert“ von Dmitri Schostakowitsch im Programm. Sehnsuchtsvoll, leise eröffnete Gabetta das Largo in verhaltenem Ton, fast fragend sich langsam steigernd färbte sie die Melodik in zügigen Tempi. In prächtigen Couleurs fächerte die temperamentvolle Cellistin den Affektreichtum der burlesken Partitur mit dem tragischen Gehalt, welche die schwierigen Lebensumstände des Komponisten geradezu kompensieren und widerspiegeln zu scheinen. Genüsslich weitete Sol Gabetta diesen kantablen Satz und lenkte dennoch wohldosiert in plastische Formierungen.

Ähnlich in frischer draufgängerischer Spontanität interpretierte die technisch bestens versierte Künstlerin die beiden pausenlos übereinander folgenden Allegretto-Sätze. Vital, hochkonzentriert vereinte Gabetta innig-warme Cello-Töne mit Tempo und Rhythmik, setzte stets wunderbare Kontraste auf faszinierende Weise und nahm den Hörer mit auf die Reise in die konstruktiven magischen Gefühlswelten eines schon depressiven  Tonsetzers.

Pablo Heras-Casado spiegelte mit dem hervorragend disponierten hr-sinfonieorchester den sarkastischen Gehalt, die neo-expressionistische Gesamtpracht des begleitenden Instrumentalparts auf vorzügliche Weise wieder. Punktuell detailliert, keineswegs nüchtern referiert sondern dynamisch ausmusiziert begleitete das klangvoll und prägnant aufspielende Orchester die Solistin.

Für den Jubel und die überschäumende Begeisterung bedankte sich Sol Gabetta mit keiner Zugabe.

Die „Fest-Ouvertüre“ von Schostakowitsch eröffnete die Programmfolge welche der Komponist im Jahre 1954 schrieb und zum 37. Jahrestag der Oktoberrevolution erklang. Nach der veritablen Eröffnungsfanfare folgte in knapp sechs Minuten ein vertracktes Feuerwerk rhythmischer Melodien natürlich nicht frei von ironisiertem Seitenblick des Komponisten. Entsprechend temperamentvoll in bester Musizierlaune servierte Pablo Heras-Casado mit dem hessischen Klangkörper die orchestrale spritzige Burleske.

Ein sinfonisches Fest von ganz besonderem Reiz erklang nach der Pause zur Suite der „Trois Nocturnes + Images“ aus der Feder von Claude Debussy dem Meister des französischen Impressionismus. In herrlich weichen warm-timbrierten Farben changierte Heras-Casado mit dem trefflich musizierenden hr-sinfonieorchester jene räumlich konzipierten Arrangements  sinnlich-sensitiver Klänge. In differenzierter Tonalität ließ Heras-Casado zum herrlichen Spiel des hr-S.O. die Episoden Fétes-Nuages-Gigues-Rondes du printemps erblühen, zauberte orchestral die melancholische Heiterkeit, in hingetupften Aquarell-Couleurs den unbeschwerten Zauber und formte die sanfte Intensität und Aussage dieser Kompositionen in kräftigen Pinselstrichen zu akustischer Prachtentfaltung.

Den offiziellen Abschluss des bunten Programms bildete „La valse“ (Maurice Ravel) vom Komponisten als variierte Apothese zum Wiener Walzer gedacht. Aus diffus, ungewissen Klängen zuckte hin und wieder ein Walzertakt auf, welcher sich allmählich bahnbrechend zum Walzerklang formte. Farbig, nuanciert, dynamisch zünden die Melodien in gemäßigten Tempi, vereinten sich die brillant ziselierten Streicher zum kongenialen, klangsinnlich-virtuosen Gesamtspiel des herrlichen Klangkörpers. Der temperamentvolle spanische Dirigent ließ die Orchesterfarben glitzern, funkeln, berauschend fließen, zeigte Sinn fürs Lyrische, Tänzerische sowie das Überschwängliche zu Ravels herrlicher Komposition.

Das Publikum war begeistert und feierte alle Mitwirkenden stürmisch.

Gerhard Hoffmann

 

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