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FRANKFURT/ Alte Oper: „JAN LISIECKI-CZECH PHILHARMONIC- SEMYON BYCHKOV“

06.02.2019 | Konzert/Liederabende

Frankfurt / Alte Oper: „JAN LISIECKI-CZECH PHILHARMONIC- SEMYON BYCHKOV“  –  05.02.2019

Immer wieder ist es ein besonderes Erlebnis dem jungen Pianisten Jan Lisiecki zu begegnen, hatte ich während der letzten Jahre das Vergnügen den Kanadier mit Beethoven und Chopin zu erleben, hatte heute der knapp 24-Jährige beim Pro Arte-Konzert in der Alten Oper das „Zweite Klavierkonzert“ von Sergej Rachmaninow im Gepäck.

Frappierend mit welcher Reife, technischem Können in wohltuend sparsamer Gestik dem Flügel subtile Couleurs entlockt und den „Ohrwurm“ in pianistischer Souveränität absolviert. Kraftvoll in langsamen Steigerungen artikulierte der Pianist die ersten Takte, entfaltete allmählich immer mehr stärkere Anschlag-Impulse des eröffnenden Moderato.  Unforciert, beherzt, federnd in kontinuierlicher  Manier perlten die Oktaven, entwickelten sich zum leuchtenden Aquarell der Tonkaskaden zum farbsatten Ölgemälde. Schier traumverloren in feinsten Nuancen intonierte Lisiecki das melodische Adagio.

Am Pult der Czech Philharmonic waltete Semyon Bychkov und begleitete den Solisten zuweilen in (für mich) ungewohnter Lautstärke. Bewundernswert zudem die instrumentale Perfektion des tschechischen Klangkörpers mit seinen brillant-prägnanten Bläserformationen sowie dem wunderbar weichen Streichersound.

Konzentriert, geschmeidig, vollgriffig leuchtete Lisiecki die dunklen Leidenschaften Rachmaninows im finalen Allegro in spielerischer Perfektion aus und vermittelte einen gewissen Touch technisch-versierter Tastenakrobatik.

Großer langer Jubel für den jungen Künstler, welcher ohne Zugabe entschwand.

Nach der Pause erklang Peter Tschaikowskys „Erste Symphonie“ welche den Untertitel „Winterträume“ trägt – führ wahr – bereits die ersten Takte führen uns die Stimmung einer verschneiten weiten Winterlandschaft akustisch vor Augen. Sanfte Streicher, Flöte, Fagott intonieren sich zum Hauptthema des Allegro tranquillo,  diverse Instrumente prägten weiter den wunderbar ausgesponnen Komplex, welcher sich sodann ins das gesamte Orchester übertrug. Semyon Bychkov lenkte die sehr transparent aufspielende Czech Philharmonie zwar in  thematische Atmosphären des Werkes, führte die fanfarenartigen Motive der Blechbläser allerdings in ungewohnt überlaute Expositionen.

In kunstvoller Brückenform erklang das Adagio cantabile und die Oboe stimmte jene Nebelschwaden des düsteren Landes an, trefflich intonierte die Cellokantilene  suggestiv diese schemenhafte Stimmungen. Zentral erhob  die Hornmelodie zum unmittelbaren Übergang des emotionsschweren Gesangs der Streicher. Im glänzend instrumentierten Scherzo wurde der vom Komponisten so spritzig punktierte Tanzrhythmus vortrefflich offenbar, dessen gefälliges Walzer-Trio wohl einem Ballett entnommen.

Das  finale Andante lugubre – maestoso ließ bereits die spätere Meisterschaft der Folge-Symphonien erkennen. Bychkov verstand es in bemerkenswerter Weise zu dezentem Einsatz des Schlagwerks, den breit strömenden Violinen von Holzbläsern bestens assistiert die Introduktion zur markanten Steigerung zu führen. Grandios, einfühlsam in detaillierter Coda gipfelte der Dirigent das prächtig disponierte Orchester zum explosiven Melos der finalen Stretta.

Dem Publikum schien die gewaltige Orchester-Eruption zu gefallen und reagierte mit lautstarker Begeisterung. Die Gäste revanchierten sich ebenso großzügig mit den vortrefflich temperamentvoll  ausmusizierten „Slawischen Tänzen Nr. 4 + 8„ (Dvorak).

Gerhard Hoffmann

 

 

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