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FRANKFURT/ Alte Oper: „GIL SHAHAM-HR SINFONIEORCHESTER- SUSANNA MÄLKKI“

17.05.2019 | Konzert/Liederabende

Frankfurt / Alte Oper: „GIL SHAHAM-HR SINFONIEORCHESTER- SUSANNA MÄLKKI“  –  16.05.2019

Finnisch geprägt erschien der Doppelabend beim Abo-Konzert des hr-sinfonieorchesters in der Alten Oper nicht zur Programmgestaltung sondern auch der Gastdirigentin Susanna Mälkki wegen.

Mit einem kurzen Stück des finnischen Komponisten Magnus Lindberg dem Ex-Kommilitonen von Kaija Saariaho und Esa-Pekka Salonen wurde der Abend eröffnet. Der bereits 16-jährige Lindberg sah sich bereits als Orchesterkomponist und bezeichnete sein Lieblingsinstrument das „Orchester“ und zog nun mit seinen heute aufgeführten symphonischen Impressionen „Parada“ bereits sämtliche instrumentalen Register. Susanna Mälkki verstand es auf wunderbare Weise den inhaltlichen Spagat zwischen Spätromantik und klassischer Moderne bestens zu offerieren. Vortrefflich in bester Disposition folgte das hr-sinfonieorchester den Intentionen der temperamentvollen Gast-Dirigentin und vermittelte konsequent die Charakterzüge dieser Komposition.

Danach erklang wenig konträr das im Jahre 1935 an diversen internationalen Orten komponierte und schließlich noch im selben Jahr in Madrid uraufgeführte „Violinkonzert Nr. 2“ von Sergej Prokofjew, an die spanische Hauptstadt sollten wohl die Kastagnetten-Frequenzen im Finalsatz erinnern.

In typischer Solist-Orchester-Interaktion kontrastierte Gil Shaham das melancholisch anmutende Thema im 1.Satz klar fokussiert und schenkte dem Andante schnörkellose melodische Linien prächtig unterfüttert von prismatischem Funkeln der feinen Kantilenen. Virtuos hochkonzentriert ließ Shaham stets spielerisch anmutig den humoristischen Aspekt Prokofjews durchblitzen und verhalf schließlich dem finalen Allegro in glasklarer Intonation und technisch-vehementer Bogenführung zum motivisch-brillanten Ausklang. Susanne Mälkki lieferte dazu mit dem hervorragend disponierten hessischen Klangkörper die rhythmischen Verdichtungen und spannenden orchestralen Kontraste.

Bravostürme und prasselnder Applaus für die wunderbare Interpretation, der Spaßvogel unter den Geigern revanchierte sich unterstützt von Florin Iliescu mit der wunderbar elegisch gespielten Gavotte aus der „5. Sonate“ (Leclair) und ließ den blutjungen Konzertmeister am finalen Jubel teilhaben.

Die finnische Dirigentin gab kund sie liebe Sibelius – nun ich auch  insbesondere die „Zweite Symphonie“ zählt zu meiner Favoritin des finnischen Meister-Komponisten, welche ich schon mehrmals mit namhaften Dirigenten und Orchestern live erleben durfte. Erwartete ich heute eine authentisch-landestypische Sichtweise bzw. Interpretation wurde ich leicht enttäuscht, doch möchte ich meiner „Merkerei“ voraussetzen das Orchester musizierte in absolut hinreißender Akkuratesse und folgte lediglich den Eingebungen seiner capriccioso Maestra.

Im Jahre 1902 wurde die „Zweite Symphonie“ von Jan Sibelius uraufgeführt und beinhaltet alle meisterhaften Vorzüge seines Stils: Kraft, herbe Farbgebung, Pathos und schließlich den umwerfenden  Naturalismus seiner finnischen Heimat. Eröffnet wurde das Allegretto mit der achtaktigen aufsteigenden Phrase der Streicher auf welche die Oboen und Klarinetten mit einem pastoralen Thema antworteten. In motivischen Einschüben folgten die Holzbläser in variierten Überleitungen und Susanne Mälkki durchsetzte die Tempi mit weiträumigen, zu meinen Wahrnehmungen  zerklüfteten Gliederungen voller Rätsel.

Den Folgesätzen verlieh die Dirigentin mit präzisen Einsätzen wunderbare thematische Instrumentationen voll Harmonik und orchestraler Brillanz. Da vernahmen wir die singende Melancholie im schwermütigen Tempo Andante, jedes Streicherweben wurde klanglich in feinnerviger Transparenz ausmusiziert. Jedes Crescendo der bestens disponierten Blechbläser erhob sich paukenbeschwert zu formativer Klangorgie – hätten die gewöhnungsbedürftigen Generalpausen nicht den Spannungsfluss der Stimmungen unterbrochen. In kantabler Linienführung eröffnete Mälkki in korrespondierender Ambivalenz das  Allegro moderato und führte das hervorragend aufspielende Elite-Orchester mit seinen brillanten Bläserformationen in den heroisch-reizvollen finalen Klangrausch dieser gewaltigen Symphonie.

Das Publikum ließ seiner Begeisterung freien Lauf, feierte Susanne Mälkki und das famose Orchester mit Bravos und sehr herzlicher Zustimmung.

Gerhard Hoffmann 

 

 

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