Frankfurt / Alte Oper: „BERLINER PHILHARMONIKER –
KIRILL PETRENKO“ – 07.11.2022

Berliner Philharmoniker/ Stephan Rabold
Eines der besten Orchester auf unserem Planeten die Berliner Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Kirill Petrenko gaben sich erneut in der Alten Oper die Ehre und hatten die „Siebte Symphonie“ von Gustav Mahler im Reisegepäck. Relativ kurz, sehr gehaltvoll und heftig präsentierte sich dieses Werk zwischen den kolossalen Kompositionen der Sechsten und Achten Symphoniewurde im gewissen Sinne oft als optimistische Fortsetzung der der pessimistischen Grundstimmung zur „Tragischen“ bezeichnet, quasi als Übergang in eine leuchtende Farbenwelt aus den trüben Hell-Dunkel-Kontrasten der Moll-Dur-Umkehrungen. Ein langes Adagio mit dem Tenorhorn leitete das Allegro risoluto ein, es entspann sich ein gleichbleibender Marschrhythmus der Streicher und Holzbläser welcher zum energischen Fundament des Hauptthemas wurde. In sanglichem Überschwang meldete sich das zweite Thema zu Wort, beide Themen vereinten sich im Geleit des hymnischen Dur-Ausklangs, dabei verordnete Kirill Petrenko den staunenswert akkurat postierten und prächtig disponierten Blechsegmenten der grandiosen Berliner Philharmonikern geradezu eruptive brillante Konturen.
Inspiriert von Rembrandts Nachtwache kompoierte Mahler das Stimmungsbild des Allegro moderato und schildert darin den Aufmarsch schemenhafter Gestalten im Kolorit greller Nuancierungen zu den Klängen eines dezenten Marsches, die herrlich aufspielenden Streicher in konträrer Paarung mit den Bläsersegmenten setzten akustisch einen visionären Geisterzug in Bewegung, man wurde im Geiste förmlich das Locken, Hasten, Huschen der skurrilen Nachtgelichter gewahr, zu Collage-Elementen der Wunderhorn-Atmosphäre. Das präzise musizierende Instrumentarium steigerte sich zum sternenübersäten imaginären Himmelsdom verklang allmählich im nebelhaften Aerophoto
Der dritte Satz, ein dicht gearbeitetes Scherzo wendete den nostalgischen Ton ins Gespenstische, in seiner desperaten Misch aus expressiver Klage und entfesselter Tanzrhythmik, durch die dissonanzreiche Harmonik noch verschärft, wirkte wie ein Totentanz herbeizitierter musikalischer Träume. Was der Untertitel Andante amoroso vielsagend verhieß, erfüllte sich auf wunderbare Weise der Nachtmusik II. In serenadeähnlichen Charakterzügen vernahm man ein instrumental apartes, sehnsuchtsvolles Ständchen von Gitarre- und Mandolinenklängen grotesk unterstrichen. Dank Kirill Petrenkos sensibler Stabführung durfte man das Berliner Eliteorchester in ungemein präziser Instrumental-Formation erleben, dass man schier, bar des sphärischen Wohlklangs das Atmen vergaß. Traumhaft aufspielende Streicher, in Perfektion auf deren Timbre abgestimmte Bläser deren Holzabteilung stets warm aufblühend erklangen sowie der akkurat, grandios auftrumpfenden Blechsektionen vereinten sich in atemberaubenden Klanggemälde.
Den finalen Rondo-Ausklang gestaltete Petrenko ganz im Sinne des Komponisten: Hell freudig gestimmt, prächtige Couleurs suggerieren strahlendes Sonnenlicht, die Schattenbilder der nacht entschwanden in der Fülle eloquenter Instrumentationen. Prächtig erhoben sich die finalen Themen in graziöser, unmerklich ausgelassener, lärmender Fröhlichkeit, legitimierend in pomphafter Gestik der Überraschungseffekte zudem war es eine wahre optische Freude den präzisen rationellen Intensionen des genialen Dirigenten zu folgen. In orchestraler Brachialgewalt, leisem Abschwellen und Wiederkehr der instrumentalen Entfesselungen mündete das Finale in das Allegro ordinario –moderato ma energico. Diesem Ausbruch musikalischer enthusiastischer Lebensfreude gab sich vollends uneingeschränkt hin, erlag der Faszination der vermittelten Harmonie des exzellenten Klangkörpers und genoss bedingungslos die erlebte vokale unübertreffliche Hochkultur.
Relativ kurz der tosende Applaus, die lautstarken geballten Ovationen für die Berliner und Petrenko.
Gerhard Hoffmann

