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FRANK

31.08.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover  Frank~1

Ab 4. September 2015 in den österreichischen Kinos
FRANK
GB  /  2014
Regie: Lenny Abrahamson
Mit: Domhnall Gleeson, Michael Fassbender, Maggie Gyllenhaal u.a.

Der arme, schlichte Normalmensch wird ohnedies den Verdacht nicht los, dass diese ganzen Pop-Stars spinnen. „Frank“ jedenfalls unterstützt diesen Glauben – denn die längste Zeit erlebt man ihn nur mit einem Kunstkopf aus Pappmaché, den er groß und  rund und mit törichtem Blick versehen, über den eigenen gestülpt hat. Erst ganz am Ende sieht und glaubt  man, dass immerhin – wie ja die ganze Zeit von der Besetzung her versprochen – kein Geringerer als Michael Fassbender darunter steckt. Das sind sie wohl, die „spinnerten“ Pop-Stars…

Wobei die Geschichte gar nicht gänzlich erfunden ist: Drehbuchautor Jon Ronson hat sie live erlebt, am Beispiel des britischen Musikers Chris Sievey, der (es war in den achtziger Jahren) als genau so eine Kunstfigur „mit Kopf“ auftrat, die er „Frank Sidebottom“ nannte. Jon Ronson war in dieser Band als Keyboarder dabei, und er kann die Verwirrungen, die von einer solchen Figur ausgehen, recht überzeugend schildern – wenn einem die Geschichte auch wirklich absurd vorkommt…

Wie ein mehr oder minder normaler junger Mann sie erlebt, ist das Thema dieses Films. Da ist Jon (wieder einmal eine überzeugende Talentprobe von Domhnall Gleeson, dem Sohn des großen Brendan Gleeson), der in einer englischen Kleinstadt von einer Karriere in der Pop-Branche träumt – und, das ist dann wie ein Traum, am sonst so gar nicht aufregenden Strand seines Ortes auf die Band „Soronpfrbs“ stößt, denen gerade der Keyboarder abhanden gekommen ist (der hat einen Selbstmordversuch unternommen – warum wohl?). Wahrscheinlich würden sie jeden nehmen, der sie da retten kann, und so lässt Jon alles hinter sich und tritt in die irrwitzige, irreale Welt dieser Leute ein.

Wobei sie sich erst einmal monatelang in eine einsame irische Waldhütte einquartieren, um auf Kreativitäts-Trip ein neues Album zustande zu bringen. Jon, als immer williger Junge für alles (er investiert sogar sein eigenes Geld, wenn es den anderen ausgeht), schwimmt fasziniert rund um Kugelkopf Frank, dessen Menschengesicht noch niemand gesehen hat (auch die anderen Mitglieder der Band nicht). Dabei gibt es jede Menge philosophischer Auseinandersetzungen über Identität und ähnlich tiefe Probleme. Was  bedeutet die Maske, hinter der sich ein Mensch versteckt, fragt dieser Film von Regisseur Lenny Abrahamson, ist denn eine Maske, die man immer trägt, überhaupt eine? Wenn man will, kann man ganz schön über all das philosophieren – man kann es aber auch einfach nur für schräg und angeberisch halten. Für eine Masche. Für eine Maske, die sich wichtig macht. Ist es ein Geheimnis um der Pointe willen oder geht es tiefer?

Und doch gibt der Film diesem Frank-Kopf (und dem, der darunter steckt und am Ende nur so kurz zu sehen ist) genügend Talent und auch Charisma, dass es einem geht wie Jon: Man sieht geradezu fasziniert zu, selbst wenn sich das ultimative Rätsel möglicherweise nicht lösen sollte…

Renate Wagner

 

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