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Francesco Piemontesi spielt Mozart: Klavierkonzerte Nr. 25 & 26 – LINN Records CD; Andrew Manze dirigiert das mozartgeeichte Scottish Chamber Orchestra

20.11.2017 | cd

Francesco Piemontesi spielt Mozart: Klavierkonzerte Nr. 25 & 26 – LINN Records CD; Andrew Manze dirigiert das mozartgeeichte Scottish Chamber Orchestra

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Ein Wahlberliner aus Ascona, dem tiefst gelegensten Ort der Schweiz im Kanton Tessin am Lago Maggiore, Francesco Piemontesi, hat offenbar einen direkten Draht zu unserem Salzburger Wunderkind. Jedenfalls zu der Mozartdeutung, die ganz auf Subtilität im Ausdruck, einen elastisch federnden Anschlag, musikalische Proportionalität sowie jene himmlische Leichtigkeit baut, die viele Musikfreunde so lieben. Da wird weder drauflos gedroschen, als ob es ein Prokofiev-Konzert oder ein anderer Aufreger des musikalischen Expressionismus wäre noch eine historisierende Rückschau betrieben, die jede Klangnuance kognitiv nur an der barocken Originalklang-Aufführungstradition misst.

 

Die neue CD der Klavierkonzerte Nr. 25 und 26 mit dem Scottish Chamber Orchestra unter Andrew Manze (im normalen Leben Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie), profitiert schon von der langjährigen Mozart-Pflege des berühmten Kammerorchesters unter Sir Charles Mackerras. Es ist aber Francesco Piemontesi, der die Aufnahmen in einer Zeit, wo gerade bei Mozart oftmals nur Äußerlichkeiten wie das rascheste Tempo und die hitzigsten Zuspitzungen für mediale Furore sorgen, so besonders macht. Sich jeder Mode verweigernd, weiß Piemontesi eine ideale Balance zwischen Deklamation und Sanglichkeit zu treffen, ohne den klanglichen Eigencharakter der Interpretation vernachlässigen zu müssen. Eine große Neugier und Experimentierfreude, ja auch Spiellust zeichnen diesen Ansatz aus, in dem das „beiläufige“ Finden vieler spontaner Lösungen beinahe einen improvisatorischen Prozess vermuten ließe. Piemontesi gleitet an der Tastatur wie ein goldbetakeltes Floss in einem nicht regulierten Flussbett entlang, stabil, jedoch auch den kleinen Strömungen und Strudeln nicht reglos ausgeliefert. 

 

Damit die virtuose Pracht, das irgendwie  Beethovensche des Krönungskonzertes in D-Dur und des großen Konzertes in C-Dur als auch die Selbstverständlichkeit in der Phrasierung, derselbe Atem so richtig zur Geltung kommen können, haben Piemontesi und Manze einige gemeinsame Auftritte mit genau diesem Programm bestritten.

 

Beinahe unnötig zu erwähnen, dass auch die klangtechnische Seite bei einem Label wie Linn keinen Wunsch offen lässt. Noblesse oblige!

 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

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