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FOCUS

01.03.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Focus~1

Ab 6. März 2015 in den österreichischen Kinos
FOCUS
USA  /  2015 
Drehbuch und Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Mit: Will Smith, Margot Robbie u.a.

Man könne ja – so dachte man – froh sein, wenn Will Smith einmal in einem Film ohne seinen Sohn Jaden auftaucht („After Earth“ war ja nun in jeder Hinsicht und zurecht ein Reinfall), oder wenn er nicht mit irgendwelchen Sentimentalitäten und Todeskrankheiten kommt („Sieben Leben“). Wird eine Gaunerkomödie angekündigt, hofft man inständig, die Erfolgsnummer des heiter-frechen Will zurück zu bekommen, wenn auch klar ist, dass für den Spät-Vierziger seine große Zeit in den neunziger Jahren zurückliegt, als man ihm auch noch Filme auf den Leib schrieb. Doch das hier ist ein Drehbuch, das er schließlich angenommen hat, nachdem zahlreiche Kollegen absagten. Sie wussten, warum.

Die Geschichte ist mehr als dünn und ausgelutscht, obwohl sie zumindest an zwei reizvollen Schauplätzen spielt – in New Orleans bekommt man sogar etwas von den Menschenmassen und dem Treiben beim Karneval mit, Buenos Aires entfaltet sich weniger reizvoll. Aber Schauplätze sind ja nur Dekoration als Draufgabe, es müsste um die Menschen und um die Story gehen.

Glaubt man Will Smith Nicky, den Meisterdieb und Super-Trickbetrüger? Er gibt sich zwar anfangs „cool“, wenn eine Anfängerin namens Jess ihn reinlegen will, aber warum er ihr dann Tricks beibringt, wird nicht so klar. Außer dass es den Titel des Films erklärt: „Focus!“ Konzentrier dich auf etwas und lenke Dein Opfer hoffnungslos ab – dann kannst Du ihm alles wegnehmen. Da wir üblicherweise nur die Opfer sind, nützt die Nachhilfestunde nicht viel, denn die Diebe leben davon, besser zu sein als wir…

Bei der großen Abzocke in New Orleans darf Jess immerhin im Team dabei sein, und da kann man auch als Kinobesucher etwas lernen – dass man nämlich in Menschenmengen nie genug aufpassen kann. Wie da eine Gruppe von Langfingern durch die Menge geht und jede gezogene Brieftasche sofort von einem zum anderen gereicht wird, dass sie faktisch unauffindbar ist, das macht schon beklommen. Ja, Kriminalität ist auch ein Handwerk, das beherrscht werden will. Wie man anschließend einen besessenen Spieler (hier ein Chinese) durch stetes Verlieren immer weiter in die Wetten lockt, bis in die getürkte letzte, die man nicht verlieren kann… na, ganz neu ist es nicht.

Inzwischen weiß man auch, dass das Ganze auf Psychospielchen zwischen Nicky und Jess hinausläuft. Liebt er sie oder benützt er sie nur? Nächste Station, drei Jahre später in Buenos Aires, müsste dann die Lösung bringen – echte Gefühle auf einer Seite, Rache oder gar die übliche Manipulation unter sentimentalen Vorspiegelungen? Man kann nur eines sagen: Weder stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, noch funktioniert das Drehbuch der Regisseure Glenn Ficarra & John Requa: Die allerletzte Wendung des Falles ist von haarsträubender Dummheit, die Lösung ist keine, und vor allem holpert die Geschichte entsetzlich langweilig dahin.

Gesucht wurde eine Blondine nicht nur als Blickfang, sondern auch als hochrangige Partnerin im Hin und Her der Täuschung (wie es Catherine Zeta-Jones einst für Sean Connery war – es gibt sicher viele positive Beispiele, wenn man nachdenkt). Die 25jährige Neuseeländerin Margot Robbie, bisher ein Fernseh-Serien-Gesicht, kennt man nur als das “blonde Gift” in “The Wolf of Wall Street”, und wenn es darum geht, die Trophäen-Frau zu spielen, ist sie der richtige Typ. Wenn man eine spritzige, dynamische Persönlichkeit braucht, kommt gar nichts.

Fast mühsam ist es zuzusehen, wie lustlos Will Smith seine Rolle abspult. Der ist nicht annähernd so gut aufgelegt, wie er es als Meisterdieb und Trickbetrüger sein müsste, er sprüht nicht, er hat keinen Spaß an der Sache, der wartet nur auf seinen Gagenscheck. Schade.

Renate  Wagner

 

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