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FLENSBURG / Deutsches Haus: MOZART REQUIEM

und „La mort de Cléopâtre“ von Hector Berlioz

19.04.2026 | Konzert/Liederabende

FLENSBURG / Deutsches Haus
Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem
Hector Berlioz: La mort de Cléopâtre
Sønderjyllands Symfoniorkester
am 18.4.2026

Mozart Requiem Flensburg
Schlussapplaus im Deutschen Haus in Flensburg (Foto: Marc Rohde)

Auf Einladung des Sydslesvigsk Forening, dem kulturellen Dachverband der dänischen Minderheit in Südschleswig, gastierten am vergangenen Samstag das Sønderjyllands Symfoniorkester und der Filharmonisk Kor aus dem benachbarten Sønderborg in Flensburg.

Einen starken Auftakt setzte das Orchester unter der Leitung von Henrik Schaefer gemeinsam mit der Sopranistin Marie Heeschen in Hector Berlioz’ „La mort de Cléopâtre“. Heeschen verzichtete dabei auf großes Opernpathos und näherte sich der Figur konzentriert und überraschend zurückgenommen. Ihr Sopran blieb auch in den zugespitzten Momenten klar und beweglich. Die Spannung entstand weniger aus Lautstärke als aus der Linie, aus feinen dynamischen Abstufungen und bewusst gesetzten Brüchen.

Besonders auffällig war ihre Textbehandlung: Die französische Diktion war jederzeit präsent, fast so, als würde Kleopatra nicht singen, sondern aus sich heraus sprechen. Dadurch bekam die Szene eine starke innere Spannung. Das Orchester blieb dabei nicht im Hintergrund, sondern agierte als echter Partner, der diese Entwicklung mittrug und mitgestaltete.

Das anschließende Requiem hinterließ insgesamt einen überzeugenden, wenn auch nicht durchgehend ausgewogenen Eindruck. Schaefer führte sicher durch die großen Bögen, setzte aber nur wenige eigene Akzente. Vieles wirkte kontrolliert und präzise, stellenweise allerdings auch etwas nüchtern, fast zu zurückhaltend für ein Werk, das von existenziellen Extremen lebt.

Der Filharmonisk Chor klang in den dramatischen Passagen mitunter etwas schlank, wodurch die volle Wucht nicht immer erreicht wurde.

Im Solistenquartett stand weniger die individuelle Profilierung als das Zusammenspiel im Vordergrund. Marie Heeschen führte ihren klaren, schlanken Ansatz konsequent fort. Sidsel Aja Eriksen brachte mit ihrem warmen Mezzosopran eine ausgleichende Farbe ein, die vor allem in den Ensembles stabilisierte. Endre Aaberge Dahl gestaltete seinen Tenor eher erzählerisch als heroisch, während Simon Duus mit ruhiger Präsenz und tragfähigem Bass das Fundament legte.

Gerade dieses auf Ausgleich bedachte Miteinander hatte seinen Reiz und ließ dabei genügend Raum für die klangliche Durchsetzungskraft der einzelnen Sänger.

Dabei ließ die Lichttechnik des Deutschen Hauses Fragen offen: Die Solisten blieben über weite Strecken nur schemenhaft erkennbar, was unnötig Distanz schuf.

Über die musikalische Wahrnehmung hinaus bekam der Abend für mich eine zusätzliche Ebene. Durch die emotionale Nähe zu einer Person, die aktuell einen Trauerfall durchlebt, ließ sich dieses Requiem kaum rein analytisch hören. Vieles traf mich unmittelbarer, rückte näher heran. Fragen der Interpretation traten zeitweise in den Hintergrund gegenüber dem, was diese Musik an Trost, Schwere und auch an beruhigender Klarheit entfalten kann.

So bleibt am Ende eine Erinnerung, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Marc Rohde

 

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