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Film: X-MEN: DARK PHOENIX

05.06.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 7. Juni 2019
X-MEN: DARK PHOENIX
USA / 2019
Regie: Simon Kinberg
Mit: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Sophie Turner, Jessica Chastain, Nicholas Hoult u.a.

Ein bisschen durcheinander geht es schon in den X-Men-Geschichten, aber das hat die Fans noch nie gestört. In vielen Filmen hat man zumindest die wichtigsten Figuren mit ihren besonderen Fähigkeiten (das ist ja das Besondere an Mutanten…) verinnerlicht. Und die meisten von ihnen sind in „X-Men: Dark Phoenix“ versammelt – von den Schwergewichten fehlt nur Wolverine, und „Storm“, die einmal ausgesehen hat wie Halle Berry, ist (schon seit dem letzten Film) eine andere hübsche Afroamerikanerin geworden. Wichtig für Fans ist die Information, dass dies angeblich der letzte Teil der Serie ist – was man letztendlich gar nicht glauben kann, wenn man das offene Ende bedenkt…

Im Mittelpunkt steht diesmal Jean Grey alias Phoenix, die in früheren Filmen ausgesehen hat wie Famke Janssen, schon im Vorgängerfilm in Gestalt von Sophie Turner mit dabei war und jetzt die Frage aufwirft, ob sie (60 Folgen „Game of the Thrones“ hin oder her) das Format hat, einen Film zu tragen – zu leer und uninteressant ist ihr breites Gesicht. Und wenn sie die Super-Super-Super-Kräfte entwickelt, die diesen ganzen Film erzittern lassen, wäre auch etwas mehr darstellerische Power angesagt, wenn die Zweifel an ihr nagen, wie sie sich in den Griff bekommen soll… (Kerzengerade in die Luft fliegen kann sie übrigens auch.)

Wie dem auch sei, die Geschichte beginnt extrem tragisch, mit Jean als Kind, die durch ihre übersinnlichen Fähigkeiten den Autounfall verursacht, bei dem ihre Mutter ums Leben kommt. Sie hält sich für eine Waise, als unser guter, alter (und nun schon viele Filme lang James McAvoy) Professor Charles Xavier sie in seine Schule mitnimmt, wo die „besonderen“ Kinder Schutz und Ausbildung erfahren…

Das Drehbuch will allerdings noch einige interne Spannungen einbauen – Raven alias die blaugesichtige Mystique (Jennifer Lawrence verabschiedet sich von der Rolle)  hinterfragt Xaviers „Packeleien“ mit dem Menschengeschlecht (dabei tut er es nur, um seine Mutanten zu schützen!). Als bei einem Einsatz im All, wo weltliche Astronauten gerettet werden, Jean gänzlich verändert (jetzt kann keiner sie mehr aufhalten) zurückkommt, rüttelt Mystique an Xaviers Autorität, weil er angeblich nicht genug auf seine Leute acht gibt… Was soll man sagen, Mystique stirbt (weil die Superfrau Jean ihre Kräfte nicht beherrschen kann) einen wahren Märtyrertod, und danach kommt dann ein bisher unbekanntes Element ins Spiel.

Denn da ist – unendlich blond und unendlich gefährlich – Jessica Chastain unter dem unverdächtigen Namen Smith, wo sie doch eigentlich eine Außerirdische ist, die alles, auch die Mutanten, vernichten will (gefolgt von ein paar Aliens in Menschengestalt, die man lange Zeit für unzerstörbar halten muss). Der Rest des Films ist Kampf und Krach und Special Effects, wobei auch Michael Fassbender (der sich in letzter Zeit auf der Leinwand rat gemacht hat!) sein geruhsames Dasein auf einer Insel aufgibt und als „Magneto“ wiederkehrt – erst, um die gefährliche Jean zu töten, später, um Madame Smith, die wohl die ultimative Böse ist (schon wie sie auf ihren Stilettos stakst!), zu bekämpfen…

Das alles klingt ein bisschen lächerlich, aber man muss dazu sagen, dass sich diese „X-Men“ auf der Leinwand eine eigene Welt kreiert haben und dass man sich darin, nach vielen Filmen, einigermaßen wohl und vertraut fühlt. Dass die Kunststücke der einzelnen Mutanten immer dieselben bleiben, liegt in der Natur der Sache, der letzte Film zitiert auch manches aus den früheren, aber die Geschichte hat den Vorteil, klar erzählt zu werden (wenn man denkt, welchem Drehbuch-Chaos man bei vielen Comic-Verfilmungen schon begegnet ist), und dass ein Könner wie Hans Zimmer die Musik gemacht hat, meint man auch zu hören, wenn sie hilft, die Dramatik hoch zu peitschen.

Regisseur Simon Kinberg weiß, dass es da in erster Linie um Tempo, in zweiter aber auch um die Figuren geht – also in Variationen das zu bedienen, was man kennt und was erwartet wird: Er tut es quasi doppelt, denn er hat auch das Drehbuch geschrieben. Und wenn auch nur die bekannte Handvoll unter den Mutanten wirklich Profil gewinnt, ist das eine kluge Entscheidung, um die Sache nicht zu überlasten.

Das ist schließlich nicht Arthouse, sondern Mainstream, und als solcher funktioniert der Abschied von den X-Men (den man, wie gesagt, nicht so recht glauben kann) auf altbewährte und solcherart richtige Art und Weise.

Renate Wagner

 

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