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Film: WUTHERING HEIGHTS

Das war wohl nichts…

19.02.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 12. Februar 2026
WUTHERING HEIGHTS
USA /  2026
Drehbuch und Regie:
Emerald Fennell
Mit: Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau

Das war wohl nichts…

Wie man weiß, hat das Internet nicht viel mehr zu tun, als immer wieder irgendwelchen sinnlosen Shitstorm zu veranstalten. Da kommen natürlich auch Filme an die Reihe, die den Vorteil haben, dass sie ja – bei entsprechender Größenordnung – weltweit laufen. Diesbezüglich hat man schon einiges erlebt. Aber so viel Spott und Hohn wie für  die neue Verfilmung von „Wuthering Heights“ hat es lange nicht gegeben.

Kaum, dass sich ein Kritiker fand, der sich zumindest für die Machart des Films (opulente Ausstattung, exzentrische Lichteffekte, gelegentlich interessante Kamera) erwärmt hätte (die von anderen auch totgeprügelt wurde). Die Darsteller fanden trotz ihrer Popularität wenig Gunst, und was die Vorlage betrifft… da gebärdete sich alle Welt als Literaturpapst. Nein, so darf man das berühmte Meisterwerk von Emily Brontë, bei uns auch als „Sturmhöhe“ bekannt, nicht verfilmen!

Nun, so viel negativer Wirbel macht neugierig. Um es vorweg zu nehmen – so wirklich befriedigend sind die zweieinhalb Stunden „Intensiv“-Kino, wie sie die britische Regisseurin Emerald Fennell liefert, nicht. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, was bei ihren vorigen Filmen (und das muss man erwähnen) nicht der Fall war. Denn „Promising Young Woman“  (2021 mit Carey Mulligan) war ein Mißbrauchs-Thriller, der in seiner Konsequenz und Originalität der Handlungsführung wirklich Gänsehaut erzeugte, und „Saltburn“ von 2023 stach schmerzhaft direkt in die englische Gesellschaft. Warum eine Regisseurin, die so viel kann, nun nicht mehr als einen Schmachtfetzen erzeugte, entschließt sich nicht wirklich.

Durchaus zurecht wurde vom Thema her das „Whitewashing“ der Hauptfigur bekrittelt, denn Heathcliff, der als kleiner Junge von Nirgendwo von dem englischen Gutsbesitzer heim gebracht wird, „a pet“ (also ein Schoßhündchen) für seine kleine Tochter Catherine und für nicht mehr als eine Dienerfunktion gedacht, unterscheidet sich im Roman schon durch seine dunkle Hautfarbe von den weißhäutigen Briten in den Mooren von Yorkshire. Kein Schwarzer, eher von Sinti/Roma-Abstammung, aber jedenfalls schon dadurch ein Außenseiter. Wenn nun auch die vorigen Verfilmungen diesem Faktum nur in Ausnahmefällen Rechnung getragen haben, so ist das heutzutage doch als Thema zu virulent, als dass die blonde Upperclass-Regisseurin dies nicht wüsste. Aber es war ihr egal, wie so vieles andere auch. Sie wollte, was Emily Brontë nicht geschrieben hat: eine Leidenschaft wie aus dem Groschenroman, wo sich die Hauptdarsteller im letzten Drittel unendlich küssen und umarmen, bevor alles den Bach hinunter geht…

Emerald Fennell braucht nach ihrem eigenen Drehbuch etwa eine Viertelstunde dafür, dass die beiden Kinder Catherine und Heathcliff (den Namen gibt sie dem Namenlosen) sich liebend und seelenverwandt finden.

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Dann Schnitt, und sie sind erwachsen – viel zu sehr. Margot Robbie sieht nach dem aus, was sie ist, als eine sehr attraktive Frau in ihren Dreißigern, und Jacob Elordi, den mittlerweile jeder als Frankensteins schönes Monster kennt, wirkt zwar spürbar jünger als sie, aber eigentlich sollten beide unter 20 sein.

Aber man vergesse das Original, das heutzutage vermutlich nur noch wenige gelesen haben. Nun geht es darum, dass Catherine der Armut entfliehen will (der Vater hat das Vermögen versoffen) und einen reichen Nachbarn heiratet (der ist übrigens farbig, der sympathische Pakistani Shazad Latif). Der verschmähte Heathcliff verschwindet (auf einem Pferd in den roten Himmel reitend…) eine zeitlang aus der Szene (um später, wie das in Romanen mal so ist, als reicher Mann zurück zu kehren), und der Film wendet sich nun mit unendlicher (und eher langweiliger) Ausführlichkeit dem üppigen Lebensstil von Catherine als Frau des überreichen Mannes zu. Man kann gar nicht genug an Interieurs, atemberaubenden Kostümen, reichem Schmuck sehen. Und dabei ist die arme Catherine so unglücklich, weil sie natürlich nur ihren Heathcliff liebt… Das kann es doch nicht sein, was eine Regisseurin von heute wirklich interessiert?

Als Heathcliff zurück kommt und das Haus von Catherines hweabgekommenen Vater kauft, beginnt im Roman eine gnadenlose Rachegeschichte, die die Regisseurin hier gar nicht realisiert (auch, weil ein ganz wichtiger Protagonist, Catherines Bruder, der Heathcliff als Kind besonders gequält  hat, gar nicht vorkommt). Jetzt geht es nur noch um heimliche Liebe und Leidenschaft, eine (in ihrer sexuellen Konnotation erfundene) tragische Ehebruchsgeschichte…

Mehr ist das nicht, nur dass Emerald Fennell wenigstens zwei Nebenfiguren gelungen sind: Die getreue Dienerin Nelly (der Diversität wegen mit Hong Chau besetzt, was allerdings ein enormer Gewinn ist) und Catherines Schwägerin Isabella (die irische Schauspielerin Alison Oliver, in ihrer Differenziertheit unendlich überzeugender als die immer gleich schmachtende Margot Robbie), die Heathcliff erliegt (was keine gute Idee für sie ist, da er in ihrem Fall eine gänzlich Unschuldige quält).

Hat es sich gelohnt, zweieinviertel Stunden lang eine angebliche Romanverfilmung zu sehen? Ehrlich gestanden: nein.

Renate Wagner

P.S.  Ich muss jetzt in meinen alten DVDs kramen und mir die Fassung von 1937 mit Laurence Olivier hervorholen… um ein bißchen souveräne Schauspielkunst zu erleben.

 

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