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Film: WIDOWS – TÖDLICHE WITWEN

04.12.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 7. Dezember 2018
WIDOWS – TÖDLICHE WITWEN
Widows / USA / 2018
Regie: Steve McQueen
Mit: Viola Davis, Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki, Colin Farrell, Liam Neeson u.a.

Frauenpower ist der neue Kinotrend, Männerfilme werden umgedreht, weibliche Ghostbusters, weibliche Ocean’s 8-Heldinnen, die einen Heist durchziehen… und wenn „Witwen“ das nun auch tun, könnte man meinen, eine neue Komödie auf dieser Schiene vor sich zu haben. Aber die Geschichte, die Steve McQueen erzählt (seitdem der gleichnamige Schauspieler tot ist, kann es keine Verwechslung mit dem durchaus anspruchsvollen Drehbuchautor / Regisseur mehr geben), ist tragisch. Und sie bleibt es vom Anfang bis zum Ende.

Sie spielt in Chicago, wo die Gangster immer noch ganz schön unterwegs sind. Vier von ihnen, geführt von Harry Rawlins, gespielt von Liam Neeson, werden allerdings durch eine Explosion in die Luft gesprengt – und der erfahrene Kinobesucher fragt sich, wieso ein so populärer Schauspieler gleich am Beginn des Films verschwindet? Keine Angst, es gibt noch Rückblenden in Form von Erinnerungen und andere Überraschungen…

Die übelste Überraschung für seine Witwe Veronica (Viola Davis ist das starke Zentrum des Films), die den Gatten sehr geliebt hat, besteht darin, dass bald ein sadistischer Gangster in ihrem Wohnzimmer steht und behauptet, der Tote schulde ihm zwei Millionen Dollar. Die sie doch bald bezahlen möge. Als Drohung spielt er so sadistisch mit ihrem Hund herum, dass es nicht nur jedem Tierfreund kalt über den Rücken läuft…

Hollywood weiß, dass die Welt nicht mehr weiß ist. Um die „Witwen“ des Titels komplett zu machen, gesellt sich in Linda eine Latina dazu (Michelle Rodriguez, der die Gangster mit Geldforderungen den Laden demolieren), und die Blondine (Elizabeth Debicki) ist auch nicht WASP, sondern eine polnische Einwanderin (sie hat auch noch eine ziemlich eklige Kuppler-Mutter, die sofort wüsste, wie ihre Tochter zu Geld kommt und ihr bei deren Zögern nahe legt, nicht die Jungfrau Maria zu spielen…).

Drei Frauen mit demselben Problem – und Aufzeichnungen von Harry Rawlins, die einen „Heist“ ganz genau ausgearbeitet zeigen. Später werden wir erfahren, dass er meinte, die Gattin würde das Handbuch des Raubs lukrativ verkaufen – dass sie mit den beiden Leidensgenossinnen und einem ältlichen, schießgewandten Babysitter (Cynthia Erivo) versuchen würde, die Sache selbst durchzuziehen, hat er sich nicht gedacht…

Wäre es nur das (wobei man durch das Verbrechen nicht wirklich durchschaut, mit der kristallenen Logik haben es die Drehbücher nicht), die Komödie könnte immer noch stattfinden. Aber da ist der Politiker Jack Mulligan in Gestalt des unglaublich glatten Colin Farrell, und da merkt man schon, wo es lang geht – nicht erst, als er seinem Politiker Vater (großartig Robert Duvall als alter Mann, der nicht weichen will) wissen lässt, er solle sich doch endlich aus dem Geschäft verziehen… Zynismus in Gangster- und Politiker-Kreisen durchwebt diesen Film so düster, dass man am Ende weiß, dass weit mehr eine harte Sozialstudie angepeilt war als sonst etwas…

Der Raub beschert vor allem Veronica den Schock und die Enttäuschung ihres Lebens, aber am Ende scheint es, als wolle der Regisseur seine Frauen doch in eine einigermaßen friedliche Zukunft schicken. Aber das macht den Film nicht Mainstream-verdaulicher. Hier ist Witwe sein kein Spaß, sondern eine Härte.

Renate Wagner

 

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