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Film: VORHANG AUF FÜR CYRANO

21.04.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 26. April 2019
VORHANG AUF FÜR CYRANO
Edmond / Frankreich / 2018
Drehbuch und Regie: Alexis Michalik
Mit: Thomas Solivérès, Olivier Gourmet u.a.
Auch wer „Cyrano de Bergerac“ nie richtig gut auf dem Theater gesehen, sondern nur im Kino mit Gerard Depardieu gesehen hat, wird ahnen, dass es sich hier um ein außerordentliches Stück handelt. Es ist auch ein wunderbares Exempel der französischen Theatergeschichte, und als solches wird die Entstehung des Stücks von dem französisch-britischen Schauspieler Alexis Michalik so überzeugend wie – liebevoll auf die Leinwand gebracht.

Nun hat es ja immer wieder Filme gegeben, die auf verschiedene Art dem Theater huldigten, von „Stage Beauty“ bis „Molière auf dem Fahrrad“ und natürlich „Shakespeare in Love“, was für Michalik zum Vorbild wurde (Kollege Tom Stoppard hat das geschrieben, immerhin). Da sich anfangs niemand für sein Filmprojekt interessierte, machte er aus „Edmond“ (es geht schließlich um den Autor Edmond Rostand) ein Theaterstück – und siehe da, die Pariser waren nach der Uraufführung 2016 in Theatre du Palais Royal entzückt, es regnete „Molieres“ (der französische Theaterpreis), und nun konnte auch der Film entstehen. Zum Glück. Er ist ein Gustostück für Theaterfreunde.

Keine Verfremdung, wir sind voll im Paris der Belle Epoque, im Paris des 19. Jahrhunderts, einer ebenso opulenten wie quirligen Epoche. Edmond Rostand (1868 bis 1918) ist ungefähr 30 Jahre alt, hatte als Dramatiker Erfolge und Misserfolge (immerhin spielte in seinen Stücken auch die große Sarah Bernhardt!), soll ein neues Stück schreiben und hat keine Ahnung, was und wie.

Nun ist das Theater ja eine Welt für sich, und wenn ein großer Schauspieler einen Dramatiker drängt, eine spektakuläre Rolle für ihn zu schreiben, dann wird er es tun und jedes Fünkchen der Inspiration aufnehmen: Und wenn er dem farbigen Wirt eines Bistro zuhört, wie es so ist, sich als Außenseiter in der Welt durchzusetzen…

Cyrano de Bergerac gab es wirklich, den französischen Dichter des 17. Jahrhunderts mit einem wilden Leben. Von der großen Nase weiß die Historie nichts, aber die schreibt man als Effekt für den Schauspieler Constant Coquelin (herrlich aufgeblasen: Olivier Gourmet). Wenn dann der Freund von Edmond, ein hübscher, dümmlicher Schauspieler (Tom Leeb so überzeugend als Leo Volny) eine kluge Midinette umschwärmt (reizvoll: Lucie Boujenah als Jehanne d’Alcy), die ihm aber nur zuhört, wenn Edmond ihm poetische Worte einflüstert – ja, dann steht das Gerüst des Stücks, dessen Wachsen im Theaterbetrieb man mit ungeheurem Vergnügen verfolgt.

Da ist rund um den herrlichen Hauptdarsteller Thomas Solivérès, der Verzweiflung und nimmermüden Eifer des Dichters, persönliche Verstrickung und seelische Verwirrung hinreißend verkörpert, ein Film, der das Theater liebt, der es voll Herz und Humor, Sinnlichkeit und brillantem Witz, mit großen Gesten und tiefen Gefühlen auf die Leinwand bringt. Es ist die Verbeugung vor der irren, wirren Welt des Theaters und ihren verrückten Protagonisten, es ist Film im Dienste von Theaterzauber und Theaterwunder.

Renate Wagner

 

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