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Film: VIRGINIA WOOLF’S NIGHT AND DAY

Der Aufschrei der Emanzipation

07.07.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 9. Juli 2026 
VIRGINIA WOOLF’S NIGHT AND DAY
USA, GB / 2026
Regie:
Tina Gharavi
Mit: Haley Bennett, Elyas M’Barek, Lily Allen, Jack Whitehall, Jennifer Saunders, Timothy Spall u.a.

Der Aufschrei der Emanzipation

Im England des Jahres 1910 antwortet eine junge Frau aus besten Kreisen einem „passenden“ hoffnungsvollen künftigen Ehemann auf seinen Heiratsantrag nicht mit „Ich habe andere Pläne“. Genau das tut Katharine Hilbery, die Heldin von Virginia Woolfs 1919 erschienenem Roman „Night and Day“, den man noch als Frühwerk bezeichnen kann und der allseits als leicht und humoristisch beschrieben wird.

Filmemacherin Tina Gharavi hat hier mit Hilfe von Drehbuchautorin Justine Waddell enorm nachgeschärft und die Geschichte mit genauer Milieuschilderung der Edwardianischen Epoche  auf die Leinwand gebracht, Hier erkämpft sich die Heldin ein Frauenschicksal jenseits von „Love and Marriage“, das einzige, was Frauen aus besseren Kreisen damals zugestanden wurde.

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Denn Katharine beschäftigt sich geradezu leidenschaftlich mit Astronomie, und das keinesfalls laienhaft. Als sie zu einer Veranstaltung der Astronomischen Gesellschaft gehen möchte, die Frauen verwehrt ist, kleidet sie sich in einen Männeranzug, was sie in der Folge immer wieder tut, um ein wenig Freiheit zu erlangen. Nun gerät sie auch in die Kreise der damals schon kämpferischen Frauenbewegung und lernt auch Menschen aus der Unterschicht kennen.

Dabei bleiben die „Liebesgeschichten“ der Hanldung (es geht auch darum, dass ihr vernachlässigter, ihr aufgezwungener Bräutigam sich in ihre liebenswürdige Cousine verliebt) weitgehend im Hintergrund. Was deutlich gezeichnet wird, ist eine oberflächliche Oberschicht, in der die Männer brutal dominieren und die meisten Frauen es widerstandslos geschehen lassen.

Der Höhepunkt des Films kommt gegen Ende, wenn die zur Wissenschaftlerin geborene Katherine ein Papier in Cambridge eingereicht hat und tatsächlich zu einem Gespräch eingeladen wird. Tatsächlich aber lachen die alten Herren sie nur aus und schicken sie nicht zuletzt mit dem Hinweis weg, dass es auf dem Universitätsgelände keine Toiletten für Frauen gibt… Da prophezeit ihnen Katherine wütend eine Zukunft, in der sich die Welt zugunsten der Frauen verändern wird – und diese in Cambridge studieren werden

Da nimmt auch Hauptdarstellerin Haley Bennett etwas an Fahrt auf, was aber nichts daran ändern kann, dass die 38jährige Amerikanerin (die als „Witwe Cliquot“ durchaus beeindruckt hat) eine Fehlbesetzung für die junge Engländerin ist. Sie sieht den ganzen Film immer gleich  mieselsüchtig drein, und wenn man auch ihre Abneigung gegen die Gesellschaft teilt, in der sie leben muss, sollte sie doch irgendetwas ausstrahlen, das den Zuschauer für sie einnimmt. Das ist allerdings überhaupt nicht der Fall.

Im übrigen hat sich noch ein Fremdkörper in die Besetzung geschlichen, die durchwegs „very british“ und solcherart authentisch ist: Dreizehn Jahre nach „Fack ju Göhte“ hat Elyas M’Barek den Sprung in die internationale Filmwelt geschafft.

Und wenn heutzutage Frauen sich gerne weinerlich als „Opfer“ gerieren, dann sollten sie diesen Film ansehen und erkennen, wie schwer das Schicksal unserer Geschlechtsgenossen vor hundert Jahren war…

Renae Wagner

 

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