
Filmstart: 9. Juli 2026
VAIANA
Moana / USA / 2026
Regie: Thomas Kail
Mit: Dwayne Johnson, Catherine Laga’aia u.a.
Verleih: The Walt Disney Company
Das wahre Supergirl
Als das Wort „Exotik“ noch nicht „rassistisch“ konnotiert war (das hat erst unsere verrückt-woke Welt zustande gebracht), hat man sich bei Disney (von Pocahontas und Mulan bis Vaiana) gerne in nicht-weiße Welten begeben, weil sie fremd und reizvoll waren.
Das polynesische Prinzesschen Vaiana war als Animationsfigur 2016 so erfolgreich, dass man gleich eine Fortsetzung nachschickte. Und eine Realverfilmung hat man bereits länger angedacht. Hier ist sie nun – und sie macht Spaß, auch oder weil sie sich ziemlich genau an die Vorlage hält. Was sich bewährt hat, ändert man besser nicht… (Never change a winning team, sagen die Engländer.)
Das war klug, weil man bei Disney hier nicht in irgendwelche Diversity-Fallen gestolpert ist, die etwa das neue „Schneewittchen“ so unerträglich und erfolglos machten. Südsee ist Südsee, die Real-Heldin liebenswert, der männliche Kontrapunkt kein Prinz, sondern ein Komiker besonderer Art, dazu die urigen Tiere, die aus dem Computer kommen, der Reiz der Tropen mit Palmen und einem oft wilden Meer und selbstverständlich viel Musik und Tanz, was bisweilen an die Bollywood-Welt erinnert… Zurück zu den Wurzeln sozusagen, gewissermaßen das Bekenntnis zu einem naiveren Weltbild und purem Unterhaltungsanspruch.
Ein Film wie dieser wendet sich an ein Publikum, das dergleichen sehen will, das ist klar. Aber dann bekommt man viel geboten. Wobei immer schon aufgefallen ist, dass – lange noch, bevor der Feminismus auf allen Fahnen wehte – viele Disney-Mädchen starke Frauen waren. Vaiana, die Häuptlingstochter, will sich schon als Kind nicht in dem Dorf einsperren lassen, wo ihr Vater (John Tui) der Chief ist und enge Grenzen setzt. Vor allem vor dem Meer wird gewarnt, über das Riff hinaus darf niemand. Aber die kleine Ausreißerin Vaiana zieht es genau dorthin, und als sie die Gestalt der 19jährigen Catherine Lagaʻaia annimmt, die eine absolute Idealbesetzung ist, muss sie es auch. Und wenn sie sich (auf einem der typischen polynesischen Boote, die man sonst nur im Museum sieht) aufs Meer wagt, dann ist sie ein echtes „Supergirl“ und keine so vage, zweifelhafte Figur wie das letzte Fetzen-Supergirl auf der Leinwand (die übrigens kein Erfolg sein soll).

Hier werden von Yaina Führungsqualitäten verlangt. Denn auf einmal vertrocknet die Ernte, es gibt keine Fische mehr, das Unheil ist da, und nur Großmutter (Rena Owen) weiß, was zu tun ist: Die beleidigte Göttin Te Fiti muss versöhnt werden, der der Halbgott Maui ihr Herz gestohlen hat… Womit nicht nur die unerschrockene und wirklich mutige Vaiana aufbricht und echte Abenteuer zu bestehen hat, sondern auch die mythische Welt eingebracht wird, die wir gänzlich verloren haben (außer bei Esoterik-Gurus, die viel Geld damit machen), die sich die Naturvölker aber bewahrt haben…
Die nächste Ebene des Films, den Regisseur Thomas Kail mit offensichtlichem Schwung und wahrscheinlich auch Liebe zur Sache inszeniert hat, ist der Humor, und auch das kommt vorzüglich herüber, nicht zuletzt in Gestalt eines ulkigen Hahns, der Vaiana auf ihrer Reise begleitet. Gut, es gab schon bessere Tiere bei Disney (Hakuna Matata!), aber die Phantasie der dort tätigen Kreativen darf sich bei vielen anderen, auch gefährlichen Fantasy-Tieren austoben, die den Weg Vaianas kreuzen.

Und dann ist da noch, wenn wir von Humor reden, vor allem Dwayne Johnson als der Halbgott, und man wüsste nicht, wann man diesen sonstigen Action-Helden so vergnüglich erlebt hätte wie in seinen Wortgefechten mit der Prinzessin, die ihm nichts schuldig bleibt. Außerdem ist er im Stil griechischer Vasen tätowiert, wobei die einzelnen Figuren durchaus zum Leben erwachen können…
Abenteuer (mit enormen und auch bemerkenswerten Computer-Effekten), Gesang (vielleicht ein bißerl viel, aber auch das muss sein und die Melodien von Lin-Manuel Miranda flutschen gefällig ins Ohr), am Ende die Heimkehr zur Familie, religiöse Zeremonien, echte Werte, die früher (als noch nicht Wokeness alles zerstörte) ein Grundpfeiler der Disney-Aussagen waren. Funktioniert noch immer, wenn man guten Willens ist.
Dass die österreichische Prädikatisierung, die oft unverständliche Zustimmung signalisiert, sich hier nicht einmal zu einem „sehenswert“ aufschwingen konnte, befremdet. Also sollte die Kritik es deutlich sagen: Wenn man Disney-Filme mag, ist dieser ein besonders geglücktes Beispiel – für Jung und Alt..
Renate Wagner

