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Film: TOP GUN: MAVERICK

22.05.2022 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 24. Mai 2022 
TOP GUN: MAVERICK
USA  /  2020 
Regie: Joseph Kosinski
Mit: Tom Cruise, Miles Teller, Jennifer Connelly, Val Kilmer, Ed Harris, Jon Hamm, Miles Teller u.a.

Als „Top Gun“ 1986 in die Kinos kam, war er 24 Jahre alt. Wenn nun „Top Gun. Maverick“ als sehr späte Fortsetzung anläuft, nähert er sich rasant seinem Sechziger. Dazwischen liegt die Karriere des Tom Cruise, der in der Scientology-Sekte immer einen starken, auch finanziell potenten Rückhalt hatte. Und in den neunziger Jahren lief es sehr gut für ihn – mit „Cocktail“ und „Rain Man“ (auch wenn der Film Dustin Hoffman gehörte), mit „Geboren am 4. Juli“ und „Tage des Donners“, mit „Eine Frage der Ehre“ und „Interview mit einem Vampir“, und 1996 gab es auch erstmals „Mission Impossible“, das sich zu einer markanten Serie – mit Garantie für sensationelle Stunts – auswuchs.

Nach der Jahrtausendwende wurde es für Tom Cruise allerdings holprig, der Versuch, mit der Gestalt des Jack Reacher eine weitere Serie aufzubauen, scheiterte am weitgehenden Desinteresse des Publikums, und im Grunde wollte man ihn nur immer wieder in „Mission Impossible“-Fortsetzungen sehen – aber auch da hakt es im Moment, Der sechste Film der Reihe kam 2018 in die Kinos, seither ist immer nur die Rede von Nr. 7,  der  nicht zum ersten Mal auf auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Dafür kommt ein anderes „Remake“ in die Kinos: Noch einmal ist Tom Cruise als „Top Gun“-Fighter in Überschall-Flugzeuge gestiegen. Und das dürfte jetzt zumindest für dieses Jahr genügend Geld und sogar Lob bringen. Weil’s ein gar so braver Film ist – der dennoch alle Erwartungen erfüllt.

Einst war er ein ungestümer junger Kampfflieger, nun ist er – nein, natürlich nicht alt, das kann ein Tom Cruise gar nicht sein, Gesicht und Haare wirken, als sei die Zeit ziemlich spurlos an ihm vorbei gegangen (was viel Arbeit für die Visagisten bedeutet, wenn nicht… egal). Er muss noch immer sein bekannt strahlendes Lächeln zeigen, aber dennoch ein bisschen Reife und Besinnlichkeit ausstrahlen. Er muss natürlich der todesmutige Held sein, aber dennoch kein wilder Draufgänger, sondern ganz bescheiden. Ein besonders guter Schauspieler war er nie, aber das kriegt er hin. Und als Liebhaber muss er glaubhaft und rücksichtsvoll genug sein, um aus dem ersten Stock zu springen, um seine Herzensdame nicht zu blamieren – deren Tochter sieht ihn dennoch und verlangt, er solle ihrer Mutter nicht noch einmal das Herz brechen. Keine Angst, es schaut nach einem dauerhaften Happy End aus. Fortsetzung folgt? Jahrzehntelang darf er sich diesmal nicht Zeit lassen.

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Cruise spielt das Flieger-As  Maverick, anfangs ein einsamer Wolf, der absichtlich keine Karriere beim Militär gemacht hat, weil er fliegen will und nicht Chef spielen. Das muss er allerdings, als eine Notsituation ausbricht, für die man im Kino immer Leute wie diesen Capt. Pete „Maverick“ Mitchell in der Hinterhand hat. Ein „Schurkenstaat“ (vorsichtshalber nennt man keinen Namen) hat in einer mit allen möglichen Waffen gesicherten Talsohle offenbar eine Atomanlage  versteckt, die weggebombt werden muss – fast nicht machbar, es sei denn für Leute wie Maverick, die in Minutenschnelle unter feindlichen Waffen hinweg fliegen und punktgenau zerstörerische Bomben abwerfen können… Das soll er nun einer Handvoll Nachwuchspiloten beibringen.

Von dem Dutzend junger Leute, die Maverick ausbilden soll, gewinnt nur „Rooster“ (Miles Teller) Profil, der Sohn jenes Mannes, der in „Top Gun“ an der Seite von Maverick gestorben ist. Keine Angst, die Animositäten des jungen Mannes halten sich in Grenzen, und auch die anderen spielen ihr Macho-Testosteron gerade nur so aus, dass es für die heutigen Verhältnisse nicht allzu unsympathisch wirkt. Eine junge Frau ist dabei (Monica Barbaro), stark und furchtlos, wie es sich gehört, aber eine wirkliche Rolle wird nicht daraus. Und ein Kollege (Glen Powell) darf sich nur als Ungustl geben, um am Ende zum Retter  zu werden…

Die ziemlich langen Vorbereitungen (der Film dauert zweieinviertel Stunden) sind nicht sonderlich interessant, auch wenn ein Vorgesetzter (Jon Hamm) aus Animosität gegen den unangepassten Maverick immer Schwierigkeiten macht. Daneben gibt es noch die Romanze mit der Bar-Besitzerin Jenny, und man ist froh, dass diese in Gestalt von Jennifer Connelly nicht zu unglaubwürdig jugendlich ausfällt. In Mini-Rollen dürfen noch zwei echte „Oldies“ dabei sein, Ed Harris und Val Kilmer, der mit Anstand agiert und stirbt, Soldaten-Begräbnis… Denkt man an andere Filme der letzten Zeit (etwa „Dr. Strange“), die handlungsmäßig völlig unübersichtlich ausufern und nerven, ist dieser bescheidene Plot ganz angenehm. Der ist ja schließlich nur der  Rahmen.

Denn worauf kommt es in dem Film an? Natürlich auf das Fliegen, das gibt es reichlich, stellenweise kann man sich wie in einem Simulator fühlen, als dürfte man selbst losbrettern. Wer weiß, vielleicht sind letztmals Menschen statt Drohnen in der amerikanischen Kriegsführung unterwegs gewesen…  Noch einmal den Rausch der  Geschwindigkeit genießen, und das gefahrlos im Kinosessel! Das wird vielen Männern ihr Geld wert sein.

Die Szenen mit den tollkühnen Jungs (und dem einen Mädchen) im Cockpit sind stellenweise wirklich thrilling, allein das (für viele wohl erotisierende) Geräusch der abhebenden Maschinen! Und wenn unser Held dann abstürzt (natürlich fliegt Maverick selbst mit, auch wenn das nicht vorgesehen war), dann gibt es noch eine dramatische Rettungsaktion, natürlich vorhersehbar, aber doch spannend.  Böse Feinde tauchen allerdings nicht auf, die ganze Sache spielt sich gewissermaßen im Team ab, und weil dann alle letztendlich  so gut und lieb zu einander sind, hat der Film auch viel Lob gefunden.

So ist es Regisseur Joseph Kosinski gelungen, die kompakte Action zu liefern, die erwartet wird, und nebenbei das allgemeine Gutmenschentum der Amerikaner zu befriedigen. Und Tom Cruise (selbst am Steuer in der Luft, wie man hört) darf doch noch einmal den (wie gesagt: bescheidenen) Helden spielen. Womit alle Voraussetzungen, mit denen man angetreten ist, erfüllt wurden. Jetzt müssen an den Kinokassen nur noch die Millionen rollen…

Renate Wagne

 

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