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Film: THE SOCIAL RECKONING

Die Geister, die wir riefen

08.10.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

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Filmstart: 8. Oktober 2026 
THE SOCIAL RECKONING
USA  /  2026
Drehbuch und Regie: Aaron Sorkin
Mit: Mikey Madison, Jeremy Allen White, Jeremy Strong u.a.

Die Geister, die wir riefen

Am 4. Februar 2004 ging Facebook online und veränderte die Welt. Das Zeitalter der Sozialen Medien hatte begonnen, wobei sich damals noch niemand vorstellen konnte, welche – verheerenden – Ausmaße diese Entwicklung annehmen sollte. Ein klassischer Fall von „Die Geister, die ich rief…“

2010 schrieb Aaron Sorkin, bekannt geworden durch sein verfilmtes Theaterstück „Eine Frage der Ehre“ mit Tom Cruise, ein Drehbuch über die ziemlich unsaubere Entstehung von Facebook. David Fincher inszenierte damals den Film „The Social Network“, der junge Jessse Eisenberg spielte den jungen Mark Zuckerberg.

Fünfzehn Jahre später griff Sorkin das Thema noch einmal auf, indem er nun die Geschichte der Whistleblowerin Frances Haugen und des „Wall Street Journal“-Journalisten Jeff Horwitz auf die Leinwand brachte (diesmal auch als sein eigener Regisseur). „The Social Reckoning“ ist, wie der Titel sagt, die Abrechnung mit Zuckerberg, der nun die strengen, harten Züge von Jeremy Strong trägt.

In den Grundzügen ist es eine wahre Geschichte .Frances Haugen war bei Facebook als gut bezahlte Produktmanagerin angestellt, die – wie sie vielfach versichert, bevor sie es sich überlegt – an das Unternehmen glaubt, an die breite Möglichkeit von Kommunikation und an die freie Meinungsäußerung. Wie es dazu kam, dass sie dennoch gegen das Unternehmen auftrat, zeigt Sorkin in einer Art Prolog, von dem man erste später begreift, was er sollte. Als eine betrunkene junge Frau nächtlich am Straßenrand von zwei farbigen Polizisten kontrolliert werden soll, redet sie sich in eine hasserfüllte Rage, filmt sie Szene und stellt sie auf Facebook. Ähnliche hemmungslose„Wutbürger“ sind es, die im Jänner 2021 nach der Abwahl von Donald Trump das Kapitol stürmen. Und Haugen, die in der Abteilung „Civic Integrity Team“ arbeitet, weiß nach ihren eigenen Untersuchungen, dass Facebook diese Radikalisierung der Bevölkerung befördert. Als sie das in der Firma zur Sprache bringen will, stößt sie bei jedermann nur auf Ablehnung und den guten Rat, sich lieber nicht als Kassandra zu gerieren, dergleichen wolle niemand hören,

Gleichzeitig heuert Jeff Horwitz, ursprünglich politischer Journalist, beim „Wall Street Journal“ an und will, obwohl er ein digitaler Nerd ist, der nicht einmal ein GPS programmieren kann, ausgerechnet über die Mißstände bei Facebook recherieren, Als er nach und nach zahllose Mitarbeiter von Facebook anschreibt, antwortet einzig und allein Frances Haugen – erschüttert von dem Video der Frau, die sie früher als „ganz normal“ gekannt hat, erschüttert von den Ereignissen im Kapitol.

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Nun folgt die übliche Verschwörungsgeschichte, wobei sich der besonnene Reporter und die unsichere Facebook-Ingenieurin langsam (aber ganz platonisch, obwohl es sich um zwei attraktive Leute handelt) an einander annähern, bis Haugen endlich alles riskiert und eine Unmenge von Daten „stiehlt“, die dann zu der elfteiligen Zeitungs-Serie „The Facebook Files“ führte.

Würde das von der jungen Mikey Madison („Oscar“-Preisträgerin 2025 für ihre Titelrolle in „Anora“ und trotzdem noch nicht berühmt) und von Jeremy Allen White nicht so überzeugend gespielt, man könnte die Geschichte, die auf altmodische Art wunderbar klar und übersichtlich präsentiert wird, fast für ein wenig langweilig halten. Zumal Sorkin keinen billigen Krimi daraus macht (man könnte ja um das Leben der Whistleblowerin fürchten müssen, aber nichts dergleichen… alles bleibt gewissermaßen ruhig.)

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Aber da ist ja noch Mark Zuckerberg, dem damals eine Kongressanhörung bevorsteht. Man erlebt ihn fast ausschließlich in Szenen, wo er mit seinen Angestellten die Szene im „Gerichtssaal“ probt, wo er mit unangenehmen Fragen gegrillt wird und seine Antworten die Möglichkeit bieten, die zynische absolute Machtausübung und auch Gewissenlosigkeit dieses Mannes nachzuvollziehen. Jeremy Strong hat für seine an sich atemberaubende Leistung nicht nur gute Kritiken bekommen, man nannte ihn einen Klischee-Popanz des Kapitalismus, aber man kann sich vorstellen, dass Menschen dieses Zuschnitts von Macht und Milliarden ihre Menschlichkeit auf die geschilderte Art und Weise verloren haben…

Nach dem Skandal der „Files“ ist wenig mehr passiert, als dass Facebook in Meta umbenannt wurde. Noch immer nützen über drei Milliarden Menschen täglich Facebook, Instagram und WhatsApp, die zu Zuckerbergs Konzern gehören, und setzen sich Manipulationen aus. Und noch immer wird damit in erster Linie Geld verdient – und die Verantwortung dahingehend, was man mit Usern macht, die beispielsweise zu radikalen Gruppen „eingeladen“ werden, ist noch immer nicht gefunden.

Immerhin wird in diesem Film die Zivilcourage jener gefeiert, die sich entschließen, nicht alles hinzunehmen, sondern etwas dagegen zu tun. Auch wenn sie, wie wir wissen, nichts erreichen… außer für zwei Kinostunden Helden der Leinwand zu werden.

Renate Wagner

 

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