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Film: THE MULE

27.01.2019 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 1. Februar 2019
THE MULE
USA / 2019
Regie: Clint Eastwood
Mit: Clint Eastwood, Bradley Cooper, Laurence Fishburne, Dianne Wiest, Alison Eastwood u.a.

Es gibt einige ehemalige Hollywood-Größen, die sich nicht zum Abtreten entschließen können. Clint Eastwood ist einer von ihnen (und neben Robert Redford wohl der gewichtigste unter den „alten Herren“). Jahrgang 1930, schrammt er auf die 90 zu und inszeniert und produziert noch immer Filme, wobei der allerdings seit 2012 nicht mehr selbst vor der Kamera gestanden ist. Jetzt versucht er es in „The Mule“ wieder – und spielt, was er ist: einen alten Mann.

„The Mule“ ist eine tragische Geschichte – schon von der Doppelbedeutung des Titels her. Maultier, ja, einer, an den die Familie ununterbrochen Ansprüche stellt und ihn beschimpft, weil er sie angeblich nicht ausreichend erfüllt. Und „Drug Mule“, einer der Drogen transportiert – und wer könnte für ein mexikanisches Kartell passender sein als unverdächtiger weißer alter Mann (besser als jung und farbig, was einen in jede Polizeikontrolle laufen lässt)?

Und das ist wieder einmal eine wahre Geschichte – Leonard Sharp hat sie selbst erlebt, hat für das Sinaloa-Kartell längere Zeit erfolgreich als Lastwagenfahrer Drogen über die Grenze gebracht, bis er 2011 doch geschnappt wurde – die amerikanische DEA (Drug Enforcement Administration) schläft ja doch nicht…

Wenn wir Earl Stone, wie der Held hier heißt, kennen lernen, kann er einem nur leid tut – Kriegsveteran, kompetenter Gärtner, noch immer tätig, steht vor dem Ruin und kann sich von seiner Familie (seine Tochter im Leben spielt seine Tochter im Film) nur Böses anhören. Irgendwie muss er Geld beschaffen, und der Job, der des Weges kommt (er müsse „nur fahren“, heißt es), kann ihm dabei helfen. Natürlich weiß er bald, was er tut und wofür er zunehmend viel Geld bekommt, das er in seine Familie, um die er sich bemüht, und in soziale Projekte steckt – er schafft Drogen über die Grenze. Das Herumfahren in der Gegend macht ihm sogar Spaß, und das Publikum darf über seine politische Unkorrektheit lachen (wenn man es schon selbst nicht sein darf, sieht man einem Alten zu, der diesbezüglich naiv ist oder sich so stellt…)

Es gibt einige packend-spannende Szenen in dem Film: Die Mexikaner, mit denen Earl es zu tun hat, scheinen ja teilweise ganz nett zu sein zu dem alten Mann – wenn sie nicht in Stresssituationen ihr wahres Gesicht zeigen. „We are no friends, no amigos“, heißt es dann, und als Zuschauer weiß man, wie lebensgefährlich die ganze Sache für Earl von beiden Seiten ist… Oder wenn er an das Sterbebett seiner Exfrau kommt und ihr, die in ihrem Spitalsbett den letzten Zügen liegt, erzählt, er schmuggle Kokain für ein Kartell… und dann lacht, als sei es nicht wahr… Aber so dicht wird es selten.

Irgendwann sind Earl die Verfolger auf den Fersen, das Kartell hat es eilig, Bradley Cooper ist als DEA-Agent unterwegs, und dann schnappen sie Earl schließlich doch. Er bekennt sich schuldig. In den USA hat der Prozeß des originalen Leonard Sharp einiges Aufsehen erregt, seines Alters wegen und der geringen Strafe, die man ihm auch in Hinblick auch auf seine angebliche Demenz aufgebrummt hat.

Der Film gibt sich mit dem Prozeß nicht groß ab, Hereinschreiten der Geschworenen, Schnitt   – und man sieht Earl zwar im Gefängnis, aber glücklich in der Gefängnisgärtnerei bei seiner bevorzugten Tätigkeit. Das gibt sogar das Gefühl eines Happyends – das Roadmovie eines Unglücklichen, der hinter Gittern landen musste, um es am Ende einigermaßen gut zu treffen…

Dennoch – bei aller Bewunderung für Clint Eastwood, die natürlich die Bewunderung für viele Rollen mit einigen unvergesslichen Höhepunkten ist, hätte man sich einen interessanteren Film als (vermutlichen) Abschluß seiner Karriere gewünscht: Er mag als mürrischer alter Mann, der mit Vorliebe über Handys schimpft, ganz sympathisch rüberkommen – aber der Film rollt dann doch zu beiläufig vorbei. Man fragt sich, was Eastwood an dieser Geschichte, die er letztlich eher unspannend erzählt, so gereizt hat.

Renate Wagner

 

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