
Filmstart: 30. Juli 2026THE INVITE
USA / 2026
Regie: Olivia Wilde
Mit: Olivia Wilde, Penelope Cruz, Seth Rogen, Edward Norton
Kniffliges Kammer-spiel
Es beginnt damit, dass ein älterer Mann eher gelangweilt in einer Konzertprobe sitzt und dann grußlos weggeht. Als dieser Joe zuhause ankommt, beginnt gleich ein Streit mit seiner Frau Angela, und dass da höchste Spannung herrscht, ist klar. Umso schlimmer, als die Gattin mitteilt, dass sie das über ihnen wohnendes Ehepaar eingeladen hat – die, die beim Sex so viel Lärm machen… Der ungehaltene Ehemann muss sich fügen und zusammen nehmen. Und dann kommen sie, die ungemein attraktive Pina und der, wie es scheint, vor allem höflich zurückhaltende Hawk.
Ein Vier-Personen-Stück, was längst eine klassische Situation ist. Edward Albee hat mit „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ und Yasmina Reza mit „Der Gott des Gemetzels“ Weltruhm erlangt. Auch diese Geschichte zweier Paare beruht auf einem Stück. Der katalanische Autor Cesc Gay hat es 2020 selbst verfilmt, eine deutsche Fassung („Die Nachbarn von nebenan“, 2023) gab es auch.
Nun hat es Olivia Wilde, Schauspielerin mit schon bewährten Regieambitionen, in die Hand genommen – sie dirigiert sich selbst als Angela, Seth Rogan als ihren Mann, Penelope Cruz und Edward Norton (lange nicht gesehen) als deren Partner mit sehr viel Witz durch Vordergründiges und Hintergründiges.
Zwei Paare, die sich nicht kennen, die nicht, wie bei Albee, unter Alkohol stehen und nicht, wie bei Yasmina Reza, ein Thema haben, über das sie streiten werden. Was tut man also? Angela möchte sich natürlich in Szene setzen, Joe windet sich, die Peinlichkeit der anfänglichen Gespräche ist evident und durchaus echt. Man redet über Essen, die Wohnung, tastet sich durch Banalitäten.
Bis dramaturgisch etwas geschehen muss, und da hat sich der Autor den Schockeffekt ausgedacht, der nicht ganz alltäglich ist – wie wäre es mit ein bißchen polyamourösem Partnertausch? bieten die Gäste an. Unser doch recht spießiges a Pärchen windet sich – bevor sie es ganz interessant finden. Kommt es dazu? Immerhin bietet das knifflige Kammerspiel einiges zum Lachen. Außerdem ist es ein Beziehungsstück, also sollte das HappyEnd, auf das alles hinausläuft, ohne diesen Knalleffekt stattfinden…
Abgesehen von durchaus komödiantischen Passagen sind Situationen wie diese dramaturgisch immer dahingehend gepolt, dass man einander enthemmt irgendwelche unfreundliche Wahrheiten sagt, vor allem die Frauen dürfen sich bei den Männern beschweren, die ja doch, wie man hört, allzu machohaft agieren. Wie heute üblich, ducken sich die Angeklagten… und wenn die Gäste weg sind und Seth (der Musiker, der seinen Beruf so lange verweigtert hat) sich ans Klavier setzt, Angela zu ihm und vierhändig mit ihm spielt… dann hat man die versöhnliche Sauce über die Geschichte gegossen, die letztendlich so interessant nicht war.

Es sind eindeutig die Frauen hier dominieren, vor allem Penelope Cruz als hinreißende, selbstironische „Sexologin“, die gute Ratschläge gibt und selbst Probleme hat. Olivia Wilde hat den Mut, sich nicht als attraktive Heldin auszustellen (ihre Frisur ist eigentlich eine Sünde), sondern das anfangs aggressive, dann zutiefst verunsicherte Weibchen zu spielen. Seth Rogen als ihr Gatte ist hilflos bemitleidenswert, und Edward Norton als zuerst scheinbar so zurückhaltender Mann von nebenan, entpuppt sich später.
Wäre die Grundlage des Films ein wirklich gutes Theaterstück, man würde es weltweit landauf, landab spielen. So ist es auf eine Kino-Beziehungskomödie mit kleinen schärferen thematischen Schlaglichtern reduziert. Sommerunterhaltung jedoch allemale.
Renate Wagner

