Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Film: THE DEATH OF ROBIN HOOD

Ein Akt gewaltsamer Zerstörung

19.06.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

film robin hood plakat maxresdefault~1

Filmstart:  18. Juni 2026
THE DEATH OF ROBIN HOOD
USA  /  2026
Drehbuch und Regie: Michael Sarnoski
Mit: Hugh Jackman, Jodie Comer. Bill Skarsgård u,a,

Ein Akt gewaltsamer Zerstörung;

Robin Hood. Der Verteidiger der Armen und Entrechteten. Der lustige Bruder Tuck. Der kluge Little John. Der fiese Sheriff von Nottingham. Wer ins Kino geht, um sich „The Death of Robin Hood“ anzusehen, muss nicht nur all das vergessen (stimmt nicht, Little John kommt am Rande vor), er muss auch akzeptieren, dass all das nicht wahr war. Er war kein Held, sondern ein brutaler Mörder, der gar nicht weiß, wie viele Menschen er gemetzelt hat. Jetzt ist er ein alter Outlaw, der seine eigene Legende gezimmert hat. Eine brutalere Vernichtung von einer der Lieblingsfiguren der Briten ist kaum vorstellbar…

Hugh Jackman ist in seinen späten Fünfzigern auf einem darstellerischen Zickzack-Kurs: Im „Song Sung Blue“ hoch gelobt als halb abgewrackter amerikanischer Country Sänger, übernahm die kurze Rolle des liebevollen Schäfers in dem Schafskrimi „Glennkill“, wo eine Herde animierter Tiere allen Menschen die Show stahlen, und verwandelt sich nun bis zur Unkenntlichkeit in einen sehr alten, zerknitterten, weißhaarigen Robin Hood, so abgewrackt, wie man sich einen „Outlaw“ nur vorstellen kann – wobei er anfangs angesichts seiner Morde und Schandtaten ziemlich reuelos erscheint….

film robin hood er groß fc3c29ba 6467 4a41 cc a253 4ec4dd8244c3~1

Drehbuchautor / Regisseur Michael Sarnoski lässt für ihn keine Gnade walten. Abgesehen davon verwendet er auch einige Mühe darauf, das Mittelalter zu entromantisieren und zu zeigen, wie schwer, blutig und nach unseren Vorstellungen kaum lebenswert die Zeit Mitte des 13. Jahrhunderts war. Und entsprechend dieser Vorstellung (so wie dieser Film es sehen will), waren die „Merry Men“ eine Räuberbande und Robin Hood ihr gnadenloser Anführer.

Im letzten Stadium seiner Existenz tritt nochmals Little John (Bill Skarsgård), der als einziger der Bande überlebt hat, in sein Leben und braucht seine Hilfe, was wieder in ein Gemetzel mit schonungslosen Gewalttaten ausartet. Little John kann den schwer verletzten Robin Hood nur in ein Kloster auf einer Insel bringen, wo sich ein wunderbar sanftes Frauengesicht über ihn beugt (Jodie Comer als charismatische Schwester Brigid) und ihn, der eigentlich nur sterben will, gesund pflegt.

Von nun an wird der Film – der viele schaurig-schreckliche Bilder geliefert hat – friedlicher, der Held – als Bogenschütze noch immer ungeschlagen –  reuiger, zeigt Gefühle angesichts junger Menschen, Ganz frei von Kitsch sind solche Läuterungsgeschichten nie, zumal wenn unschuldige kleine Kinder ins Spiel kommen, die man einfach umarmen muss (und ihnen einen Bogen machen, auch wenn es ein Mädchen ist).

Am Ende stirbt der alte Mann gewissermaßen erlöst. Warum man aus einem Helden einen Verbrecher machen musste – das liegt vielleicht an der woken Grundstimmung, die heutzutage nichts Gutes an der Vergangenheit lassen will. Warum das so ist, bleibt aber als Frage dennoch offen…

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken