Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Film: THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP

Drehbuchautor: das Leben

31.08.2026 | FILM/TV, KRITIKEN

film lady plakat xxx xxx 25~1

Filmstart: 3. September 2026 
THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP
Christy  /  USA  /  2025
Regie: David Michôd
Mit: Sydney Sweeney, Ben Foster u.a.

Drehbuchautor: das Leben

Erstens ist das ein Boxerfilm. Nun gibt es spannendere Sportarten (Formel 1 zum Beispiel) und entschieden elegantere (Tennis zum Beispiel), aber dass Menschen gerne Boxen auf der Leinwand sehen, konnte Sylvester Stallone auf fünf Rocky-Filme ausdehnen, und Robert De Niro hat sich als „Wilder Stier“ einen verdienten „Oscar“ geholt. Boxen also – in diesem Fall Frauen-Boxen, das ist noch ein bißchen etwas Anderes. Im Grunde gibt es da nur ein – wenn auch glorioses – Vorbild, nämlich Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“, worin Hilary Swank die Fäuste schwang und mit einem „Oscar“ belohnt wurde.

Zweitens ist es der klassische Sportler-Film, der zeigt, wie es bei Sportlern aller Disziplinen in der A-Liga funktioniert – man braucht Manager, die einem oft Entscheidungen abnehmen oder aufzwingen, man braucht Publicity, man braucht ein Image, und sich über sich selbst und das, was man tut, den Kopf zu zerbrechen (wie es die Protagonistin hier tut), das ist eigentlich nicht vorgesehen.

Und drittens ist es der klassische Frauenfilm über berufliche, private und sexuelle Selbstermächtigung in einer Welt, wo die Männer meinen, alles bestimmen zu können – und brutal losschlagen, wenn die Frau nicht so funktioniert, wie sie es sich vorstellen.

All das klingt nach Klischee, wirkt auch so, trifft sich aber mit der Wirklichkeit, die manchmal die erstaunlichsten Drehbücher schreibt. Die Geschichte der amerikanischen Boxerin Christy Martin, Jahrgang 1968, dürfte sich weitgehend so abgespielt haben, wie der Film „Christy“ es erzählt. Der etwas umständliche deutsche (englische!) Titel erklärt sich daraus, dass Christy Martin im Jahr 1996 als erste Boxerin auf dem Cover von  „Sports Illustrated“ erschien, mit der Schlagzeile „The Lady Is a Champ“.

film lady 1 si xxe 2f9784a~1

Dass Eltern der Unterschicht im Amerika der 80er Jahre nicht begeistert waren, dass die Tochter Boxerin werden wollte, statt ein „normales Leben“ zu führen, ist ebenso einsichtig wie die Ablehnung, als Christy zu ihrem Lesbentum steht (jedesmal hat sie es mit einer stark empörten Mutter zu tun, die in ihr Leben eingreifen will). Und dennoch machte Christy als Boxerin Karriere, die von ihrem erst Manager, denn Ehemann James V. Martin rücksichtslos betrieben wurde. Tatsächlich hat er sie, als ihr Widerstand immer größer wurde, so attackier und verwundet, dass sie beinahe daran gestorben wäre,

Dass sie ihn dafür vor Gericht gebracht und dann ihre lesbische Freundin geheiratet hat und heute auch als Coach für Gewaltopfer tätig ist (wie man dem Nachspann entnimmt), macht den Film als Feminismus-Fanal tauglich und natürlich für Betroffene beispielhaft befriedigend.

Dass die Geschichte trotz ihrer verbürgten Wahrhaftigkeit vor Klischees trieft, ist nicht zu vermeiden. Der australische Regisseur David Michôd, der rein gar nichts weinerlich beschönigt, kann sich jedenfalls auf seine Hauptdarstellerin verlassen, die eine Überraschung erster Ordnung ist. Denn Sydney Sweeney, eigentlich als blondes Sexsymbol bekannt, hat eine schier unglaubliche Verwandlung in die braunhaarige, muskelbepackte (14 Kilo Muskelmasse zugenommen, wie in allen Berichten steht) Christy vollzogen. Auch der Weg von ihren Anfängen, da noch naiv-entschlossen, bis zum Ende, gar nicht mehr naiv, aber gleicherweise entschlossen, schreitet sie in glaubhaftem Wandel der Figur (und nicht nur der Frisuren) durch. Und sie hat offenbar so sehr trainiert, dass die durchaus nicht seltenen Boxkämpfe authentisch wirken… zumindest für Laien.

Ihr zur Seite Ben Foster als James V. Martin, der Macho-Widerling wie aus dem Bilderbuch, Inbegriff des sich stark dünkenden Mannes, der nur mit einer unterdrückten, nicht aber mit einer selbständigen Frau umgehen kann, die Christy im Lauf der Handlung im Widerstand zu ihm wird.

Ob einem das Boxen und das Milieu nun gefällt oder nicht, es ist ein legitimes Schicksal, das seine Umsetzung auf der Leinwand verdient und durch eine herausragende darstellerische Leistung sehenswert wird.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken