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Film: SEVEN STORIES ABOUT LOVE

06.02.2022 | FILM/TV, KRITIKEN
7 stories about love

BILD zu OTS – „7 Stories About Love“ Kinoplakat

Filmstart:  11. Februar 2022
SEVEN STORIES ABOUT LOVE
Österreich  /  2020
Drehbuch und Regie: Houchang Allahyari
Mit: Mariam Rahimi, Farid Farhang, Farzaneh Meydani, Behzad Farahani, Mohammad Abhari, Houchang Allahyari

Houchang Allahyari ist vor vielen Jahrzehnten in jungendlichem Alter  als Student nach Wien gekommen und hier geblieben. Er hat seinen Lebensweg als Arzt  und als Filmemacher genommen und viel zur österreichischen Filmszene beigetragen, stets ein Künstler der sozialen  Empathie. Nun, im Alter, agiert er wie viele Menschen, indem er den Blick zurück wendet. Er ist besuchsweise heimgekehrt in die einstige iranische Heimat und hat schon einige Filme aus dieser Welt gedreht, wo man ebenso seine Begegnungen mit der eigenen Familie erleben konnte wie auch etwa eine Fluchtgeschichte zweier junger Afghanen in den Iran.

„7 Stories about Love“, gedreht in Teheran, sind nun keine Liebesgeschichten der klassischen „Boy meets Girl“-Fasson, im Gegenteil. Oft sind es nicht einmal richtige Beziehungsschilderungen, sondern nur sieben relativ kurze Streiflichter aus dem Alltag. Das kann unendlich komisch sein, wenn eine 28jährige Tochter den Eltern von ihrer „großen Liebe“ erzählt, man aber nicht einmal erfährt, ob sie die Facebook-Bekanntschaft wirklich kennt, denn eigentlich weiß sie gar nichts von ihm, nicht einmal, welcher Arbeit er im Basar nachgeht. Da bleibt man, wie die Eltern, schmunzelnd zurück.

Hoch tragisch hingegen (wenn auch in klassisch-klischierter Form) ist die Geschichte eines alten Ehepaares, sie zankt (das tun die Frauen bei Allahyari durchwegs gern), er singt ihr von seiner Liebe, und später erfährt man, dass er todkrank ist und es der Gattin einfach nicht sagen will… Melancholisch auch die erste Geschichte, wo eine Frau in ein Taxi steigt und es klar ist, dass sie den Fahrer kennt. Der Herr Ingenieur sei Taxifahrer geworden, höhnt sie ihn – und bald stellt sich heraus, dass sie ein Ehepaar waren, geschieden sind, und sie erinnern sich an gemeinsame schöne Stunden. Wer hat neben Audrey Hepburn in „Ein Herz und eine Krone“ gespielt? Gregory Peck, sagt sie. Es war Cary Grant, meint er. Nun, es war Gregory Peck, die Frau hat natürlich recht behalten. Er setzt sie ab, man weiß nicht, wo…

Die gewisse Unschärfe der Geschichten ist wohl Absicht, was Genaues erfährt man meist nicht. So bleibt es ein Sketch, wenn eine Gattin den Ehemann und den Maler wortreich herunter macht, denn die Wände werden nur in den Farben gestrichen, die sie sich vorstellt. Mehr erfährt man nicht, auch nichts Genaues über die beiden jungen Frauen, von denen eine der anderen (ist sie verheiratet?) die Haare färbt (für den Liebhaber?). Und warum (es ist wieder eine Fahrt im Auto) redet eine junge Frau in ermüdenden Mäandern immer wieder von Scheidung und davon, was die Familie im Dorf sagen wird?

Am rätselhaftesten ist die letzte Geschichte, in der Houchang Allahyari selbst spielt, was er ist, einen alten Herren mit milder Ausstrahlung, der mit seinem Koffer in einer Bahnhofshalle wartet. Er zieht die junge Frau vis a vis am Tisch in ein Gespräch, erzählt ihr, wie alles hier vor 50 Jahren ausgesehen hat, philosophiert über die Stadt Teheran und würde ihr eine große Summe zahlen, nur dafür, dass sie ihn zum Zug begleitet und ihm nachsieht. Wieder weiß man nicht recht, was es soll – aber als „poetischer“ Schluß funktioniert es.

Die titelgebenden Liebesgeschichten hat man nicht gefunden, wohl aber ein anderes Frauenbild, als man es unter dem Islam erwartet. Diese Frauen, die sich vollmundig artikulieren und auch wehren und die Männer meist schweigend und betroffen zurück lassen, spielen jedenfalls keine Opferrolle.

Was an Repression spürbar wird, ist der Generationenvertrag, der in islamischen Ländern eine weit größere Rolle spielt als in der westlichen Welt. Dass immer die Eltern (die Mütter) und die Familien im Hintergrund lauern und es schwer ist, sich von ihren Vorstellungen und Forderungen frei zu machen, wird schon klar. Die Frage steht im Raum, ob diese Familienbindung das schlechtere oder vielleicht auch bessere Konzept des gesellschaftlichen Lebens darstellt…

Renate Wagner

 

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